So wie dieser Platz des MTV Stuttgart waren viele Sportanlagen coronabedingt seit Mitte März für den Trainings- und Spielbetrieb gesperrt. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Die Stadt hat ein Hilfspaket gegen die Auswirkungen der Pandemie auf Sport und Kultur geschnürt. Es wird wohl nicht das letzte Mal sein, dass Vereine und Kulturbetriebe auf Zuschüsse der öffentlichen Hand angewiesen sind.

Stuttgart - Mit einer Finanzspritze von insgesamt fünf Millionen Euro wird die Landeshauptstadt den von der Coronakrise gebeutelten Sportvereinen und Kulturinstitutionen fürs Erste unter die Arme greifen. Das am Mittwoch vom Verwaltungsausschuss des Gemeinderats einstimmig abgesegnete Paket sieht Existenzhilfen in Höhe von 2,92 Millionen Euro für bisher schon von der Stadt geförderte Kultureinrichtungen sowie eine Verdoppelung des Live-Music-Fonds für die Stuttgarter Klubszene auf 160 000 Euro vor.

Die etwa 300 Stuttgarter Sportvereine mit ihren rund 140 000 Mitgliedern erhalten eine Coronahilfe von einer Millionen Euro – das entspricht sieben Euro pro Mitglied. Die Stuttgarter Bundesligamannschaften (mit Ausnahme des VfB Stuttgart) wie etwa der Volleyball-Erstligist Allianz MTV Stuttgart oder das Handballteam TVB Stuttgart, die durch das Aussetzen oder die Absage des Ligabetriebs Einnahmeausfälle in Höhe von mehr als einer Million Euro bei gleichzeitig laufenden Kosten hinnehmen müssen, erhalten ebenfalls eine Existenzhilfe in Höhe von einer Million Euro. Des weiteren übernimmt die Stadt mehr als 300 000 Euro Einnahmeausfälle für coronabedingt abgesagte Sportevents wie das Turnevent DTB Pokal, den Stuttgart-Lauf oder das Tanzturnier German Open Championship.

Coronakrise hat den Sportbereich und die Kulturlandschaft existenziell getroffen

Die Hilfe ist zunächst bis Ende Juli gedacht und fällt – anders als manche Fraktion im Voraus geargwöhnt hatte, nicht unter die vom Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann angeordnete Haushaltsbremse von pauschal 15 Prozent für alle städtischen Ämter. „Die Haushaltsbremse gilt lediglich für Haushaltsansätze im Doppelhaushalt, nicht für Corona-Hilfen“, stellte Verwaltungsbürgermeister Fabian Mayer auf eine entsprechende Nachfrage aus der SPD-Fraktion klar. Auch das Land unterstützt die Sportvereine in Baden-Württemberg mit rund 11,7 Millionen Euro, die Kultur erhält einen Zuschuss von 40 Millionen.

Wie dramatisch das Virus die Lage im Sportbereich und in der Kultur verändert hat, wird in der Beschlussvorlage der Verwaltung an mehreren Stellen deutlich. „Die Einschränkungen beider Bereiche sind in der Krise am deutlichsten in der Stadtgesellschaft spürbar und zeigt deren existenzielle Dimension im sozialen Leben der Landeshauptstadt“, heißt es dort. Klar ist: Seit dem Lockdown Anfang März liegt bei den Sportvereinen der Spielbetrieb brach, Zuschauereinnahmen sowie Sponsorengelder fallen weg, teilweise wurden Mitgliedsbeiträge zurückverlangt. Und durch die Schließung der Vereinsheime wegen der Pandemie bleiben Pachtzahlungen aus. Für den Kulturbereich mit seiner ohnehin oft prekären finanziellen Situation gilt im Prinzip das Gleiche: Keine Aufführungen, kein Publikum, keine Einnahmen bei weiter laufenden Kosten.

Angekündigte Lockerungen ab Juni nur ein kleiner Hoffnungsschimmer

Jüngst vom Land beschlossene Lockerungen machen zwar Hoffnung, doch viele Vereine und Kulturbetriebe werden wohl noch länger auf Zuschüsse angewiesen sein. Dessen sind sich auch die zuständigen Bürgermeister und die Fraktionen bewusst: „Von einem Normalbetrieb sind wir weit entfernt“, so Sportbürgermeister Martin Schairer (CDU). Und der für den Kultursektor zuständige Bürgermeister Mayer erklärte, für die von der Coronakrise besonders betroffenen Kultureinrichtungen seien die angekündigten Lockerungen nicht mehr als „ein kleiner Hoffnungsschimmer“. Dies, zumal mit dem langsamen und unter strengen Hygienebedingungen wieder anlaufenden Trainings,- Spiel- und Aufführungsbetrieb zwar Kosten, aber keine kostendeckenden Einnahmen verbunden sein werden.

Dass die öffentliche Hand spätestens nach der Sommerpause wohl nochmals finanziell nachlegen muss, ist wohl auch den Stadträten bewusst. Der Grüne Florian Pitschel sagte, auch nach Wiederaufnahme des Trainings und möglicher Geisterspiele sei im Sport kein kostendeckender Betrieb denkbar. Jürgen Sauer (CDU) appellierte an Bund und Land, weitere Hilfsprogramme aufzulegen, und der Pirat Stefan Urbat vom Linksbündnis betonte, man müsse die Lage im Auge behalten. Dejan Perc (SPD) befürchtet angesichts der Situation ein „Kultursterben“ im Herbst, und Sibel Yüksel (FDP) appellierte an die Solidarität von Vereinsmitgliedern und Besuchern in der Krise.

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