Finanzbürgermeister Michael Föll (links) und Oberbürgermeister Fritz Kuhn stellten gestern den Haushaltsplanentwurf für 2018 und 2019 vor. Foto: eh Quelle: Unbekannt

Von Elke Hauptmann

Fellbach - Ein Haus zu bauen, ist eine aufregende Angelegenheit: Man hat viele Wünsche und Vorstellungen wie es aussehen soll, ist sich aber oft unsicher, ob und wie sich die eigenen vier Wände realisieren lassen. Die Fellbacher Musterhausausstellung mit ihren 60 Gebäuden gibt Interessenten Gelegenheit, sich über die Fertigbauweise zu informieren.

„Es ist, als könnte man sofort einziehen.“ Ein junges Paar zieht sichtlich angetan durch die schmucken Räume eines Einfamilienhauses. Ihr gefällt vor allem die helle, offene Küche, er ist von der Wärmepumpen-Heizung ganz angetan. Gut 140 Quadratmeter Wohnfläche insgesamt, das würde gut passen, denn bald sind sie zu dritt. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer und Ankleidezimmer - oder vielleicht doch ein zweites Kinderzimmer? Und dann vielleicht ein zweites, kleines Bad? Beide haben noch keine genaueren Vorstellungen davon, wie ihr Traumhaus konkret aussehen soll. „Wir sammeln erst einmal Eindrücke.“

Davon hat die im Industriegebiet am Rande der Kappelbergstadt gelegene Musterhausausstellung jede Menge zu bieten. Die komplett eingerichteten Beispielhäuser zeigen die Leistungsfähigkeit der rund 50 vertretenen namhaften Hersteller, die vor allem aus der Region stammen. Vom kleinen Einfamilienhaus bis hin zur mondänen Stadtvilla, von zeitlos-modern bis gemütlich-rustikal - alles ist möglich. Fertigbauhäuser seien heute alles andere als Häuser von der Stange, betont Andreas Speer, Geschäftsführer der Musterhausausstellung Eigenheim & Garten. „Änderungswünsche sind kein Problem. Der Individualität sind im Fertigbau keine Grenzen gesetzt.“

Die Beratung erfolge ganz nach den persönlichen Ansprüchen der künftigen Bauherren und reiche auch weit über den eigentlichen Hausbau hinaus. Vieles würde für ein Fertighaus sprechen, meint der Architekt: die kurze Bauzeit, die hohe Energieeffizienz, nachhaltige Qualitätsstandards, der garantierte Festpreis, ein fixer Fertigstellungstermin, die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten und der Service aus einer Hand zum Beispiel. Es verwundet daher nicht, dass sich immer mehr Bauherren für die Holzfertigbauweise entscheiden. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF) stieg die Anzahl der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser in Fertigbauweise im vergangenen Jahr um 6,4 Prozent auf 19 051 Häuser an. Traditionell sind Fertighäuser im Süden und Südwesten der Bundesrepublik am stärksten nachgefragt. Spitzenreiter ist Baden-Württemberg mit einem Marktanteil von 30,6 Prozent, gefolgt von Hessen (28,4 Prozent) und Rheinland-Pfalz (21,9 Prozent). Der Durchschnittspreis für ein Fertighaus betrug 2016 nach Schätzungen des BDF rund 275 000 Euro. Wichtigste Zielgruppe für die Fertighaushersteller ist die junge Familie - annähernd 60 Prozent der Bauherren gehören dieser Gruppe an. Auch die Besucher der Fellbacher Musterhausausstellung werden immer jünger, stellt Speer fest.

Das Paar, das sich mittlerweile in einem futuristischen Bungalow umschaut, steht noch ganz am Anfang auf dem Weg vom Haustraum zum Traumhaus. Es ist gerade auf der Suche nach einem Bauplatz im Großraum Stuttgart. Kein leichtes Unterfangen. „Die Flächenknappheit bereitet uns gewisse Sorge“, räumt Speer ein. Dennoch sieht er die Branche weiterhin auf Wachstumskurs. Einer Allensbach-Studie zufolge wünschen sich 79 Prozent der Bundesbürger, in den eigenen vier Wänden zu leben. Die Gründe dafür: unverändert niedrige Zinsen, der Schutz vor Inflation, die Wertsteigerung und die Mietfreiheit im Alter. „Das macht die eigene Immobilie für viele zur Altersvorsorge Nummer eins“, so Speer.

Die Fellbacher Fertighausausstellung besuchen pro Jahr mehr als 65 000 Menschen, vor allem aus der Region Stuttgart. Aus Kundenbefragungen geht hervor, dass rund 42 Prozent der Besucher in den nächsten zwei Jahren bauen wollen. Um immer wieder neue Trends zu zeigen, ersetzen die Hersteller etwa alle fünf, sechs Jahre ihre Gebäude auf dem Grundstück, dass sie von der Ausstellungsgesellschaft gepachtet haben.

In Deutschland gibt es mittlerweile 17 Musterhaussiedlungen. Auch wenn man Häuser längst am Computer planen und mit 3-D-Technik visualisieren könne, würden solcherart Ausstellungen nicht an Reiz verlieren, ist Speer überzeugt. Laut BDF dauert es im Schnitt rund ein Jahr von der Entscheidung für ein Fertighaus bis zur Unterschrift unter dem Kaufvertrag - in dieser Phase ist ein Bauherr drei- bis viermal in einer Ausstellung gewesen.

www.musterhaus-online.de

Die erste Musterhausausstellung Deutschlands

Deutschlands erste Musterhausausstellung wurde 1971 von Verleger Ottmar Strebel gegründet. Sie gilt seither als das Mekka der Bauinteressenten - mehr als 4,8 Millionen Besucher haben sich in Fellbach bereits informiert.

Angefangen wurde mit 25 Häusern. Derzeit können auf einer Fläche von rund 40 000 Quadratmetern 62 Eigenheime von 53 Herstellern besichtigt werden. Allein in den vergangenen 18 Monaten wurden insgesamt elf Häuser neu gebaut oder umfangreich renoviert. Weitere acht Neubauten sind für die kommenden Monate geplant.

Betrieben wird die Schau von der Ausstellungsgesellschaft „Eigenheim & Garten“. Der Marktführer der Branche unterhält noch zwei weitere Fertighausausstellungen in Bad Vilbel bei Frankfurt (70 Häuser) sowie in Poing bei München (56 Häu­ser) und darüber hinaus in Suhr im Kanton Aargau die einzige Hausausstellung der Schweiz (14 Häuser).

Geöffnet ist die Musterhausausstellung. Höhenstraße 17, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag (Montag und Dienstag ist Ruhetag) von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet drei Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Es gibt ein Besucherparkhaus (2 Euro Tagespauschale) in der Höhenstraße 21.

Am Sonntag, 21. Mai, von 11 bis 18 Uhr steht die Ausstellung unter dem Motto „Gesund wohnen - gesund leben. Am Aktionstag beteiligen sich zahlreiche Partner.

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