Thorsten Schwämmle beim Stuttgarter Crafbeer-Festival 2019; damals hatte der Gastronom noch gut lachen. Foto: Lichtgut// Ferdinando Iannone

Die Corona-Krise trifft die Gastronomen besonders hart. Manche Einbrecher denken offenbar, in den Betrieben, in denen niemand mehr ist, könnten sie leichte Beute machen – obwohl die Kassen leer sind und nicht viel zu holen ist.

Stuttgart - Thorsten Schwämmle schwillt der Kamm gewaltig. Der Gastronom und Betreiber des Kraftpaule, wo sich alles um Craftbeer dreht, beschreibt in einem Video, wie er sich nach einem Einbruch in seinen Laden im Stuttgarter Osten fühlt: „Irgendjemand hatte die glorreiche Idee: Ah, jetzt sind ja alle Gastronomien zu! Jetzt ist da ja keiner mehr da! Jetzt kann man da einbrechen!“ Und dann bemerkt: „Die haben ja gar nicht das Geld dagelassen.“ Die Diebe hätten die ganzen iPads des Kassensystems mitgenommen und die leere Kasse abgeschraubt. Das war am 19. März.

Einige Gastronomen hatten ein ungutes Gefühl, als sie aufgrund des Coronavirus ihren Laden zusperren mussten und nicht wissen, wie lange der Zustand anhält, bis das öffentliche Leben wieder anläuft: Wähnen sich Einbrecher jetzt in Sicherheit? Werden Gastronomen ungeachtet der leeren Kassen jetzt eher zum Ziel Krimineller, da die halbe Stadt im Homeoffice sitzt und Wohnungseinbrüche dadurch schwieriger werden?

Manche ziehen aus diesen Befürchtungen bereits Konsequenzen. Thorsten Schwämmle vom Kraftpaule will die Sicherheitsvorkehrungen erhöhen, plant den Einbau einer sichereren Tür und einer Alarmanlage. Auch andere Gastronomen denken leise darüber nach, mehr in Sicherheit zu investieren. In die Bar Immer Beer Herzen an der Hauptstätter Straße wurde bereits 2017 eingebrochen, damals nahm man die Sache mit Humor. Heute ist man besorgt, dass sich die Szene wiederholen könnte. „Wir machen uns schon Gedanken darüber, hoffen aber, dass es gut geht“, sagt Nanno Smeets, einer der Teilhaber.

Polizei verzeichnet keinen Anstieg

Die Stuttgarter Polizei macht keine Beobachtungen, die die besondere Vorsicht einiger Wirte ausgerechnet jetzt nahelegen würde. Sie verzeichnet keinen Anstieg von Einbrüchen in Gaststätten. „Allerdings ist der Zeitraum, seitdem die Gastro geschlossen ist, zu kurz für eine Retrospektive“, sagt Johannes Freiherr von Gillhausen, ein Sprecher des Polizeipräsidiums Stuttgart. Insgesamt sei die Kriminalität durch die Corona-Krise stark rückläufig. Zum Schutz vor Einbrechern empfiehlt von Gillhausen jene Handreichungen, die auch schon vor der Krise galten und auf der Webseite der Polizei einsehbar sind.

Für von Einbrechern Betroffene wie Thorsten Schwämmle ist das vermutlich ein geringer Trost. Der Schaden ist da, Kasse und iPads sind weg. „Reicht es nicht, dass wir Gastronomen gerade eh schlecht dastehen?“, fragt Schwämmle später im Video. Immerhin hätten die Einbrecher das Bier dagelassen.

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