Nur Spaß: Felix Hagenbruch (links) und Panagiotis „Alex“ Macris drücken um die Wette. Beide sind begeistert von dem guten Zusammenhalt, der bei der Neckarunion bereits nach der ersten Saison herrscht. Foto: Torsten Streib - Torsten Streib

Die erste Saison nach dem Zusammenschluss der Ringer des TSV Münster und der KVA Remseck zur Neckarunion war erfreulich und verlief harmonisch.

MünsterDie Ringer des TSV Münster und des KVA Remseck haben sich vor einem Jahr entschlossen, gemeinsam auf die Matte zu gehen. Für die neu gegründete Neckarunion ging die erste Landesliga-Saison vor kurzem zu Ende. Der Entschluss zum gemeinsamen Ringen um Punkte „war goldrichtig“, sagen der Münsterer Panagiotis „Alex“ Macris (Ringer und sportlicher Leiter) und der Remsecker Felix Hagenbruch (Ringer und Trainer) unisono.

Hand aufs Herz, was war der erste Gedanke, als Ihr gehört habt, eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Vereinen bahnt sich an?
Panagiotis Macris: Ich war dem Ganzen gegenüber schon etwas kritisch eingestellt, hatte die Sorge, dass so mancher Athlet kürzer treten würde, weil ja nun eine größere Auswahl an Ringern zur Verfügung stehen würde. Das war aber nicht der Fall.

Felix Hagenbruch: Einerseits dachte ich, das ist eine gute Sache, weil wir Probleme in der Altersstruktur hatten, sprich Schwierigkeiten diverse Klassen zu besetzen und wir uns möglicherweise gut ergänzen könnten. Andererseits hatte ich die Befürchtung, ob man sich sozusagen gegenseitig riechen kann und die Ziele auch deckungsgleich sind.

Nun, nach Beendigung der ersten gemeinsamen Saison, inwieweit stellen die Ringer aus beiden Vereinen bereits eine Union also eine Einheit dar oder wird immer noch in alten Vereinsmustern gedacht?
Macris: Vor der Saison war viel zu tun und es auch teilweise schwer, bis wir alles geregelt hatten. Doch während der Saison lief es top. Ich hätte nie gedacht, dass wir in nicht einmal einem Jahr so super zusammenwachsen würden.

Hagenbruch: Auch ich war völlig überrascht. Meine Befürchtungen haben sich als völlig falsch herausgestellt und es ist bereits jetzt ein extremes Wir-Gefühl entstanden – auf und neben der Matte.

Ging das Zusammenwachsen für Euch überraschend zügig oder sind Ringer einfach Menschen, die schnell zueinanderfinden?
Hagenbruch: Zugegeben, die Sache wurde von den Verantwortlichen beider Vereine von vorneherein gut aufgezogen und sie zogen an einem Strang. Somit wurde auch den Sportlern gezeigt, dass es machbar ist. Außerdem betreiben wir ja alle dasselbe Hobby. Deshalb haben wir sicherlich auch schneller zur Harmonie gefunden.

Macris: Wir waren natürlich schon daran interessiert, dass alles schnell passt. Der Vorteil ist sicherlich, dass einige Gleichal­trige im Team sind und daher ähnliche Interessen existieren und wir auch privat unterwegs sind.

Wurde der Zusammenschluss auch von den Fans beider Vereine positiv aufgenommen?
Hagenbruch: Da müssen wir vielleicht noch ein bisschen daran arbeiten. Der 60-jährige Ringerfan, der früher Aldingen oder Münster angefeuert hat, der muss sich sicherlich noch etwas umstellen. Ich gehe aber davon aus, dass sich das über die Jahre einrenken wird.

Macris: Es war sicherlich eine Umstellung für die Fans. Aber die Stimmung bei den Kämpfen war gut und egal ob wir in Münster, Aldingen oder Neckargröningen gekämpft haben, alle Ringer wurden gleich lautstark unterstützt und ihnen Mut zugesprochen.

Aus sportlicher Sicht steht nach Beendigung der ersten Saison ein fünfter Platz in der Landesliga, die zweite Mannschaft in der Bezirksklasse wurde Zweiter. Sicherlich hatte das Kennenlernen Vorrang. Dennoch, wie bewertet Ihr die Leistungen auf der Matte?
Macris: Zu Beginn hat man sich durchaus mehr ausgerechnet, wenn man zwei Mannschaften zusammenlegt. Doch ein kurzfristiger Abgang und ein Dauerverletzter konnten einfach nicht ersetzt werden. Außerdem hat sich im Laufe der Zeit gezeigt, dass die Liga stark ist. Aber auch unsere Leistungen wurden besser. Deshalb ist der fünfte Platz auch in Ordnung .

Hagenbruch: Aus meiner Sicht verlief die erste Saison sehr gut. Wir haben einige sehr junge Ringer in unseren Reihen, die erstmals bei den Aktiven eingesetzt wurden. Sehr positiv war, dass die Jungs in jedem Kampf alles gegeben und keinen Punkt abgeschenkt haben.

Was oder wer hat Euch in dieser Runde positiv überrascht?
Hagenbruch: Das war der 14-jährige Robin Wentsch bis 57 Kilogramm. Zu Saisonbeginn merkte man ihm noch deutlich an, dass es ein Unterschied ist gegen einen Mann oder einen Jugendlichen zu ringen. Doch er hat die Umstellung überraschend schnell hinbekommen und wurde zum kontinuierlichen Punktesammler.

M acris: Auch ich bin von den jungen Ringern begeistert. Von ihnen gibt es viele, die einen ausgeprägten Leistungsgedanken verfolgen und sich mächtig reinhängen.

Die Verschmelzung hat bestens geklappt. Dann kann man sich ja verstärkt dem Sportlichen widmen. Was hat man sich für die nächste Runde auf die Fahne geschrieben?
Macris: Tabellarisch ist es schwer zu sagen, wo die Reise hingehen wird. Aber wenn alle – auch die jungen Athleten – ein weiteres Jahr gemeinsam durchtrainieren, gehe ich davon aus, dass wir uns weiter oben orientieren können.

Hagenbruch: Aktuell sind mir keine Abgänge bekannt, sodass wir nahtlos an dieser Saison anknüpfen können. Darüber hinaus wollen wir den Nachwuchs noch mehr an den aktiven Bereich heranführen. Der Nachwuchs soll schließlich mal die Stütze des Teams bilden. Für die erste Mannschaft wäre ein Platz im oberen Mittelfeld sehr gut, weil man ja auch nicht um die Stärke der anderen Teams weiß. Die zweite Mannschaft kann wieder um den Titel mitstreiten.

Nun haben sich die beiden Vereine nicht nur wegen des Fortbestands der aktiven Teams zusammengetan, auch in der Jugend wollte man etwas bewegen. Wie sieht es da aus?
H agenbruch: Die Zusammenarbeit im Jugendbereich soll noch enger werden. Da besteht noch Nachholbedarf. Auf Turniere gehen die Athleten bereits gemeinsam, demnächst sollen auch noch gemeinsame Trainingsabende folgen.

Macris: Wir müssen diesen Bereich auf jeden Fall noch vertiefen. Es stehen nämlich noch viele hochtalentierte Ringer bereit.

Die Fragen stellte Torsten Streib.

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