Unsere Deutschlandkarte zeigt, wo sich die Corona-Infiziertenzahlen wie schnell verdoppeln. Foto:  

Das Robert-Koch-Institut meldet mittlerweile 100 000 Corona-Infizierte in Deutschland. Baden-Württemberg steht bundesweit weiterhin relativ schlecht da.

Stuttgart - Insgesamt sind in Deutschland mindestens 99 225 Menschen offiziell mit dem Coronavirus infiziert. Das geht aus den Zahlen des Robert-Koch-Instituts vom Dienstag hervor. In der vergangenen Woche kamen mehr als 37 000 neu gemeldete Infektionen dazu, das sind 5300 pro Tag.

Zwar hat die Bundesregierung keine genaue Definition davon, ab welchem Punkt ein die aktuelle Corona-Welle abflaut, wie eine Anfrage unserer Zeitung ergab. Als relevante Größen gelten bei den Infiziertenzahlen jedoch der Anteil der Infizierten sowie die Ausbreitungsgeschwindigkeit – dafür wurde zuletzt häufig die Zeit betrachtet, innerhalb derer sich die Zahl der Infizierten verdoppelt.

Wir errechnen diese Verdopplung auf Grundlage der Zahlen aus der vergangenen Woche. Daraus ergibt sich die folgende Deutschlandkarte. Sie zeigt, wie lange eine Verdopplung der Infiziertenzahlen dauern würde, wenn die Zahlen so schnell steigen wie in der vergangenen Woche. In Baden-Württemberg ist dieser Wert kleiner und damit schlechter als in den meisten anderen Bundesländern.

Dabei ist verstärkt auch die Testintensität zu bedenken. Die deutschen Labore haben ihre Kapazitäten für Corona-Tests erhöht, wie der SWR nach einer Auswertung der täglichen Lageberichte des Robert-Koch-Instituts berichtet. Wenn mehr getestet wird, können auch mehr Infektionen bestätigt werden. Allerdings liegt beispielsweise keine detaillierte Statistik vor, wie häufig in den einzelnen Bundesländern getestet wird. Zudem genesen mehr und mehr Infizierte. Aktuell geht das Robert-Koch-Institut von etwa 30 000 Genesenen in Deutschland aus. Die Zahl muss an der Zahl der 100 000 bislang registrierten Infizierten gemessen werden.

Die Zahl der insgesamt gemeldeten Infizierten zeigen wir in der folgenden Grafik – sowohl den aktuellen Stand als auch einen (geschätzten) Stand an heute noch Infizierten. Für die Genesenen wendet das Robert-Koch-Institut die folgende Definition an: Genesen sind „mit bekanntem Erkrankungsbeginn vor dem 22. März, die weder eine Pneumonie hatten noch unter Dyspnoe litten, die nicht hospitalisiert werden mussten oder die bereits aus dem Krankenhaus entlassen wurden und nicht verstorben sind“. Diese Daten liegen in dieser Tiefe öffentlich nicht vor. Daher betrachten wir für eine grobe Schätzung nur jene Infizierten, die nach dem 23. März beim Robert-Koch-Institut registriert wurden; wer davor registriert wurde, gilt als genesen. Daraus ergibt sich eine Zahl von rund 27 000 Genesenen; sie liegt noch unter der Schätzung des Robert-Koch-Instituts.

Betrachtet man die Zahl der Verstorbenen, die an der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 litten, so sind mit großem Abstand die meisten Toten in Bayern und Baden-Württemberg zu verzeichnen. In Relation zur Bevölkerung ist der Anteil der Verstorbenen in Baden-Württemberg bundesweit am höchsten, wie das folgende Diagramm zeigt.

Die Infizertenzahlen steigen dagegen in Bayern weiterhin am stärksten, wie das folgende Diagramm mit dem Anteil der amtlich bestätigten Infizierten je 100 000 Einwohner zeigt. Hier hat Baden-Württemberg den zweithöchsten Wert. Das baden-württembergische Sozialministerium hat auf Anfrage unserer Redaktion erklärt, wie aus seiner Sicht die hohen Zahlen im Südwesten zustande kommen. Insgesamt steigen die Kurven aber nicht mehr klar exponentiell an, sondern liegen derzeit eher auf einem mehr oder weniger steilen linearen Pfad.

Hier geht es zu den detaillierten, täglich aktualisierten Werten aus Baden-Württemberg.

Wir vergleichen an dieser Stelle die Werte des Robert-Koch-Instituts, obwohl diese erst mit etwas Verzögerung dort eintreffen. Gerade zum Vergleich über den Zeitverlauf sind diese Werte geeignet – zumindest wenn man annimmt, dass die Lieferverzögerung aus allen Ländern in etwa gleich ist und auch die Testdichte mittlerweile ähnlich hoch ist.

Wir aktualisieren diesen Beitrag regelmäßig, aktueller Stand: Sonntag, 5. April.

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