Der Campingplatz auf dem Cannstatter Wasen ist geschlossen. Foto: /Edgar Rehberger

Der Campingplatz auf dem Cannstatter Wasen hat ein schweres Jahr hinter sich. Frequenzbringer wie Frühlings-, Volksfest und Weihnachtsmarkt fielen aus. Auch Touristen blieben aus.

Bad Cannstatt - Jürgen Kaufmann fühlt sich derzeit wie „Kevin – allein zu Haus“. Denn der Geschäftsführer und Betreiber der Neckarparking GmbH ist allein auf dem Campingplatz am Cannstatter Wasen. „Es sind keine Gäste und auch keine Mitarbeiter hier.“ Offiziell ist der Campingplatz geschlossen. „Monteure dürfen wir aber aufnehmen.“ Doch auch da ist Ebbe. „Einer wollte am Sonntag kommen, doch die Firma hat noch zu.“ Ein weiterer hatte sich für den Nachmittag angesagt. Ob er auch auftaucht? „Ich glaube es erst, wenn er das ist.“

Kundenmagnete fielen weg

Der Campingplatz hat ein schweres Jahr hinter sich. Der 17 000 Quadratmeter große Platz ist das ganze Jahr über Anlaufstelle, profitiert von den zahlreichen Veranstaltungen und Anziehungspunkten in der Landeshauptstadt. Frühlingsfest, Volksfest, Open-Air-Veranstaltungen in der Mercedes-Benz-Arena und auf dem Wasen, die zahlreichen Feste in der Innenstadt, das Mercedes-Museum in unmittelbarer Nähe – diese Kundenmagnete fielen 2020 weg. Zu Frühlings-, Volksfest und Weihnachtsmarkt ist der Platz voll – von Beschickern, Beschäftigten und Besuchern. „Selbst im Dezember sind wir immer gut belegt. Neben den Beschickern des Weihnachtsmarktes haben wir Gäste aus der Schweiz, Österreich und Italien.“

Mit der Absage des Stuttgarter Frühlingsfestes nahmen auch die Stornierungen ihren Lauf und rissen nicht ab. „Im Sommer hatten wir etwas Publikum“, blickt Kaufmann zurück. Überwiegend waren es Gäste für den Zeltplatz, der 50 Zelten Platz bietet. Zwei bis drei Mal so viel Gäste wie sonst, wurden registriert. 80 Prozent davon kamen mit dem Rad, blieben eine Nacht und setzten ihre Tour dann fort. Der Campingplatz liegt dafür ideal – direkt am Neckartalradweg. Die 150 Stellplätze für Wohnwägen und Wohnmobile hingegen blieben im Vorjahr oft verwaist. „Die Touristen aus Österreich und der Schweiz fehlten ebenso wie die Gäste aus Skandinavien, die auf dem Weg in den Süden auf dem Cannstatter Wasen Station machen.“

Derzeit geschlossen

Seit Mitte Dezember ist es komplett ruhig auf dem Campingplatz, der als Attraktion Übernachtungen in einem von fünf Campingfässern anbietet. Jedes bietet Platz für zwei Personen, ist vier Meter lang und hat einen Durchmesser von 2,20 Meter. Im Fass befindet sich ein Familienbett, ein Tisch zum Herausziehen und zwei Sitzbänke. Die Fässer seien sonst sehr begehrt. Doch Corona hat etwas dagegen.

Auch die weiteren Dienstleistungen, die Kaufmann anbietet, sind von der Pandemie betroffen. Die Neckarparking GmbH bietet Toiletten bei Frühlings-, Volksfest und Weihnachtsmarkt sowie die Müllentsorgung auf dem Wasen. Auch Einnahmen aus den Parkgebühren fielen weitgehend weg. Beim Kulturwasen konnte etwas abgefangen werden. Ansonsten gab es null Einkommen. Für die Festangestellten bedeutet dies Kurzarbeit, die Saisonkräfte gehen leer aus. „Das tut schon weh“, sagt Kaufmann. Zum Volksfest sind 130 Mitarbeiter beschäftigt.

Beschäftigte in Kurzarbeit

Finanzielle Unterstützung hat Kaufmann zwar beantragt, aber bislang noch keine Bestätigung bekommen. Denn die Betriebskosten fallen nach wie vor an. Duschen und Toiletten müssen in Betrieb gehalten und bei Minusgraden vor dem Einfrieren bewahrt werden. „Wir haben in den letzten Jahren relativ gut gewirtschaftet“, sagt Kaufmann. Eine Weile könne er also noch durchhalten. Unterdessen wartet er weiter auf den angekündigten Monteur. Der muss keinen Coronatest vorlegen. „Der ist ja weit und breit allein.“