Für seine Freunde Benni (Leopold Ferdinand Schill) und Emilia (Lisa Moell) ist Alfons Zitterbacke (Tilman Döbler, von links) der Allergrößte) Foto: X-Verleih - X-Verleih

Alfons Zitterbacke war der (manchmal etwas tragische) Held vieler Kinder in der DDR. Nun feiert der abenteuerlustige Bengel in Mark Schlichters Komödie „Alfons Zitterbache – Das Chaos ist zurück“ auf der Kinoleinwand sein Comeback.

EsslingenJenseits der Mauer kannte und mochte ihn so gut wie jedes Kind. Was Pippi Langstrumpf oder Michel aus Lönneberga für den Nachwuchs hierzulande waren, das war im Osten Alfons Zitterbacke: ein pfiffiger Kinderbuch-Held, über dessen liebenswert-verrückte Geschichten sich nicht nur junge Leser köstlich amüsieren konnten. Ende der 50er-Jahre brachte der Autor Gerhard Holtz-Bau­­mert mit seinem Buch „Alfons Zitterbacke – Geschichten eines Pechvogels“ den kecken Titelhelden in der DDR groß raus, zwei weitere Bücher sollten folgen. Und weil das Publikum von Alfons und seinen verrückten Abenteuern gar nicht genug kriegen konnte, wurde er im Osten sogar zum Fernsehserien-Helden und Kino-Star. Nach mehr als 50 Jahren feiert er nun auf der Leinwand sein Comeback in Mark Schlichters turbulentem Kinderfilm „Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück“. Die DDR hat Alfons hinter sich gelassen – nun ist er durch und durch ein Kind unserer Tage. Doch seine Abenteuerlust, seine sprühende Fantasie und sein Talent, partout kein Fettnäpfchen auszulassen, zeigt er noch immer wie einst im Mai.

Der elfjährige Alfons Zitterbacke (Tilman Döbler) war schon immer ein bisschen anders als die meisten seiner Altersgenossen: Sollen die doch ihre Zeit mit allem möglichen Blödsinn verdaddeln – Alfons weiß ganz genau, was er werden will: Als genialer Erfinder will er die tollsten Dinge entwickeln, und als furchtloser Astronaut will er durchs Weltall düsen. Dummerweise ist sein Weg zu Ehre, Ruhm und Erfolg mit Pleiten, Pech und Pannen gepflastert: Kaum träumt der Junge wieder mal von großen Triumphen und wilden Abenteuern im Weltall, da landet er auch schon auf der Nase. Und während ihn seine Mitschüler wie so oft mit „Zitterbacke, Hühnerkacke“ hänseln, stöhnt der arme Junge: „Alles, was ich mache, ist falsch. Ich bin ein Pechvogel.“

Doch zum Glück ist Alfons ein unverbesserlicher Optimist, der sich immer wieder am eigenen Haarschopf aus dem Sumpf zieht. Leider sind seine Eltern (Alexandra Maria Lara und Devid Striesow) nicht ganz so zuversichtlich, was die Aussichten ihres Jungen angeht. Und auch Rektorin Girzig (Katharina Thalbach) und Lehrer Flickendorf (Thorsten Merten) verzweifeln immer wieder an Alfons’ verrückten Ideen. Nur gut, dass ihm wenigstens sein bester Freund Benni (Leopold Ferdinand Schill) bedingungslos zur Seite steht. Doch dann taucht eines Tages Emilia (Lisa Moell) in der Klasse auf, Alfons hat nur noch Augen für die neue Mitschülerin, und Benni fürchtet voller Eifersucht um seine Freundschaft. Dabei findet es Alfons höchste Zeit, endlich mal allen zu beweisen, was wirklich in ihm steckt. Da kommt ein Technik-Wettbewerb der Schule gerade recht. Inspiriert von den nicht immer glücklichen Experimenten seines Chemielehrers (Olaf Schubert) beschließt Alfons, eine wassergetriebene Rakete zu bauen. Und wenn die erst einmal abhebt, wird ihn auch sein Erzrivale Nico (Ron Antony Renzenbrink) nicht länger hänseln – so jedenfalls malt sich Alfons das in seinen kühnsten Träumen aus. Doch nach allerlei Rückschlägen bleibt vor allem eine wichtige Erkenntnis: Wahre Freunde verlangen nie, dass man sich ständig neu beweisen muss …

„Es gibt zeitlose Geschichten, die damals so gut wie heute und vermutlich auch noch in ein paar hundert Jahren funktionieren“, weiß Regisseur Mark Schlichter – und er denkt dabei nicht zuletzt an Gerhard Holtz-Baumerts Kinderbücher, die er seinen eigenen Söhnen mit viel Vergnügen vorgelesen hat. „Für mich war es von Anfang an klar, dass ich ‚Alfons Zitterbacke’ nicht historisch, sondern im Hier und Heute erzählen möchte. Die Filme, die den Jungen mit dem für ihn so ärgerlichen Namen in der DDR zeigen, gibt es schon. Und eine historisierende Neuverfilmung ist für junge Zuschauer von heute meines Erachtens weniger interessant. Alfons muss jemand sein, dessen Probleme und Wünsche die Kinder von heute verstehen und sich damit identifizieren können.“ Wie zeitlos diese Kinderbuch-Figur ist, bekam Schlichter vom jungen Hauptdarsteller Tilman Döbler bestätigt: „Ich finde an Alfons sehr sympathisch, dass er einerseits der totale Pechvogel ist und nichts auf die Reihe bekommt, aber andererseits finde ich es toll, dass er immer weiter macht und nie aufgibt, egal was passiert ist ... Und ich mag ihn auch, weil er für seinen Traum so krasse und kreative Sachen macht.“ Schlichters Film betont die slapstickhaften Momente der Geschichte, die mit sichtlichem Vergnügen ausgespielt werden und den jungen Darstellern reichlich Gelegenheit bieten, ihr komödiantisches Talent auszuspielen. Das ist auch gut so, schließlich müssen sie sich gegen Alphatierchen wie Katharina Thalbach und Olaf Schubert behaupten und aufpassen, dass ihnen diverse Promis wie Checker Tobi, Bürger Lars Dietrich oder der Astronaut Alexander Gerst, die allesamt zu kleinen Auftritten kommen, nicht die Show stehlen.

Mark Schlichter hat den DDR-Kinderbuch-Klassiker „Alfons Zitterbacke“ fürs junge Publikum unserer Tage neu entdeckt und daraus eine turbulente Komödie gemacht, die mehr die slapstickhaften als die (durchaus auch vorhandenen) ernsthaften Momente dieser Geschichte betont.

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