Seit Anfang Oktober war die Polizei mit zahlreichen Kräften zur Räumung des Waldgebiets im Einsatz. Foto: dpa/Boris Roessler

In Hessen wollen Umweltschützer den Bau einer Autobahn und die dafür notwendige Rodung eines Waldstücks verhindern und belagern Bäume. Jetzt ist auch der letzte Aktivist aus dem Dannenröder Forst verschwunden.

Homberg/Ohm - Die Polizei hat die Räumung von Protestlagern im hessischen Dannenröder Forst vor dem umstrittenen Ausbau der Autobahn 49 abgeschlossen. Der letzte Umweltaktivist sei durch Einsatzkräfte aus einem Baum auf den Boden gebracht worden, teilte die Polizei in Gießen am Dienstag mit. Die Beamten waren angesichts heftiger Proteste gegen den Autobahnausbau seit Anfang Oktober mit zahlreichen Kräften zur Räumung des Waldgebiets im Einsatz.

In den vergangenen Wochen seien mehrere hundert Menschen aus zum Teil „luftiger Höhe“ sicher auf den Boden gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher. Der letzte verbliebene Aktivist am Dienstag hatte sich demnach an einen Baum gekettet. Am Mittwoch wollen die Beamten in einer Pressekonferenz ein Fazit zum Einsatz ziehen. Dabei soll auch ein Ausblick auf die kommenden Wochen gegeben werden.

Aktivisten stürzten ab

Bei dem Einsatz fielen im November zwei Aktivistinnen aus mehreren Metern in die Tiefe. Im ersten Fall stürzte eine Demonstrantin von einem dreibeinigen Gestell und verletzte sich schwer. Die Staatsanwaltschaft Gießen leitete daraufhin Ermittlungen gegen einen Polizeibeamten ein. Er soll ein Seil durchtrennt haben, das die Frau absicherte. Die Funktion des Seils soll dem Polizisten nicht bewusst gewesen sein. Einsatzkräfte hätten nach Angaben der Polizei den Absturz aus der Distanz beobachtet und sofort Rettungskräfte geschickt.

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Rund eine Woche später stürzte eine weitere Aktivistin von einer Plattform. Nach Polizeiangaben hielt sich die Frau vermutlich auf einer Holzpalette auf, die mit Seilen zwischen mehreren Bäumen in etwa vier bis sechs Metern Höhe befestigt war. Die Palette sei aus ungeklärter Ursache in Schieflage geraten und die Frau zu Boden gestürzt. Sie wurde schwerverletzt in eine Klinik gebracht.

Ermittlung wegen versuchten Totschlags

Darüber hinaus ermittelt die Polizei gegen einen Aktivisten wegen versuchten Totschlags. Er soll vor rund zwei Wochen das Halteseil eines Gestells durchtrennt haben, wodurch dieses umgestürzt sein soll. Unterhalb des Gebildes hätten sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Polizisten befunden. Diese konnten sich in Sicherheit bringen und blieben unverletzt.

In den vergangenen Wochen kam auch ein Wasserwerfer zum Einsatz, nachdem Polizisten mit Zwillen und Pyrotechnik angegriffen worden waren. Dabei wurde niemand verletzt. 

Der Dannenröder Forst wurde seit Anfang Oktober geräumt. Dort protestierten seit über einem Jahr Umweltschützer in Hessen gegen den Ausbau der A49 zwischen Gießen und Kassel. Die Autobahn soll durch das Waldgebiet führen. Der Bau soll im September 2021 beginnen, bis Februar sollen zunächst 27 Hektar Wald gerodet werden.

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