Seit 16 Jahren liegt das Areal der ehemaligen Bettfedernfabrik an der Hofener Straße brach. Foto: Nagel - Nagel

Das Esslinger Unternehmen Artikular Architekten will zusammen mit der Stadt auf dem Areal der Bettfedernfabrik an der Hofener Straße rund 130 Wohnungen samt Tiefgarage und Kita bauen.

Bad Cannstatt Im Oktober 2016 fasste der Bezirksbeirat Bad Cannstatt den Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan für das seit gut 14 Jahren brachliegende ehemalige Bettfedernareal. Das Projekt Wohnungsbau auf dem Gelände am Fuße der Weinberge schien allmählich in die Gänge zu kommen. Denn das knapp zwei Hektar große Gelände, das zwischen Hofener/Gnesener Straße und dem Zuckerleweg liegt, hatte einige Monate zuvor einen neuen Besitzer gefunden. Dabei handelt es sich um das Esslinger Unternehmen Artikular Architekten, das zusammen mit der Stadt dort rund 130 Wohnungen samt Tiefgarage und Kita bauen will. Laut der Vertreterin der Stadtverwaltung, die damals im Bezirksbeirat erste Pläne präsentierte, sei zudem „Gewerbe in abgespeckter Form“ vorgesehen.

Der Vorteil: Es gab im Jahr 2008 einen Architektenwettbewerb. Der Sieger, die Ackermann + Raff GmbH & Co. KG, konnte damals einen attraktiven Entwurf präsentieren. Insgesamt rund 90 Wohneinheiten, darunter Stadtvillen und Penthousewohnungen, sowie ein Quartiers- und Spielplatz, eine Kita, Tiefgaragen und ein eigenes Blockheizkraftwerk versprachen viel Lebensqualität und energetisch modernes Bauen. Der Nachteil: Der Vorentwurf betrifft nicht das ganze Planungsgebiet, das von der Stadt für Wohnungen und Gewerbe vorgesehen ist. Denn entlang der Gnesener Straße befinden sich zwei Flächen noch im Privatbesitz. Schon damals betonte die Stadt gegenüber dem Bezirksbeirat ihre Kaufabsichten, gab jedoch auch an, dass im Fall eines Scheiterns man auf jeden Fall den zur Verfügung stehen Teil bebauen wolle.

Wichtig ist auf jeden Fall eine vier- bis fünfgeschossige Riegelbebauung (überwiegend Gewerbe) entlang der Hofener und Gnesener Straße, um die weiter innen geplante Wohnbebauung (drei- bis viergeschossig) vor Lärm zu schützen. Viel Grün soll hier eine hohe Aufenthaltsqualität schaffen.

Und genau diese abgespeckte Variante scheint sich jetzt abzuzeichnen. „Die beiden Grundstücksbesitzer wollen bisher nicht verkaufen“, sagt Angela Weiskopf vom Stadtplanungsamt. Bleiben sie bei ihrer Haltung, so werde statt 130 halt „nur“ 90 Wohnungen errichtet. Geplant sei zudem Gewerbe und eventuell auch ein Hotel. „Das Thema soll im April den Gestaltungsbeirat beschäftigen – dann sehen wir weiter.“

Das Thema Wohnungsbau auf dem Areal der einstigen Traditionsfirma, die sich dort vor mehr als 120 Jahren angesiedelt hatte, ist dabei nicht neu. Denn das Unternehmen, das im Zweiten Weltkrieg zerstört und anschließend vom damaligen Besitzer F. F. Hanauer wieder aufgebaut wurde, stellte Anfang der 1990er- Jahre nicht mehr benötigtes Firmengelände für Wohnungsbau zur Verfügung. Angesichts der verkehrsgünstigen Lage war das Interesse groß. Etwa 50 Einheiten wurden rasch von privater Hand errichtet. Vier Millionen Mark kostete das Projekt, das eine Tiefgarage und sogar einen Kinderspielplatz enthielt.

Seit 2002 stehen die Firmengebäude jedoch komplett leer und lange war unklar, was dort geschehen soll. Der Stadt schwebte von Anfang an vor, an diesem attraktiven Standort am Fuße der Weinberge und mit Blickrichtung zum Neckar eine weitere Wohnnutzung zu ermöglichen. Allerdings bekundete damals nur die Neuapostolische Kirche Interesse an der Fläche. Doch der Bezirksbeirat war damals einstimmig für Wohnungsbau und lehnte eine Kirche ab.

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