Auf Rolltreppen sind Menschen oft abgelenkt oder im Gedränge unterwegs – eine Gelegenheit für Kriminelle. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Langfinger haben eine neue Methode entwickelt, mit der sie ihre Opfer finden. Sie nutzen Rolltreppen für Taschendiebstähle. Die Fälle in Stuttgart häufen sich derzeit. Die Polizei rät zu Vorsichtsmaßnahmen.

Es ist ein kleiner Überraschungsmoment, der ausreicht, um den Überblick zu verlieren. Doch am Donnerstagmorgen gegen 7.45 Uhr ist eine Frau in Degerloch bereits hellwach. Als sie am Albplatz die Rolltreppe benutzt, hält die abrupt an. Jemand hat den Notknopf gedrückt. In dem kurzen Durcheinander, das auf der Rolltreppe entsteht, greift jemand nach der Tasche der Frau. Doch die 44-Jährige bemerkt das, dreht sich um, stellt einen Mann zur Rede. Der hebt die Hände – und verschwindet schleunigst.

Es ist eine neue Masche, die sich in Stuttgart seit einigen Monaten verbreitet. Schon rund um den Weihnachtsmarkt hat sie eine wachsende Rolle gespielt. Taschendiebe nutzen Rolltreppen für ihre Taten. Dort geht es oft eng zu, Leute stehen gestaffelt in unterschiedlichen Höhen und können nicht einfach zur Seite weg. Wie gemacht für Langfinger, vor allem, wenn sie selbst zusätzlich für Ablenkung sorgen.

„Es müssen immer mindestens zwei Täter sein“, sagt eine Sprecherin der Stuttgarter Polizei. Einer betätigt den Notknopf, der andere nutzt den kurzen Schrecken der Leute aus und greift zu. Variante zwei: Einer der Täter baut sich besonders breit auf der Rolltreppe auf und bleibt stehen. Wenn sich hinter ihm die Passanten stauen, wird der zweite Beteiligte tätig.

Die Fälle häufen sich. „Wir verzeichnen allein in der vergangenen Woche diverse Fälle, vor allem im innerstädtischen Bereich an Haltestellen“, so die Polizeisprecherin. Die Dunkelziffer dürfte zudem hoch sein. Oft kommen die Opfer dabei nicht so ungeschoren davon wie die 44-Jährige in Degerloch. An exakt derselben Stelle am Albplatz zum Beispiel hat es am Freitag zuvor einen 87-Jährigen erwischt. Notknopf, Bremsung – Geldbeutel mit 200 Euro weg.

Wertgegenstände in Innentaschen aufbewahren

Die Polizei rät zu simplen, aber wirkungsvollen Schutzmaßnahmen gegen Diebstahl. Die klingen naheliegend, werden aber trotzdem von vielen im Alltag nicht beachtet. Dazu gehört, nicht mehr Bargeld und Wertgegenstände bei sich zu haben, als man wirklich benötigt. Geld, Karten, Dokumente und Handy sollten im Idealfall in verschlossenen Innentaschen der Kleidung aufbewahrt werden – möglichst dicht am Körper. Wer Hand- oder Umhängetaschen dabei hat, sollte sie immer schließen und mit der Verschlussseite zum Körper tragen. Und natürlich sollte man Wertgegenstände nie unbeaufsichtigt lassen und möglichst im Auge behalten. Und neuerdings gilt noch der Tipp speziell für Rolltreppen: Wenn dort Gedränge entsteht oder gar der Notknopf gedrückt wird – Augen auf!