Vertraglich vereinbarte Leistungen lassen sich bei einem Fertighaus nicht einfach ändern. Es bedarf triftiger Gründe, die der Kunde generell als zumutbar einstufen muss. Foto: pixabay.com © giovanni_cg (CC0 Creative Commons)

Seit vielen Jahren sind Fertighäuser sehr beliebte Möglichkeiten, um den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Inzwischen bestellt fast jeder Dritte ein solch vorgefertigtes Haus. Der Gesamtmarkt der Branche verzeichnet wohl auch deshalb ein stetiges Wachstum, da Bauherren um die Vorteile solcher Häuser wissen: Kosteneffiziente Planungen, kürzere Bauzeiten und einen planbaren Festpreis.

Dennoch gibt es auch beim Fertighaus einige Tücken und Fallstricke, die Bauherren kennen sollten. Ein Überblick über die wichtigen Aspekte, die bei der Planung und Finanzierung der Fertighäuser beachtet werden sollten.

Die richtigen Voraussetzungen für den Bau schaffen

Bevor das Bauvorhaben konkret wird, sollten Bauherren ihre eigenen Voraussetzungen auf den Prüfstand stellen. Schließlich ist Fertighaus nicht gleich Fertighaus. Auch wenn sich der Absatzmarkt für Fertighäuser in Deutschland laut Branchenradar im Aufwind befindet, kommt es auf den Anbieter an. Da die Häuser, wie der Bundesverband Deutscher Fertigbau schreibt, immer individueller werden, sollten Bauherren ihre Wünsche und Vorlieben rechtzeitig kommunizieren. Es gilt vorab zu klären, ob ein Fertighaus überhaupt mit der momentanen Lebenssituation vereinbar ist. Auch den Platzbedarf und die Grundstücksgröße gilt es vorab zu ermitteln. Falls ein solches Grundstück noch nicht vorhanden ist, führt der erste Weg zum zuständigen Bauamt. Auch auf der behördlichen Website finden Interessierte bereits grobe Übersichtspläne zu verfügbaren Grundstücken.

Sobald das Grundstück erworben ist und eine Baugenehmigung vorliegt, besteht der nächste Schritt in der Anbieterauswahl. Hier macht es Sinn, sich die Angebote mehrerer Unternehmen einzuholen und das Preis-Leistungsverhältnis zu vergleichen. Aktuelle Angebote und Musterhäuser finden sich beispielsweise auf den zahlreichen Fertighaus-Ausstellungen in Deutschland. Einige Anbieter stellen Ihre exemplarischen Fertighäuser alternativ im Internet vor.  Legt der Anbieter nach den Gesprächen ein Angebot vor, ist es sinnvoll, dieses eigenhändig und von einem externen Sachverständigem prüfen zu lassen. Auf der sicheren Seite sind Bauherren, wenn sie sich vor dem Vertragsabschluss konkrete Informationen zum jeweiligen Anbieter einholen. Wichtige Rückschlüsse lassen beispielsweise Referenzen und Erfahrungsberichte von anderen Kunden zu.

Vertragsabschluss gut vorbereiten

Vor der Unterschrift gilt es, den Kauf genau abzuwägen. Bauherren sollten davon absehen, vorschnell ein Schnäppchenangebot zu unterschreiben. Im Zweifelsfall lässt die Gesetzeslage allerdings zu, die vertraglichen Leistungen im Nachgang zu ändern. Zudem profitieren Bauherren ebenso wie bei anderen Verträgen von einem vierzehntägigen Widerrufsrecht, für das oftmals Stornierungsgebühren fällig werden. Wer sich unsicher ist, verwendet idealerweise eine Musterwiderrufsbelehrung, die alle wichtigen inhaltlichen Aspekte berücksichtigt.

Im Vertrag an sich sollten die Bau- und Eigenleistungen klar definiert sein. Soll es eine schlüsselfertige Variante sein? Oder ist es optional möglich, den Innenausbau selbst in die Hand zu nehmen? Für handwerklich begabte könnte ein Ausbauhaus, zum Beispiel ein bezugsfertiges Fertighaus von Livinghaus, eine gute Alternative sein. Allerdings zieht solch ein in Eigenregie durchgeführter Innenausbau zusätzliche Zeit und die damit verbundenen Kosten nach sich.

