Blick auf die Ruinen des ehemals größten römischen Reiterkastells nördlich der Alpen. Das Kastell ist Bestandteil des Limesmuseum (links). Foto: dpa/Wolfram Kastl - dpa/Wolfram Kastl

Das Limesmuseum in Aalen macht nach einer umfangreichen Sanierung und Modernisierung Geschichte wieder erlebbar.

AalenRömische Geschichte wohin man schaut. Am Eingang sogar unter den Füßen: „Wir stehen direkt auf der Mauer des größten Reiterkastells nördlich der Alpen“, sagt Martin Kemkes . Dass die Mauer längst weg ist und durch einen beschrifteten Bodenstreifen symbolisiert wird, tut der Sache keinen Abbruch, findet der Leiter des Limesmuseums in Aalen: „Hier waren 1000 Reitersoldaten samt Pferden untergebracht, das muss man sich mal vorstellen.““

An diesem Freitag wird das Museum nach zweieinhalbjähriger Sanierung und Modernisierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann wiedereröffnet. Stadt, Land und Bund haben dafür insgesamt rund 8,5 Millionen Euro investiert. Verpasst wurde dem zuerst 1964 eröffneten größten Museum am 550 Kilometer langen Obergermanisch-Raetischen Limes, den die Unesco 2005 in den Rang einer Weltkulturerbestätte erhob, auch ein neues Konzept. „Hier wird der Limes als Grenze zwischen der Weltmacht Rom und den Germanen beziehungsweise Kelten erlebbar, aber zugleich als eine Verbindungslinie zwischen ihnen“, erklärt Kemkes. Denn der Limes habe die Möglichkeit eines kontrollierbaren Austausches mit den jenseits davon lebenden Völkern geboten: „Die Römer waren tolerant gegenüber anderen Kulturen und Religionen, aber sie wollten wissen, wer in ihr Reich kommt und wer es verlässt.“ Das neue Museum helfe bei der Suche nach Antworten auf Fragen wie diese: „Wie ging damals eine Weltmacht mit vermeintlich barbarischen kleineren Völkern um? Und was können wir daraus lernen?“

Anfangs führt die Museumstour, zu der auch das Freigelände mit Überresten des Kastells gehört, in Räume, die das Leben der Römer in Aalen und Umgebung veranschaulichen. Dazu werden Methoden des digitalen Storytelling nutzbar gemacht: Vor den Besuchern präsentiert sich eine 1800 Jahre zurückliegende Welt anhand der persönlichen Lebensgeschichten von sieben Menschen, die tatsächlich in der Aalener Region gelebt haben – Soldaten ebenso wie Zivilisten. „Mit dem Limesmuseum legen wir Zeugnis ab für die uralte römische Geschichte in unserer Region“, sagt der Aalener Oberbürgermeister Thilo Rentschler stolz. „Und wir leisten einen Beitrag für das Projekt Deutsche Limes-Straße mit inzwischen 93 Städten, Märkten, Gemeinden, Landkreisen und Touristikgemeinschaften als Mitgliedern.“

Geöffnet ist das Limesmuseum Dienstag bis Sonntag oder an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 6/4 Euro. Eine Familienkarte 13,50 Euro. Kinder unter 6 Jahren sind frei.dpa/red

www.limesmuseum.de

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