Mehr als die Hälfte der Menschen ist in Israel schon zwei Mal geimpft – zuletzt ist die Impfkampagne aber ins Stocken geraten. Foto: imago/ZUMA Wire/Nir Alon

Das Land galt lange als Impfvorbild, nun gehen die Infektionszahlen wieder nach oben. Nun wurde die Maskenpflicht wieder eingeführt und Quarantäne-Regeln könnten auch für Geimpfte eingeführt werden.

Tel Aviv - Eine kurze Weile schien die Covid-19-Pandemie in Israel wie ein Ding der Vergangenheit. Mit dem Maskenzwang in Innenräumen fiel vergangene Woche eine der letzten Einschränkungen zum Schutz vor dem Virus weg, wie zu Prä-Covid-Zeiten drängten sich die Menschen wieder maskenlos in überfüllten Bussen aneinander. Doch die allgemeine Sorglosigkeit währte nur kurz: Vergangenen Samstag meldete das Gesundheitsministerium einen neuen Ausbruch des Virus in einer Schule in Binyamina, einer Kleinstadt nördlich von Tel Aviv. Mindestens 45 Schüler wurden positiv auf Covid-19 getestet. Seitdem wurden Neuinfektionen an weiteren Schulen bekannt.

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Die neuen Covid-19-Ausbrüche haben in Israel eine Diskussion über Maskenzwang, Quarantäne und andere Maßnahmen wiederaufleben lassen, die zuletzt aus der Öffentlichkeit verschwunden war – viele hatten gehofft, für immer. Dank seiner beispiellos effektiven Impfkampagne hatte Israel schon im Frühjahr etliche Beschränkungen aufgehoben. Konzerte und Hochzeiten finden seit Monaten wieder statt, ab Anfang Juli sollen Touristen ohne Probleme einreisen können, sofern sie gegen das Virus geimpft sind. Doch die Kurve der Infektionen geht nach oben.

Viele Neuinfektionen brachten Maskenpflicht zurück

Seit Montag hatten die Gesundheitsbehörden täglich mehr als hundert Corona-Neuinfektionen registriert. Am Donnerstag waren es sogar 227 neue Fälle. Als Reaktion wurde am Freitag die allgemeine Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen wieder eingeführt, wie das israelische Gesundheitsministerium erklärte. Es empfiehlt das Maskentragen nun außerdem bei großen Menschenansammlungen im Freien wie der Pride-Parade am Freitag in Tel Aviv, zu der Zehntausende Menschen erwartet wurden.

Die meisten Neuinfektionen stehen nach offiziellen Angaben in Verbindung mit der Delta-Variante des Virus. Diese gilt als besonders ansteckend und wurde zuerst in Indien nachgewiesen. Unter den Neuinfizierten in Israel sind viele jüngere Menschen und viele geimpfte Personen.

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Als weitere Maßnahme sollen auch Geimpfte oder Genesene künftig in Quarantäne geschickt werden, falls sie Kontakt mit einer Person hatten, die sich mit einer „gefährlichen Variante“ des Coronavirus infiziert hat. Dies gilt auch für Kontakte mit Infizierten in Flugzeugen. Bislang sind Geimpfte und Genesene von der Quarantänepflicht befreit.

Am Flughafen werden Quarantäneregeln nicht kontrolliert

Ein Schwachpunkt in der Pandemiebekämpfung in Israel scheint der internationale Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv zu sein. Offiziell sollen sich dort alle Einreisenden auf Corona testen lassen. Berichten zufolge wirkt die zuständige Firma mit der Aufgabe jedoch überfordert: Tausende sollen am Freitag vergangener Woche ohne Test nach Hause geschickt worden sein. Ministerpräsident Naftali Bennett hatte daraufhin angeordnet, 250 zusätzliche Polizeibeamte dafür einzusetzen, die Quarantäne Wiedereinreisender aus Ländern mit hohen Infektionsraten zu kontrollieren.

Im Neun-Millionen-Einwohner-Land Israel haben mehr als 5,5 Millionen Menschen bereits eine erste Corona-Impfung erhalten, rund 5,2 Millionen Menschen auch die zweite Dosis. Die Impfkampagne war besonders zu Beginn sehr erfolgreich. Zuletzt stagnierten die Impfzahlen allerdings.

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