Bei Mängeln am Fertighaus greift eine Verjährungsfrist von bis zu vier Jahren. Sofern Bauherren Mängel bemerken, fordern sie zur Nachbesserung auf. Währenddessen ist es unter bestimmten Umständen legitim, den Restwerklohn einzubehalten. Mitunter kommt es auch zu einer Zustandsfeststellung, bei der der Sachverständige ebenfalls anwesend sein sollte.  Foto: pixabay.com © anncapictures (CC0 Creative Commons)

Kosten vorab klären und das Budget realistisch einschätzen

Das Budget für das fertige Haus sollten Bauherren besser nicht zu knapp bemessen. Schlussendlich kommen neben dem Preis für das Fertighaus weitere Kosten hinzu – Ausgaben für die Inneneinrichtung, für die Geräte und den bevorstehenden Umzug. Auch die laufenden Unterhaltskosten gilt es im Blick zu behalten. Wie viel das Fertighaus tatsächlich kostet, hängt von dessen Bauweise und Material ab. Auch die Ausbaustufe spielt eine Rolle. Ein Besatzhaus, bei dem die Hersteller lediglich das Material stellen, zieht die wenigsten Kosten nach sich. Beim Ausbauhaus stehen lediglich die geschlossenen Außenwände. Eine Stufe höher sind die technikfertigen Häuser, in denen die sanitären Anlagen, Elektronik- und Heizungsanlagen bereits installiert sind. Die höchste Kostenstufe bilden die schlüsselfertigen, übergabereifen Häuser.

Bau richtig planen und Kosten einsparen

Erfahrene Experten wissen, dass jeder draufzahlt, der beim Bauen spart. Daher ist es im Zweifelsfall sinnvoll, zunächst mit kleinen Schritten anzufangen. Um die Kosten am Bau zu senken, sollten Bauherren rechtzeitig planen und folgende Aspekte in ihre Entscheidung einbeziehen:

  • Ein variabler Grundriss wirkt sich vorteilhaft für das Bauvorhaben aus. Im Falle eines Familienzuwachses oder anderen nicht planbaren Gegebenheiten lässt sich dann gut reagieren. Variabel ist ein Grundriss, wenn er wenig tragende Wände mitbringt. Trockenbauwände machen sich an der einen oder anderen Stelle gut, da sie bedarfsweise eingerissen und neu aufgebaut werden können.
  • Für den Anfang bietet es sich an, auf unnötigen „Schnickschnack“ zu verzichten. Extras wie Erker, Wintergarten und ähnliche Elemente treiben die Kosten in die Höhe. Viele und überdimensional große Fenster sind ebenfalls ein zusätzlicher Kostenfaktor. Anders liegt der Fall bei einem Keller, der nicht nachträglich angebaut werden kann. Im Zweifelsfall sollte die Entscheidung zugunsten eines Kellers ausfällen – schließlich kommt kein Haus ohne Stauraum und Abstellflächen aus. Auch bei der Einrichtung erscheint es manchmal sinnvoll, einen pragmatischen Purismus an den Tag zu legen. Entgegen der landläufigen Meinung muss gutes Design nicht teuer sein. Wer gezielt vergleicht, spart viel Geld ein und erhält dennoch größtmöglichen Komfort.
  • Was die Kosten betrifft, schlägt das Carport die Garage. Abgesehen davon lässt sich ein Carport erheblich einfacher auf der Grundstücksfläche errichten.
  • Während der Bauphase ist ein vorab ausgearbeiteter Zeitplan im übertragenen Sinne Gold wert. Allgemein können die Roharbeiten bis zu 28 Tage dauern. Danach wird das Haus aufgestellt, was wiederum ein paar Tage dauert. Zum Schluss stehen die Dachdeckung und der Innenausbau an. Wer optimistisch plant, kann etwa vier bis fünf Monate für den Bau veranschlagen. Es macht hierbei Sinn, den Einzugstermin schriftlich festzuhalten. Sollten weder Erwarten Verzögerungen auftreten, hilft ein Zeitplan, darauf rechtzeitig reagieren zu können.
  • Die Kosten für den Bau beschränken sich nicht auf die günstigen Fertighäuser, die stark im Trend liegen. Bauherren sollten vielmehr die zusätzlichen Kosten auf dem Schirm behalten. Erwähnenswert sind hierbei besonders alle relevanten Baunebenkosten sowie der Grundbucheintrag und die Grunderwerbssteuer.
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