Winfried Hermann mit Birgit Bohle, damals im Vorstand der DB Fernverkehr AG, im Jahr 2017 bei einer Probefahrt auf der Gäubahnstrecke – nicht erst seit da kennt der Verkehrsminister diese Trasse. Foto: /www.7aktuell.de/Frank Herlinger

Die neue Idee für die Führung der Gäubahnzüge am Flughafen müsse dringend im Lenkungskreis von Stuttgart 21 besprochen werden, fordert der Landesverkehrsminister. Vom Bund erwartet er eine Finanzierungszusage. Und an die Stadt und Region Stuttgart richtet er auch Appelle.

Stuttgart - Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) wartet auf eine verbindliche Finanzierungszusage des Bundes für den Bau eines neuen Gäubahntunnels am Flughafen Stuttgart, nachdem der Bau Ende Juni vom Parlamentarischen Staatssekretär Steffen Bilger(CDU) in Berlin versprochen worden ist. Das Ganze müsse auch „dringend im Lenkungskreis Stuttgart 21 mit den anderen Projektpartnern besprochen werden“, forderte Hermann im Interview mit der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten.

Der Minister erkennt ein veritables Großprojekt

Er betrachte die Idee in Verbindung mit weiteren Ausbaumaßnahmen auf der Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart und Zürich als ein gutes Konzept, das neue Chancen eröffne, sagte er. Allerdings fügte der Minister hinzu: „Wir haben die Pflicht, hier nicht naiv zu sein.“ Man werde den Plan wohlwollend prüfen, aber auch sorgfältig. Es handle sich um ein neues Großprojekt, „das gestemmt sein will“. Am Ende könnten sich die absehbaren Kosten und der Zeitaufwand massiv erhöhen und Geldgeber in Berlin fehlen.

Hermann befürchtet außerdem, dass im neuen Flughafenbahnhof die Züge von und nach Ulm sowie Tübingen blockiert werden könnten, wenn dort nach dem neuen Plan mit einem zusätzlichen Tunnel auch die Gäubahnzüge halten würden. Außerdem sei das Störfallkonzept für die S-Bahn in der Region Stuttgart „praktisch zerstört“. Und es könne sich die jahrelange Interimszeit verlängern, wenn der Stuttgarter Kopfbahnhof vom Sommer 2025 an abgeschaltet wird und der neue Gäubahnanschluss an die Stuttgart-21-Neubauten noch nicht fertig ist.

Städtebau und Verkehr „müssen zusammengehen“

Ganz zu verhindern wäre die Kappung nur, wenn noch ein paar oberirdische Gleise im neuen Entwicklungsgebiet hinter dem Hauptbahnhof liegen bleiben dürften. „Stünde der Verkehr im Vordergrund, würde man das tun“, sagte Hermann im Interview. Weil das im Stuttgarter Gemeinderat wegen der städtebaulichen Ziele fast niemand wolle, könne er den tief besorgten Bürgermeistern und Landräten entlang der Gäubahnstrecke jedoch nur eines sagen: „Die Stadt Stuttgart könnte Eure Probleme lösen, ich kann es nicht.“

Noch nicht aufgegeben hat er die Hoffnung, dass eine unterirdische Ergänzungsstation neben dem Tiefbahnhof ermöglicht wird. Hier appellierte er sowohl an die Stadt wie auch an den Verband Region Stuttgart, an einer Zukunftslösung doch noch mitzuwirken.

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