Im verkehrsberuhigten Bereich in der Ravensburger Straße wird gerast. Poller sollen die Durchfahrt verhindern. Foto: Mathias Kuhn

Die Anwohner im Wohngebiet Ravensburger Straße klagen seit Jahren über Schleichwegverkehr in den engen Straßen. Die Stadtverwaltung will 2020 einen Verkehrsversuch starten und provisorisch Poller einbauen.

Wangen - Überlegungen den Schleichverkehr im Wohngebiet Ravensburger- / Biberacher Straße einzudämmen, gibt es seit Jahren. Im Sommer 2018 kamen Verkehrsexperten der Stadt dazu mit Anwohner und Bezirksbeiräten zusammen. Noch in diesem Jahr wolle die Stadtverwaltung offensichtlich einen Verkehrsversuch starten, verkündete Bezirksvorsteherin Beate Dietrich in der Bezirksbeiratssitzung. „Dabei wird an eine Pollerlösung gedacht.“ Sie stellte aber gleich klar: Die Durchfahrtssperre müsse so angebracht werden, dass die Anwohner zu ihren Häusern und Garagen gelangen und diese auch wieder verlassen können. Oberstes Ziel des Versuchs sei es, den Durchgangsverkehr aus dem Ortskern zu verbannen. Denn die Bewohner leiden unter dem ständigen Auto- und Zweiradverkehr, der von der Ulmer Straße in Richtung Kemptener – und Hedelfinger Straße rollt. „Vor allem, wenn auf der Bundesstraße 10 ein Stau ist, weichen Autofahrer gerne auf Nebenstrecken aus und scheuen selbst die enge Ravensburger Straße nicht. Dieser Schleichverkehr nimmt ständig zu“, sagt ein Wangener, der seit seiner Jugendzeit in der Biberacher Straße wohnt. Am meisten sorgen sich die Anwohner um die Sicherheit. „Wir haben eine Blumenschale neben unserer Eingangstreppe stehen, diese wurde mehrfach schon umgefahren“, berichtet ein Nachbar.

Auch die Erzieherinnen der Kindertagesstätte Ravensburger Straße versuchen mit Schildern, Plakaten und mit Aktionen Autofahrer darauf aufmerksam zu machen, dass viele Kinder und Eltern die Ravensburger Straße als Weg in die Kita nutzen. Zwar weist ein Schild mit spielenden Kindern auf den verkehrsberuhigten Bereich hin, „aber selbst die Kita-Eltern beachten nicht, dass hier nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf“, erzählt eine Erzieherin. Die Raserei bezieht sie dabei auf Autofahrer ebenso wie auf durchfahrende Fahrrad-, E-Bike- oder Motorradfahrer.

Zumindest den breiten Fahrzeugen soll ein Riegel – beziehungsweise ein oder mehrere Poller – vorgeschoben werden. Noch werde von den Experten in den Fachämtern geprüft, wo die Sperren installiert würden. Zunächst provisorisch. „Die Pollerlösung wird mit einer entsprechenden Beschilderung flankiert werden“, so Dietrich. Der Versuch sei auf ein Jahr ausgelegt und werde durch Verkehrskontrollen und Zählungen begleitet. „Wichtig ist, dass wir mit der neuen Regelung den Verkehr nicht auf andere Bereiche im Ortskern verdrängen. Ich habe darauf hingewiesen, dass die Autos nicht in die Höhbergstraße verdrängt werden dürfen“, so Dietrich. Auch wichtig: im vorläufigen Konzept würde nur ein öffentlicher Parkplatz wegfallen.

Wann der Versuch starten soll, sei noch nicht bestimmt. Im Vorfeld werden die Anwohner und die Bevölkerung aber sicherlich noch über die Einzelheiten unterrichtet und die Details mit ihnen besprochen. Nach Ende des einjährigen Versuchs würden die Ergebnisse ausgewertet. Für dauerhafte Maßnahmen könnten dann vor den kommenden Etatberatungen Ende 2021 entsprechende Wünsche aufgestellt werden. Dietrich und die Bezirksbeiräte machten in der Bezirksbeiratssitzung aber auch klar, dass damit nicht alle Verkehrsprobleme gelöst würden. Dietrich: „Mehr Rücksichtnahme würde helfen.“

Dies gelte auch für andere Problemzonen im Ortskern. So klagen die Anwohner in der Federsee-/Saulgauer Straße ebenfalls über zu schnell fahrende Autos im verkehrsberuhigten Bereich, und auch die Parkprobleme rund um das einstige Herma-Areal sind ein Dauerthema im Bezirksbeirat: Sowohl im Kurven- wie auch im Kreuzungsbereich werden in der Riedlinger-, Laupheimer- und Fellnerstraße Autos abgestellt. In den Renzwiesen – beim Rewe – werden regelmäßig Gehwege und Ausfahrten zugeparkt. Müllfahrzeuge und Rettungswagen kommen kaum durch. „Wir werden dazu eine Infoveranstaltung mit den Anwohnern einberufen“, so Dietrich. Denn das Schwierige ist, Möglichkeiten zu finden, ohne dass zu viele Stellflächen wegfallen.

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