Seit 1988 bildete das Cannstatter Oberamt auf dem Volksfest eine Oase der Ruhe. Foto: /Edgar Rehberger

Weinvogt Andreas Zaiß beendet das Engagement auf dem Wasen und baut das Cannstatter Oberamt beim Volksfest nicht mehr auf. Seit 1988 hat das historische Weinzelt die Cannstatt-Fahne hochgehalten.

Bad Cannstatt - Er hat es sich nicht leicht gemacht, schließlich geht es um eine traditionsreiche Einrichtung. Festwirt und Wengerter Andreas Zaiß gibt das Cannstatter Oberamt auf dem Volksfest auf. Nach 32 Jahren kehrt die Familie Zaiß dem Cannstatter Wasen den Rücken.

Die Entscheidung fiel nicht von heute auf morgen. „Ich habe schon längere Zeit darüber nachgedacht“, erläutert Andreas Zaiß. Nun hätte die Absage des Volksfestes aufgrund der Corona-Pandemie seine Entscheidung beschleunigt. „Die Auflagen nahmen in den vergangenen Jahren ständig zu, der Aufwand und auch die Sorge vor einem Terrorangriff wurden immer größer. Da überlegt man sich schon, ob sich die Investitionen überhaupt noch lohnen“, begründet Zaiß. Sein Weinzelt zählte zu den ältesten Institutionen auf dem Wasen.

Mehrere Interessenten

Der Volksfest-Veranstalter, die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, ist bereits informiert. „Es ist schon schade“, sagt Marcus Christen, der für die Wasenveranstaltungen zuständige Abteilungsleiter. „Teile des Wasenpublikums haben im Oberamt eine Heimat gefunden.“ Und man habe ja ein historisches Weinzelt bewusst gewollt. „Das war vom ersten Tag an gelungen.“ Auch Festwirte-Sprecher Werner Klauss bedauert das Aus des Kollegen. „Es ist immer schade, wenn ein langjähriger, traditionsreicher Wirt wegbricht. Er wird seine Gründe gehabt haben.“

Wie geht es auf dem Cannstatter Volksfest weiter? „Es gibt mehrere Interessenten für einen Standplatz“, so Christen. Bewerbungsschluss für das Volksfest 2021 ist im Oktober diesen Jahres. „Wir hoffen, dass wir wieder ein, wie auch immer geartetes, historisches Weinzelt bekommen.“

Oase der Ruhe

Das einzige Weinzelt bildete im Vergleich zum Trubel auf dem Festplatz eine Oase der Ruhe, Geselligkeit und Gemütlichkeit wurden großgeschrieben, was nicht hieß, dass die Stimmung außen vor blieb. Das Oberamt hielt seit 1988 die Cannstatt-Fahne und die Wappen der Oberamtsbezirke hoch. Vor 32 Jahren eröffneten die Brüder Dieter und Werner Zaiß die übergroße Weinlaube. Verwendet wurde beim Bau das 500 Jahre alte Holz des Oberamtes. Die Balken hat sich die Familie gesichert, als das Gebäude auf dem Cannstatter Marktplatz abgerissen wurde und dem dem Verwaltungsgebäude Platz machte. Nach dem Tod von Dieter Zaiß, dem singenden Weinvogt, im Jahr 2010, führte die Familie das Oberamt weiter, später übernahm Andreas Zaiß, der in den vergangenen Jahren im Oberamt Veränderungen durchführte, das marode Holz austauschte, die Bühne zentralisierte und mehr Platz schuf.

Neubeginn mit „Weindorf@Zaißerei“

Die die Entscheidung gegen den Wasen sei ein Neubeginn. „Ein Sommer ohne Weindorf geht gar nicht“, sagt der Wirt, und nennt seine Idee „Weindorf@Zaißerei“, die von Donnerstag, 20. August, an im Hof seines Weinguts in Münster verwirklicht wird. „Wir stellen drei Weinlauben mit insgesamt 300 Sitzplätzen auf.“ Weil die jeweils 25 Quadratmeter großen Lauben auf einer Seite offen sind, handelt es sich um eine Freiluftveranstaltung.

Anzahl der Gäste kontrolliert

Kontrolliert wird die Anzahl der Gäste am Eingang, pro Sitzreihe dürfen 20 Personen aus mehreren Haushalten sitzen, zwischen den Sitzreihen ist 1,50 Meter Abstand, eine vorherige Reservierung ist nicht nötig, bei größeren Gruppen aber sinnvoll. „Wir setzen alle Vorgaben des Amtes für öffentliche Ordnung um.“ Dazu gehört auch: Es wird keine Musik gespielt, um niemanden zum Singen zu animieren, es gibt keine Selbstbedienung. Auf eine Wein- und Sektbar verzichtet Zaiß ebenfalls.

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