Die haarigen Raupen des Eichenprozessionsspinners kriechen an den Stämmen hoch und bilden Gespinste. Foto: dpa/Bernd Settnik - dpa/Bernd Settnik

Hochsaison für die Bekämpfung von Eichenprozessionsspinnern: Härchen der Raupen können Verbrennungen und Atemwegsprobleme verursachen. Mit Industriesaugern werden Raupen entfernt.

UntertürkheimDas Gespinst in der Astgabel ist erst auf den zweiten Blick zu sehen. Viele schwarz-braune Raupen kriechen, eine hinter der anderen, den Eichenstamm empor. Dieser für die Art typische Wanderung seiner Raupen verdankt der Nachtfalter seinen Namen: Eichenprozessionsspinner. Der Körper der Raupen ist mit weißen Härchen bedeckt. Sie sind der Grund dafür, dass Marcel Hoch selbst bei 28 Grad Celsius in einen weißen Ganzkörperanzug schlüpft und eine Atemschutzmaske aufzieht. „Vom dritten Larvenstadium an bilden die Raupen giftige Brennhaare aus“, sagt Hoch. Vorsicht ist geboten. Marcel Hochs Arme sind voller roten Bläschen. „Bei empfindlichen Menschen können die Härchen stark juckende, entzündliche Reaktionen der Haut, aber auch der Augen und noch gefährlicher der Atemwege auslösen“, sagt Annette Hasselwander vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt. Vor allem Kinder und ältere Menschen sind gefährdet. Weswegen die Landeshauptstadt vor allem in der Nähe von Kindergärten, Schulen, Spiel- oder Sportplätzen oder Parks gegen die Insekten vorgeht. Beispielsweise am Spielplatz in der Nähterstraße oder am Rande des SGU-Sportplatzes im Bruckwiesenweg. Dort verursachten Raupen auf einem Eichenbaum am Rande des Spielfelds oft Verbrennungen bei Jugendspielern. „Im Vorfeld des diesjährigen Fußballturniers haben wir die Raupen nun aber abgesaugt“, sagt der Baumexperte Hoch.

Er ist im Auftrag des Garten-, Forst- und Friedhofsamts (GFF) im gesamten Stadtgebiet unterwegs: Von einer Kindertagesstätte in Zuffenhausen fährt Hoch und sein Kollege Felix Rosenmayer in die Mahlestraße im Bad Cannstatt. Dort haben Anwohner 18 befallene Eichenbäume gemeldet. Hoch parkt sein Fahrzeug mit „Steiger“ auf der Straßenseite, schlüpft in seinen Schutzanzug, steigt in die Kabine der Steigleiter und manövriert die Arbeitskanzel zur Krone einer Eiche. In etwa vier Meter Höhe hat er ein Gespinst entdeckt. Er schaltet seinen Spezialstaubsauger an. „Der Industriesauger der Klasse H ist speziell für die Asbestsanierung konzipiert. Er entfernt die Raupen und die Brennhaare auf ideale Weise“, erklärt Hoch. Die Raupen werden in sichere Säcke gesogen. „Die Müllsäcke entsorgen wir als Sondermüll. Sie werden in der Verbrennungsanlage vernichtet“, sagt Hoch.

Vorbeugung mit Spezialöl

Von Juni bis August ist Hochsaison für die Raupenjäger. Im vergangenen Jahr mussten an 456 Bäumen im Stadtgebiet Nester entfernt werden. Damit es gar nicht so weit kommt, bekämpft das GFF die Raupen des Eichenprozessionsspinners bereits im Vorfeld. „Wir haben seit 2009 gute Erfolge durch vorbeugende Behandlung von Eichen mit einer wässrigen Neemöl-Lösung erzielt“, sagt Hasselwander. Die Blätter der Eichen werden mit der Speziallösung besprüht. Für Menschen und andere Tiere ist das Mittel ungefährlich, die Raupenpopulation wird allerdings stark reduziert. Allerdings werden mit dem einmaligen Sprühen nicht alle Raupen erwischt – der Regen der vergangenen Wochen hat beispielsweise die Lösung verdünnt oder weggeschwemmt. Dann hilft nur eines: Die Raupen, die durchgekommen sind und ein Gespinst bilden, müssen – zumindest an publikumsträchtigen, öffentlichen Standorten – abgesaugt werden.

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