Foto: imago/Jan Hübner

Profis wie Hoffenheims Andrej Kramaric haben sich bei Reisen mit ihren Nationalmannschaften infiziert. Das stößt ihren Arbeitgebern bitter auf. Die Clubs erwarten nun klare Regeln für die Länderspiele.

Stuttgart - Als Fußballspieler hat Alexander Rosen einst im kleineren Format seine Akzente gesetzt. Das war, als der heute 41-Jährige etwa in Elversberg, Saarbrücken, in Norwegen und in den Jahren 2008 sowie 2009 auch im defensiven Mittelfeld der Stuttgarter Kickers auflief.

Auf Funktionärsebene allerdings hat Rosen über die Jahre definitiv an Statur gewonnen. Als Sportchef der TSG Hoffenheim musste der gebürtige Augsburger zunächst diverse Attacken parieren. Etwa jene, als ihm im Juli 2017 der aktuelle Bayern-Cheftrainer Hansi Flick vor die Nase gesetzt wurde – ehe der nach acht Monaten wieder ging. Es besteht also kein Zweifel: Alexander Rosen darf sich zu den Etablierten im Bundesliga-Gewerbe zählen. Am Samstag, nach dem 0:1 der TSG gegen Dortmund, hat Rosen nun sein ganzes Gewicht in die Waagschale geworfen.

Andrej Kramaric kehrt infiziert zurück

„Boykott ist ein großes Wort. Aber es ist Zeit, darüber nachzudenken. Zur Not müssen wir intensiver überlegen, die Jungs nicht gehen zu lassen“, schimpfte Sportchef Rosen also in die Kamera des TV-Senders Sky. Auslöser seines erhitzten Gemüts war letztlich der Umstand, dass drei Hoffenheimer Akteure, neben dem Tschechen Pavel Kaderabek allen voran der kroatische Nationalspieler und Topstürmer Andrej Kramaric, mit einer Corona-Infektion von ihrer Länderspielreise zurückgekehrt waren.

Für die Bundesligisten ist dies ein wachsendes Dilemma: „Die Clubs bezahlen die Spieler und arbeiten mit allem daran, dass die Abläufe ordnungsgemäß stimmen. Und dann hat man das Gefühl, dass es den übergeordneten Verbänden einfach egal ist – Hauptsache durchgedrückt“, erklärte Rosen weiter. „So wie es gelaufen ist, geht es definitiv nicht. Es ist einfach unverantwortlich.“

Tatsache allerdings ist, dass für die Vereine auch in Corona-Zeiten eine Abstellungspflicht besteht. Trotz des schwer zu leugnenden Umstands, dass europa- oder gar weltweite Reisen in Pandemiezeiten auch für austrainierte Profifußballer mit erheblichen Risiken verbunden sind.

Leipzigs Krösche fordert klare Regeln

„Es muss von der Fifa eine klare Richtlinie geben, wie das mit der Abstellung geht, speziell in Risikogebiete“, sagte der Leipziger Sportdirektor Markus Krösche – und sprang damit Rosen zur Seite. RB hatte mit dem Mittelfeldspieler Amadou Haidara auch einen Corona-bedingten Ausfall zu beklagen. Der Nationalspieler Malis war zum Länderspiel gegen Ghana (3:0) in den türkischen Badeort Side gereist. Nun fordern auch die Sachsen mit Blick auf die nächste Länderspielpause Mitte November klare Regeln. „Das ist keine Sache der Spieler“, ergänzte Krösche.

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Entspannter sieht man die Situation derweil beim VfB Stuttgart – trotz der Abstellung von sieben Profis zu ihren A- oder U-21-Nationalteams, darunter die Stammspieler Sasa Kalajdzic, Gregor Kobel, Wataru Endo und Orel Mangala. „Das System mit den Tests funktioniert ja. Corona begleitet uns als Gesellschaft. Deshalb kann man nicht sagen, die Spieler sollen dies und das nicht mehr machen“, sagte der VfB-Sportdirektor Sven Mislintat, der seinerseits von vornherein den möglichen Ausfall von Spielern durch eine Infektion mit eingeplant hat.

„Wenn ein Spieler von uns von der Nationalmannschaft zurückkommen sollte und er ist positiv – seien wir mal ehrlich: Das kann auch passieren, wenn er auf dem Schlossplatz ein Eis isst. Wir können die Jungs nicht einsperren“, sagte Mislintat.

Sorge vor einem zweiten Lockdown wächst

Angesichts steigender Infektionszahlen in Deutschland wächst allerdings auch im Profifußball die Sorge, es könne bedingt durch eine zweite Welle samt Lockdown zu einem erneuten Stopp des Spielbetriebs kommen. Noch hält die Blase, in der sich die Clubs mittels ihres selbst auferlegten Hygienekonzepts größtenteils bewegen. Was aber, wenn sie platzt?

„Die Saison steht auf tönernen Füßen“, sagte etwa Karlheinz Rummenigge, der Vorstandschef des FC Bayern. „Sollte es noch einmal eine große Unterbrechung geben, dann könnten bei manch einem Club die Lichter ausgehen“, ergänzte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der in der laufenden Saison mit einem Minus von rund 75 Millionen Euro rechnet.

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