Der turbanumwundene Helm, der aus dem Ende des 17. Jahrhunderts/ Anfang des 18. Jahrhunderts stammt, ist Teil der Ausstellung „Kaiser und Sultan“. Foto: dpa/Uli Deck - dpa/Uli Deck

Samtene Sättel, edelsteinverzierte Prunkuhren, vergoldete Köcher und ein riesiges Zelt: Kostbare Schätze aus der Zeit der Türkenkriege verdeutlichen im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe die Verschränkungen Europas mit dem sogenannten Fremden.

KarlsruheEine mit osmanischen Ornamenten verzierte Schlagwaffe wird zum Zepter eines badischen Großherzogs. Prächtige muslimische Gebetsteppiche zieren christliche Kirchen. Süddeutsche Automatenuhren werden mit osmanischem Ziffernblatt ausgestattet und sind als Gastgeschenk dort heiß begehrt.

Die Große Landesausstellung „Kaiser und Sultan – Nachbarn in der Europas Mitte 1600-1700“ im Karlsruher Schloss zeigt das 17. Jahrhundert nicht als Zeit der blutigen Türkenkriege, sondern als Epoche kulturellen Austausches, die Kunst, Mode, Bräuche und neue Ideen in die Mitte Europas transportierte. „Wir belegen, was jenseits der Kriege möglich war“, sagt Kuratorin Schoole Mostafawy. Die Region – Kriegsschauplatz waren Ost-, Mittel- und Südosteuropa – wurde ihren Worten zufolge zu einer Drehscheibe für einen regen Austausch von Informationen und Kunst, Wirtschaft und Diplomatie. „Transkulturell“ heißt der wissenschaftliche Ausdruck für diese Sicht der Dinge, die sich von isolierten Betrachtungen historischer Ereignisse entfernt und sich stattdessen auf das konzentriert, was eigentlich passiert, wenn Kulturen aufeinandertreffen. Die Geschichte dieser Austauschbeziehungen rückt das Badische Landesmuseum damit erstmals in den Blick.

Die Exponate, die dies illustrieren sollen, sind tatsächlich spektakulär und zum Teil schon lange nicht mehr oder nie zuvor gezeigt worden. Das Karlsruher Haus profitiert dabei immens von einem seiner größten Schätze: der „Türkenbeute“, einer fast 600 Einzelstücke umfassenden Sammlung von Kostbarkeiten und Trophäen, die badische Markgrafen während der Türkenkriege erbeuteten. Etwa 40 besonders eindrucksvolle Exponate werden für die Schau – auch das ein Novum – mit ebensovielen Stücken der gleichermaßen bedeutenden „Türckischen Cammer“ der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vereint. Beide Sammlungen gehören zu den größten osmanischen Museumsbeständen Deutschlands. Leihgaben aus der Schweiz, Österreich, Slowenien, Ungarn und Polen runden den Parcours durch das 17. Jahrhundert ab. Deutlich wird auch anhand von Genussmitteln und Mode, wie sehr sich die Kulturen ineinander verwoben: Gesandte zwischen den Herrschaftsbereichen, Pilger sowie Kaufleute sorgten dafür, dass Tabak aus dem Osmanischen Reich ins östliche Europa kam. Auch der Kaffeegenuss breitete sich aus. In der Schau zeugen Pfeifen, kostbares Geschirr oder ein Bildnis des in osmanische Tracht gewandeten Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden – besser bekannt als „Türkenlouis“ – davon.

Die Ausstellung ist noch bis zum 19. April zu sehen. Geöffnet von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet 12/9 Euro.dpa

www.landesmuseum.de

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