Katerstimmung macht sich unter Kölner Karnevalisten schon jetzt breit. Corona hindert sie am Feiern. Foto: Imago/Theissen

Kein Schunkeln, kein Tanzen, keine Musik – die Stadt Köln stellt sich wegen Corona auf einen tristen Auftakt zum Karneval am 11. November ein. So reagieren Karnevalsgesellschaften und Gastronomen auf den Teil-Lockdown.

Köln - Wenn Robert Hilbers an den Elften im Elften denkt, muss er unweigerlich grinsen. Seit 30 Jahren betreibt er das Chlodwig-Eck in der Kölner Südstadt, schon die Rockband BAP hat dort ihr Kölsch getrunken. Das Eck ist eine Institution – besonders an Karneval, der im Rheinland traditionell am 11. November eröffnet wird. Hilbers’ Gäste bevölkern dann die gesamte Kreuzung, liegen sich in den Armen und lassen die Kassen klingeln: Bis zu 1000 Liter Bier zapft Hilbers laut eigenen Angaben am 11. November. Normalerweise. Nur ist dieser Corona-Winter alles andere als normal: Mit dem rheinischen Karneval hat das Virus eine weitere Tradition vernichtet – ersatzlos gestrichen, lautet die Parole angesichts der zweiten Welle.

„Ganz schön gruselig“ sei das alles, sagt Robert Hilbers. Am 11.11. bleibt seine Kneipe dicht, das hat er schon lange vor dem Teil-Lockdown entschieden. Widerspiegeln dürfte sich diese Entscheidung vor allem am Umsatz. „Ich zapfe aktuell mein finanzielles Polster an, um den Laden am Laufen zu halten“, berichtet Hilbers.

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So manche Kneipe erwirtschafte an Karneval gar ihre gesamte Jahresmiete, sagt Daniel Rabe. Der Restaurantbetreiber weiß, wovon er spricht: Vergangenes Jahr gründete er mit anderen Mitstreitern die Interessengemeinschaft Gastro, die heute rund 300 kölsche Lokale vertritt – nicht wenige von ihnen bangen um ihre wirtschaftliche Existenz.

Private Partys könnten die Infektionen nach oben treiben

An Karnevalspartys habe in diesem Herbst trotzdem kaum einer gedacht, heißt es bei den Gastronomen. Bereits vor dem Lockdown hätten viele Gaststätten beschlossen, am 11. November erst gar nicht zu öffnen.

Die Kneipen bleiben also geschlossen, sämtliche Großveranstaltungen sind abgesagt – doch eine Gefahr bleibt: Private Karnevalspartys könnten die Infektionszahlen nach oben treiben. „Wenn nur ein Zehntel derer, die am 11.11. sonst auf den Kölner Straßen feiern, jetzt private Partys veranstalten, wird das ein Desaster“, fürchtet Daniel Rabe.

Bei der Stadt Köln scheint man das ähnlich zu sehen und hat deshalb reagiert: „Diesmal nicht“ lautet das Motto einer städtischen Plakatkampagne, die den Kölnern seit Wochen einbläuen soll, bloß keine Privatfeiern zu veranstalten. Auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) wählte zuletzt deutliche Worte. „Der 11.11. ist in diesem Jahr ein ganz normaler Tag im Kalender“, verkündete sie bei einer Pressekonferenz Ende Oktober.

Am Tanzbrunnen ist die Feierlaune verflogen

Was das für Vollblutkarnevalisten bedeutet, lässt sich bei einem Ortstermin auf der Freilichtbühne am Tanzbrunnen erfahren. Dort, auf der rechten Rheinseite, steigt sonst eine von zwei großen Eröffnungspartys: 11 111 Jecken stehen dann dicht an dicht gedrängt vor der Bühne, schunkeln und johlen Karnevalsklassiker. „Kölscher Countdown“ nennt sich das Konzert, als Veranstalter fungiert die Große Karnevalsgesellschaft (KG) von 1823.

Lange hatten die Verantwortlichen auf eine Corona-konforme Umsetzung gehofft, an Hygienekonzepten getüftelt und zaghaft den Vorverkauf gestartet: 2000 weit auseinandergestellte Sitzplätze waren geplant. Doch seit Anfang Oktober sind selbst die dahin. „Nachdem nur noch 1000 Zuschauer erlaubt gewesen wären, haben wir die Reißleine gezogen“, sagt Bernd Cordsen, Senatspräsident der Großen KG von 1823. Die Absage kam gerade rechtzeitig: Wenige Wochen später verbot die Bundesregierung sämtliche Großveranstaltungen im November.

Am Tanzbrunnen, der nun einsam vor sich hin plätschert, ist die Feierlaune längst verflogen. „Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sich der 11.11. dieses Jahr anfühlen wird“, sagt Cordsen mit versteinerter Miene. „Das erste Karnevalslied ganz allein im Radio dudeln zu hören, das wird ziemlich traurig.“

Wird es einen Karneval light geben?

Die Hoffnung des Vorstands ruht nun auf einer karnevalistischen Lightversion im Februar. „Wir arbeiten an kleineren Formaten, die trotz Corona klappen könnten“, so Jens Riebenstahl, Pressesprecher der Großen KG von 1823. Kleine Kneipen oder größere Hallen sollen helfen, außerdem erwartet die Gäste wohl ein Corona-Schnelltest am Einlass. Details möchte der Sprecher nicht verraten, schließlich seien die Pläne angesichts der hohen Infektionszahlen unsicher.

„Ich rechne damit, dass auch der Straßenkarneval rund um den Rosenmontag ausfällt“, sagt indes Robert Hilbers. Der Wirt des Chlodwig-Ecks schielt eher auf den kommenden Herbst. „Am 11.11.21 gibt es mein Eck jedenfalls noch. Erst wenn der Karneval dann wieder ausfällt, habe ich ein Problem.“

Aber so weit will in der Stadt des Karnevals nun wirklich keiner denken.

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