Sabine Wirblich leitet die Bezirksstelle Stuttgart des LSM. Quelle: Unbekannt

Immer mehr Frauen brechen in die Männerdomäne Schausteller ein. Viele führen Betriebe und große Fahrgeschäfte und engagieren sich immer mehr in den beiden Schaustellerverbänden.

Bad Cannstatt Die Welt ist unser Feld“ lautet das Motto der Schausteller. Das heißt, sie sind viel unterwegs, „auf Reise“, von Festplatz zu Festplatz. Dort muss der Betrieb auf- und wieder abgebaut werden. Das ist Anpacken Trumpf. Dabei stehen immer mehr Schaustellerinnen ihren Mann. Angela Bruch beispielsweise ist seit 1992 Chefin der Alpina Bahn. Die Achterbahn ist ein Schwergewicht, wiegt 800 Tonnen, ist 86 Meter lang, 32 Meter tief, 27 Meter hoch, fünf Züge befördern die Fahrgäste über die 910 Meter lange Strecke, die 2750 Quadratmeter Fläche benötigt. Kein Job für Weicheier. Angela Bruch ist in siebter Generation Schaustellerin. Auf dem Volksfest ist auch Bruder Oscar mit dem Riesenrad.

Eine Frauenquote gibt es auf einem Festplatz nicht. „Entweder man kann es oder eben nicht“, sagt Sabine Wirblich. „Als Frau muss man sich behaupten“. Sie führt einen Süßwarenstand und ist wie Angela Bruch seit 1992 Chefin. Da startete sie mit einem eigenen Stand, verkaufte Crêpes. Zwei Jahre später feierte sie Wasenpremiere. Auch sie hat das Schaustellergen im Blut. Ihr Großvater Walter Maier betrieb einen Imbissbetrieb, gebaut aus Colakisten, später einen Biergarten und eine Bierhalle, stieg dann um auf Schmuck, wurde als Schmuck-Maier bekannt. Die Oma mütterlicherseits stammt vom Schiffschaukelbetrieb Nicklas. „Ich wollte eigentlich den Schmuckstand meines Opas übernehmen“, erzählt Sabine Wirblich. „Das war meins.“ Doch sie konnte den großen Wagen nicht transportieren. Heute ist sie mit ihrem Stand das ganze Jahr über unterwegs.

Sie engagiert sich zudem noch ehrenamtlich für ihre Kolleginnen und Kollegen, leitet die Bezirksstelle Stuttgart des Landesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute (LSM). Früher reine Männerdomäne haben inzwischen Frauen in diesem Verband führende Rollen übernommen. Der LSM wird von einer Frau geführt (Hannelore Schröter-Wagner), Linda Brandl ist Vize-Präsidentin. „Wir sind Mittler zwischen Verwaltung und den Kollegen“, beschreibt Wirblich ihre Aufgabe. Was nicht immer einfach ist. Viele sehen sich als Einzelkämpfer. „Das ist teilweise zum Verzweifeln.“

Die Zusammenarbeit mit dem anderen Verband sei gut. „Wir haben einen guten Draht zum Schaustellerverband Südwest und ihrem Dachverband DSB.“ Man spreche sich ab. „Wir sind einer Meinung und ziehen am gleichen Strang.“ Im DSB sind Frauen in führenden Positionen noch nicht stark vertreten. „Es wird aber mehr“, beschreibt Vizepräsident Kevin Kratzsch. Sie würden sich immer mehr engagieren. Es gebe viele selbstständige Frauen, die mehr und mehr Akzente setzen.

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