Denkbar ist, dass der Bahnhofsvorplatz für Autos gesperrt wird. Foto: Sebastian Steegmüller - Sebastian Steegmüller

Das Bahnhofsumfeld soll bis zur Europameisterschaft deutlich aufgewertet werden

Bad CannstattDie Fußball-Europameisterschaft 2024 wirft ihre Schatten voraus. Im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik stellte am Dienstag Andreas Hemmerich vom Amt für Stadtplanung und Wohnen vor, wie sich Bad Cannstatt bis zu dem Großereignis präsentieren könnte. Denn auch in der Mercedes-Benz-Arena werden Spiele stattfinden und somit Fußballfans rund um den Globus in Richtung Neckarpark blicken.

Hemmerich betonte, dass das Projekt für die Stadt sehr wichtig sei und entsprechend priorisiert werde. Er machte jedoch auch klar, dass man Maßnahmen – die Grünen hatten einen entsprechenden Antrag gestellt – mit Bedacht umsetzen werde. Baubürgermeister Peter Pätzold fügte hinzu, dass „es zur Fußball-EM 2024 rund um das Stadion keine Baustellen geben darf. Es soll eine ordentliche Adresse sein.“

Daher werde die Stadtbahnlinie U 19 definitiv erst nach der Fußball-EM bis zum Mercedes-Benz-Museum verlängert. Zum einen sei der Bereich rund ums Stadion während des Turniers eine Sicherheitszone, „sodass die Züge während dessen dort nicht fahren dürfen“, so Hemmerich. Zum anderen würden die Arbeiten wohl nicht rechtzeitig komplett fertiggestellt werden, deshalb starten sie direkt im Anschluss. Danach soll es jedoch schnell gehen: Ende 2025 sollen bereits die ersten Züge am Stadion vorbeifahren. Deutlich früher werden Busse der Linie 56 wohl im Neckarpark unterwegs sein. Sie sollen ab Dezember 2022 über die neue Benzstraße fahren und unter anderem am Haus des Sports halten. Die Mehrkosten für die Verlängerung betragen rund 400 000 Euro pro Jahr, derzeit werde aber noch von der Stuttgarter Straßenbahnen AG geprüft, ob stattdessen auch der X1 das Gebiet bedienen könnte. Sollte es den Expressbus dann noch geben, könnte jede zweite Fahrt beispielsweise in Richtung Neckarpark abbiegen.

Das Hauptaugenmerk legt der Stadtplaner zunächst jedoch auf Bereiche, an denen sich Fußballfans im Sommer 2024 aufhalten werden. Ein Dreh- und Angelpunkt – darüber waren sich die Stadträte einig – wird der Bahnhof Bad Cannstatt sein. „Der Vorplatz soll bis zur EM neu gestaltet werden. Hierzu sollen im nächsten Jahr zunächst in einer Machbarkeitsstudie die Rahmenbedingungen für einen darauf aufbauenden Wettbewerb erarbeitet werden“, sagt Hemmerich. Dabei soll auch geprüft werden, ob Radabstellanlagen wie ein Bike-Haus möglich ist. Der Stadtplaner könnte sich vorstellen, dass die Kiss&Ride-Zone abgeschafft werde. Also der Bereich, an dem Autofahrer Personen am Bahnhof absetzen oder eben abholen. Die Machbarkeitsstudie gehe aber noch ein Stück weiter. Geprüft werde auch, ob der Bahnhofsvorplatz für den Verkehr – Bus und Taxis ausgenommen – gesperrt werden könne. Ebenso, ob es möglich ist, die Seelbergstraße in eine Fußgängerzone umzuwandeln. „Die Probleme dort sind groß“, so Hemmerich, der anmerkt, dass die Maßnahmen rund um den Bahnhof zeitlich sehr ambitioniert sind. „Sie können aber aus Sicht der Verwaltung einen wichtigen Baustein im Hinblick auf die gewünschte Aufwertung Bad Cannstatts zur EM 2024 darstellen.“

Nicht zu vernachlässigen ist dabei auch der Weg, den die Fans zum Stadion zurücklegen werden. „Die Mercedesstraße ist verkehrstechnisch sehr anspruchsvoll, trotzdem haben wir uns die Aufwertung fest als Ziel gesetzt. Die Vor- und Entwurfsplanung für den Abschnitt bis zur Bahnhofsstraße soll in den nächsten beiden Jahren erfolgen und im Doppelhaushalt 2022/2023 umgesetzt werden.“

Grundsätzlich möglich wären indes auch die von den Grünen beantragten Maßnahmen rund um den Cannstatter Wasen wie beispielsweise die Verschönerung des Ufers oder ein begrünter Fußweg, der über das Gelände führt. „Die erforderlichen Haushaltsmittel liegen vor.“ Auch ein barrierefreier Zugang zum Wasen auf Höhe der Kegelenstraße wäre umsetzbar. „Die Frage ist nur, welche Bedeutung der Wasen bei der EM 2024 haben wird. Findet ein Public Viewing statt? Ansonsten ist der Bereich in den Planungen eher untergeordnet zu behandeln“, so Hemmerich, der sich auf keinen Fall vorstellen kann, dass der von den Grünen ebenfalls geforderte Brückenschlag über den Neckar zum Stuttgarter Osten bis zur Europameisterschaft umgesetzt wird. „Das ist unrealistisch.“ Solch ein Projekt würde ein neues Planrecht erfordern.

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