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Vor 100 Jahren gründeten weitblickende Männe die gemeinnützige Baugenossenschaft Münster a.N., mittlerweile sind 634 Wohnungen und 89 Häuser in ihrem Besitz.

MünsterVor 100 Jahren haben weitblickende Männer den Schritt gewagt und in Münster eine gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft gegründet. Das Ziel: Wohnungen für Menschen zu schaffen, die aus eigener Kraft nicht in der Lage waren, ein eigenes Dach über dem Kopf zu erwerben. „Einer für alle und alle für einen“ wurde das Leitmotiv. Ein kleiner Überblick über die Geschichte.

1919: Am 3. März fand in der Wirtschaft zum Lamm die Gründungsversammlung der „Baugenossenschaft Münster a.N.“ statt. 71 Personen traten ein. Den Vorstand bildeten Albert Ebert, Hermann Unfried, Albert Wölpert, Adolf Steichele und Wilhelm Koch. Am 26. März trafen sich die Genossen zur ersten Generalversammlung und nahmen die Satzung an. Am 10. April trug das Amtsgericht Cannstatt die Unternehmung ins Genossenschaftsregister ein. Am 24. September 1919 erfolgte der Spatenstich für die ersten 16 Häuser auf dem 90 Ar großen Areal, genannt die „Zunge“.

1920: Zwischen Ende Mai und Mitte September bezogen die ersten Genossenschaftler ihre Häuser in der Freibergstraße und an der damaligen Pfadstraße (heute Elbestraße).

1930: Die Genossenschaft hatte seit ihrer Gründung 96 Wohnungen in Erwerbs- und gleich viele in Mietshäusern errichtet.

1931: Die Eingemeindung mit Stuttgart erwies sich für die Baugenossenschaft als günstig, brachte finanziell spürbare Erleichterung, was als Mietensenkung weitergegeben wurde.

1939 – 1945: Während des Krieges ging die Tätigkeit der Genossenschaft auf ein Mindestmaß zurück. Bei einem Luftangriff im April 1943 kamen 38 Menschen ums Leben, wurden Gebäude in Mitleidenschaft gezogen. Von den 226 Mietwohnungen der Genossenschaft wurden 87 durch Kriegshandlungen beschädigt oder vernichtet. Von den 95 Wohnungen in Erwerbshäusern wurden 17 Wohnungen teilweise oder total zerstört.

1957: Die Baugenossenschaft hat 468 Mitglieder. Die 50er Jahre standen ganz im Zeichen des Wiederaufbaus. Es gab nur wenige Neubauten, etwa in der Mainstraße 124, Elbestraße 84, Brigachstraße 15/17 oder Moselstraße 103. Mit dem Bau Schirmerstraße 16/18 verwirklichte die Baugenossenschaft Münster 1958 ein Projekt in Mühlhausen.

1963: Die Genossenschaft erwarb in Freiberg Baugrund, auf dem zwei Gebäudeblocks in der Balthasar-Neumann-Straße 25-35 mit insgesamt 38 Wohnungen entstanden, die 1966 bezogen wurden. 1964 wurde ein weiteres Großprojekt in Freiberg initiiert: ein zehngeschossiges Hochhaus mit 60 Wohneinheiten in der Wallensteinstraße 25, Bezug war 1968.

1970: Trotz erheblicher konjunktureller Schwankungen blieb die Geschäftspolitik der Genossenschaft in den 1970erJahren konstant. Es wurde auf den Bau von Eigentumswohnungen gesetzt. Acht Einheiten entstanden bis 1972 in der Freibergstraße 68, 32 bis 1976 im Regenpfeiferweg 25/27 und 28 bis 1978 im Rohrdommelweg 14 - 18, jeweils in Neugereut. Die 70er Jahre war die große Zeit der Modernisierungen. Nach und nach wurden alle Wohnungen mit Bädern ausgestattet.

1985: Erstmals wurde die 1000-Mitglieder-Marke erreicht.

1994: Die Baugenossenschaft feierte ihr 75-jähriges Bestehen. In diesem Jahr wurde auch Werner Kraus in den Ruhestand verabschiedet. In den 25 Jahren seiner Tätigkeit als Geschäftsführer wurden insgesamt 148 Wohnungen und vier gewerbliche Objekte neu gebaut, in 154 Wohnungen Bäder und Duschen eingebaut, in 234 Wohnungen Zentralheizungen installiert, in 165 Wohnungen Kunststofffenster mit Isolierverglasung eingebaut und in 44 Wohnungen nachträglich Balkone angebaut. Kern des Geschäfts der Genossenschaft blieb die Pflege des Bestandes, sie besaß zu der Zeit keine nennenswerte Baugrundstücke mehr. Ein Ausbau des Bestandes war nur im Zukauf bereits vorhandener Gebäude möglich, etwa in der Elbestraße 69 (drei Wohnungen), Weserstraße 23 (drei Wohnungen), Reihenhaus Freibergstraße 52, Gebäude Nagoldstraße 70 (vier Wohnungen) und Weserstraße 38 (sechs Wohnungen).

2000: Das Hauptgeschäft bestand darin, die eigenen Wohnungen in Stand zu halten und den sich ändernden Wünschen und Ansprüchen der Mitglieder entsprechend zu modernisieren.

2008: Ökologie rückt weiter in den Vordergrund: Fassadendämmung, neue Kunststofffenster, Dachisolierung, Kellerdeckendämmung und vielfach Gaszentralheizung. Es wird weiter auf Zukäufe gesetzt: Elbestraße 118, 120, 124 und 126, Klosterhof 19, Murgtalstraße 35 und 39, Freibergstraße 50 und Elbestraße 40.

2011: „Fit für die Zukunft“ heißt die Devise. In der Illerstraße 19/21 entsteht ein barrierearmes und damit auch für bewegungseingeschränkte Bewohnerinnen und Bewohner nutzbares Haus mit Aufzug bis in die Tiefgarage.

2013: Die Geschäftsstelle der Genossenschaft wurde erweitert und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Sie ist jetzt auch barrierefrei erreichbar.

2019: In den letzten 25 Jahren stieg die Zahl der Wohnungen im Besitz der Baugenossenschaft Münster von 527 auf 634, die sich auf 89 Häuser verteilen. Die Mitgliederzahl stieg von 1142 auf 1220, die der gezeichneten Anteile von 6638 auf 13 238.

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