Das Waldheim Frauenkopf liegt idyllisch am Fernmeldeturm. Foto: Archivfoto: Sebastian Steegmülle - Archivfoto: Sebastian Steegmüller

Das Waldheim Frauenkopf steht noch immer leer

FrauenkopfDas Waldheim Frauenkopf am Fernmeldeturm ist einst nicht nur für Kinder in den Sommerferien ein Rückzugsort gewesen, sondern stellte auch für Spaziergänger und Musikliebhaber eine feste Anlaufstelle dar. Im Restaurant Casseiopa spielten regelmäßig Bands wie „The Caverns“. Diese Zeiten sind seit Ende 2013 vorbei. Weil der Bau marode ist, wurde der Betrieb nach mehr als 90 Jahren eingestellt. Die Mängelliste war damals lang: Unter anderem war das Dach undicht, an der Fassade hatten sich Risse gebildet, auch die Fenster, Heizung und auch die elektrischen Kabel hätten erneuert werden müssen. Dazu kam es jedoch nicht, die Kernsanierung blieb aus. Seither stehen die zwei Gebäude leer, das weitläufige Gelände mit Spiel- und Bolzplatz ist ungenutzt. Um die Waldheimarbeit weiterhin aufrechterhalten zu können, wurde nach einem alternativen Standort gesucht und dieser letztlich auch auf der Waldebene Ost gefunden: Seit 2014 findet die Waldheimfreizeit auf dem Gelände des SV Gablenberg statt.

Kita wurde abgelehnt

Rund 2,2 Millionen Euro müssten aufgrund des baulichen Zustandes der Häuser und brandschutztechnischer Auflagen in die Hand genommen werden, um am Standort weiterhin Waldheimmaßnahmen anbieten zu können. „Eine solche Investition konnte aufgrund des befristeten Pachtvertrages und des baurechtlichen Duldungsstatus von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde in der notwendigen Höhe nicht verantwortet werden“, sagt Sonja Schürle von der Evangelischen Kirchenpflege Stuttgart.

Der Eigentümer des Areals ist das Land Baden-Württemberg, Pächterin war und ist die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart. Sie hat seit den 1960-Jahren einen Pachtvertrag mit zehnjähriger Laufzeit, der immer wieder verlängert wurde. „Für die Gesamtkirchengemeinde war es in der Vergangenheit wesentlich, eine Lösung für eine Ganzjahresnutzung zu finden.“ Bislang allerdings ohne Erfolg. „Die hierbei vorgestellten Ideen, zum Beispiel die Errichtung einer Kita, waren jedoch aus baurechtlicher Sicht und hinsichtlich der genehmigten Nutzung nicht möglich und wurden abgelehnt“, so die Kirchenpflegerin weiter. Aus diesem Grund war auch ein möglicher Neubau, den die Kirche kurzzeitig ins Auge gefasst hat, schnell vom Tisch. Das Vorhaben scheiterte, weil es mitten im Wald keinen gültigen Bebauungsplan gab. „Wir sind sozusagen seit Jahrzehnten nur geduldet“, sagte Jörg Schulze-Gronemeyer, der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft evangelische Ferien- und Waldheime in Württemberg damals.

Eine weitere Alternative, die vor sechs Jahren ebenfalls diskutiert wurde, war, den Pachtvertrag zwischen der Gesamtkirchengemeinde und dem Land 2014 auslaufen zu lassen, um anschließend die Immobilie abzureißen. Damals hatte jedoch weder die Stadt noch das Land ein Interesse an dem Areal bekundet. Daher entschied sich die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart gegen diesen Schritt. „Es wäre schwer vermittelbar, die Immobilien abzureißen, das Areal zurückzugeben, um dieses brachliegen beziehungsweise leer stehen zu lassen. Dies hätte zu einem hohen Unverständnis geführt“, sagt Sonja Schürle.

Der Pachtvertrag wurde zunächst jahresweise verlängert und nun wieder mit einer festen Laufzeit von zehn Jahren abgeschlossen. Doch, wo geht die Reise hin? Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll ein Nutzungskonzept erarbeitet werden. Dazu hat man sich Stefan Mellmann, einen der drei Geschäftsführer der Wagenhallen, als Untermieter und Partner ins Boot geholt. Jedoch nicht, um das Waldheim Frauenkopf in eine Event-Location umzuwandeln. „Wir wollten die Gebäude vor dem Verfall schützen und bewahren.“ Stefan Mellmann habe vor Ort eine Hausmeisterfunktion und hält die Gebäude instand. Der Fokus liege nach wie vor auf der Waldheimarbeit. „Eine Änderung in der Nutzungsgenehmigung war mit der Untervermietung nicht verbunden“, so Schürle. Noch immer sei die Stadtranderholung der einzig genehmigte Zweck. Durch die Zusammenarbeit habe man nochmals Zeit gewonnen, um in den nächsten zehn Jahren gemeinsam mit dem Unterpächter eine tragfähige und dauerhaftes Konzeption für die Flächen zu suchen. „Es wird aber nicht in Konkurrenz zu den anderen Waldheimen stehen.“

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