Ein Problem: Radfahrer ignorieren das Fahrverbot in der Marktstraße. Quelle: Unbekannt

Die Radwegführung rund um den Wilhelmsplatz bereitet allen Beteiligten Kopfzerbrechen. Allein die Fahrt im Bereich des Eisenbahntunnels ist laut Radexperten gefährlich.

Bad CannstattStuttgart entspricht nicht gerade dem Idealbild einer Fahrradstadt. Auf der Hauptradroute 1 von Vaihingen über die Innenstadt nach Bad Cannstatt, die täglich von knapp 7000 Radlern genutzt wird, existieren mehrere Stellen, die Radfahrer als problematisch einstufen.
Zu diesen zählt auch der Cannstatter Wilhelmsplatz. Dessen Tücken beginnen schon, wenn man von der König-Karl-Brücke aus kommend den Eisenbahntunnel durchquert. Vorausgesetzt, kein Fahrzeug blockiert den markierten Radfahrstreifen, kann der Radfahrer auf dem abschüssigen Straßenverlauf ordentlich Schwung aufnehmen, wird es dann nach wenigen Metern brenzlig: Urplötzlich muss er sich den Weg mit Fußgängern teilen – und das auf einem Gehweg, der maximal zwei Meter breit ist. Links fahren die Autos, rechts ist die Betonwand: Eine Ausweichmöglichkeit gibt es nicht.
Hat er diesen Streckenabschnitt passiert, ist er schon mit dem nächsten Problem konfrontiert: Der Radweg wird nicht weiter auf dem Gehsteig fortgeführt, sondern auf der Busspur, auf der drei Linien abfahren und halten. Erst nach zwei Ampeln kommt man wieder auf einen richtigen, markierten Radweg auf der Straße. Vor allem für die Radfahrer, die links abbiegen müssen, hören die Probleme nicht auf. Denn entweder sie fahren auf der sporadisch mit einem Radweg ausgestatteten Wilhelmstraße weiter oder aber sie nutzen die Fußgängerzone in der Altstadt als eine Ausweichstrecke. Das ist allerdings verboten.
Frank Zühlke vom ADFC Stuttgart hält den Wilhelmsplatz für eine der gefährlicheren Stellen der Hauptradroute 1. Einige nutzen deshalb den Deckerbuckel, und kleinere Nebenstraßen und umgehen damit das Verkehrschaos großflächig. Solche Umwege sind für alle Beteiligten das kleinere Übel, ein Schritt in Richtung Fahrradstadt sind sie nicht.
Doch wie kann man die Situation am Wilhelmsplatz konkret verbessern? Frank Zühlke sagt, den Radfahrern sei schon viel geholfen, wenn man eine gemeinsame Bus- und Radspur von der Mercedesstraße bis zum Wilhelmsplatz einführt. Er sieht es allerdings auch als Problem, dass auf der anderen Seite des Wilhelmsplatzes bislang keinerlei Raum für Radfahrer vorhanden ist.
Solche Stellen seien allerdings leider auch symptomatisch für die Situation in der Landeshauptstadt. „Im Fahrradklima-Test liegt Stuttgart im Vergleich mit anderen deutschen Städten relativ weit hinten. Unter anderem fehlt es an durchgehenden Routen, auch muss eine Verbindung außerhalb des Schlossparks in die Innenstadt geschaffen werden“, sagt Zühlke. Dabei könnte auch vergleichsweise einfach etwas getan werden: „Eine Fahrradstraße vom Stöckach bis zum SWR wäre beispielsweise ein guter Schritt in die richtige Richtung.“
An einem zusammenhängenden Wegenetz wird schon gearbeitet: Die Planungen für die Hauptradroute 2 Wangen-Hedelfingen laufen bereits. Zudem sollen in der näheren Zukunft mehr Fahrradgaragen und -straßen rund um die Hauptradroute gebaut werden.


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