Jürgen Klopp setzt auf zwei ehemalige Innenverteidiger des VfB Stuttgart Foto: dpa/Clive Brunskill

Zwei ehemalige Innenverteidiger des VfB Stuttgart sollen die Defensiv-Not des FC Liverpool lindern. Aus gutem Grund: Dem Trainer Jürgen Klopp fehlen seine besten Abwehrkräfte verletzt.

Stuttgart/Liverpool - Jürgen Klopp war früher selbst ein Verteidiger, und zwar so einer, der eigenen Angaben zufolge in der zweiten Liga richtig war, damals beim FSV Mainz 05. Der heutige Welttrainer ist ein Typ, der gut über sich selbst lachen kann, weshalb er noch heute davon redet, dass die Technik früher weniger zu seinen Stärken zählte. Sondern eher der Kampf, die Leidenschaft und manchmal auch die gute alte Grätsche. Klopp also wurde auf dem Platz auch mal zum Klopper und war damit anders als jene Abwehrspieler, die er jetzt als Coach anleitet. Die heißen heute auch nicht mehr Manndecker, sondern firmieren als Innenverteidiger – und sind obendrein im modernen Fußball längst die ersten Spielmacher.

Beim FC Liverpool heißen diese Jungs Virgil van Dijk, Joe Gomez und Joel Matip. Sie waren mitverantwortlich für die großen Erfolge der Reds (Champions-League-Sieg 2019, Meisterschaft 2020) – jetzt aber hat Klopp ein Problem. Denn sein Trio fällt aufgrund von Verletzungen wahrscheinlich bis zum Saisonende aus. In der Innenverteidigung also ist der Notstand ausgebrochen.

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Dass der Traum von der Titelverteidigung in der Premier League zu platzen droht angesichts von sieben Punkten Rückstand auf ManCity, das ein Spiel weniger hat, liegt neben der Terminhatz und der Formschwäche einiger Stars an der Misere in der Defensive. Kürzlich machte der ehemalige Abwehrmann Klopp am Mikrofon einen Witz über die Lage in der Abwehr, der den Ernst der Lage zeigte. „Wenn Sie einen Innenverteidiger zu einem vernünftigen Preis haben, mit der Qualität, die wir benötigen, schicken Sie mir eine Nachricht“, sagte Klopp dem TV-Reporter.

Leihgeschäft mit Ozan Kabak

So weit kam es nicht, Klopp wurde selbst fündig. Vor ein paar Tagen lieh Liverpool Ozan Kabak (ehemals VfB Stuttgart) vom FC Schalke 04 bis zum Sommer aus und verankerte auch gleich eine Kaufoption im Vertrag, der 20-jährige Türke soll die Not lindern. Und er soll das mit einem weiteren Profi mit Stuttgarter Vergangenheit tun – mit Nat Phillips, der in der vergangenen Saison von Liverpool an den VfB ausgeliehen war.

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Phillips durfte am Mittwochabend bei der 0:1-Heimniederlage gegen den Abstiegskandidaten Brighton & Hove Albion 90 Minuten lang in der Innenverteidigung ran. Kabak stand noch nicht im Kader, was sich angesichts der Not in der Defensive schnell ändern dürfte. Dort gibt der im zentralen Mittelfeld beheimatete Kapitän Jordan Henderson seit Wochen die Aushilfskraft im Abwehrzentrum – oft neben dem Brasilianer Fabinho, der ebenfalls im Mittelfeld zu Hause ist. Und sich zuletzt auch noch verletzte.

Gut möglich also, dass die beiden ehemaligen Stuttgarter Kabak und Phillips bald das Innenverteidiger-Duo bei den Roten von der Merseyside geben. Und klar ist es schon jetzt, dass die beiden am Ziel ihrer Träume angekommen sind. So sah der Karriereplan des Ozan Kabak immer die Premier League als Traumziel vor. Die Bundesliga mit den Stationen VfB und Schalke 04 war für Kabak immer nur als Zwischenstation auf dem Weg nach England gedacht. Beide Male, also in Stuttgart und auf Schalke, war der damalige Manager Michael Reschke die treibende Kraft für die Verpflichtungen.

Bessermacher Klopp

Auch Klopp und Liverpool sehen in Kabak großes Potenzial. Sie hatten ihn schon auf dem Zettel, als er im Januar 2019 für ein halbes Jahr zum VfB wechselte. Der bullige, schnelle und zweikampfstarke Kabak könnte nun unter dem Bessermacher Klopp, der ein Faible für junge Abwehrkräfte hat, den nächsten Schritt machen.

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Klopps Kumpel und Trauzeuge David Wagner, von Juni 2019 bis September 2020 Kabaks Trainer beim FC Schalke, bestärkte den Coach des FC Liverpool, das Abwehrtalent zu holen. Und wie Kabak nun selbst berichtete, überzeugte ihn Wagner jüngst auch von den Qualitäten Klopps als Trainer.

Von denen ist auch Nat Phillips überzeugt – der wie Ozan Kabak sein Ziel erreicht hat, nur auf anderer Ebene. Denn mehr als ein Engagement beim FC Liverpool geht auch für Phillips (23) nicht. Die Eltern und die Großeltern sind glühende LFC-Fans, er selbst wurde es auch, weshalb es für Phillips nichts Größeres gibt, als für die Reds aufzulaufen.

Integrer Charakter

Dass er in der vergangenen Zweitligasaison beim VfB war, ist der Liverpooler Philosophie zu verdanken gewesen, wonach der Club seine jungen Profis sofort verleihen will, wenn klar ist, dass sie kaum zum Zug kommen – Spielpraxis ist das Zauberwort. Klopp empfahl Phillips so dem VfB-Sportdirektor Sven Mislintat, seinem alten Kumpel aus gemeinsamen Zeiten bei Borussia Dortmund. Mislintat griff zu und war wie alle beim VfB begeistert von der Zuverlässigkeit und dem integren Charakter des jungen Mannes, auf den nun wieder Klopp setzt.

Ob Phillips allerdings fußballerisch das Zeug dazu hat, um bei einem Weltclub wie dem FC Liverpool dauerhaft eine wichtige Rolle zu spielen – diese Frage ist nach den oft soliden, aber keineswegs überragenden Auftritten beim VfB zumindest offen.

Klar dagegen ist aus Sicht des FC Liverpool eins: Ein Sieg muss her beim nächsten Ligaspiel an diesem Sonntag (17.30 Uhr). Der Gegner heißt Manchester City. Bei einer Niederlage wäre der Traum von der Titelverteidigung ausgeträumt.

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