Immer mehr Wahlberechtigte wollen den Stimmzettel lieber daheim ausfüllen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Die Wählerinnen und Wähler in Stuttgart setzen immer mehr darauf, die Kreuzchen auf dem Stimmzettel daheim zu machen. Anderthalb Wochen vor dem Wahltag sind es schon fast 50 000 Personen mehr als vor vier Jahren am Wahlsonntag.

Stuttgart - Der Trend zur Briefwahl setzt sich fort. Bis Dienstagnachmittag um 15 Uhr haben von den rund 370 000 Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl in Stuttgart bereits rund 160 000 Briefwahlunterlagen beantragt. Das sagte ein Sprecher des Statistischen Amts der Stadt Stuttgart unserer Zeitung. Man nehme an, dass bis zum Wahltag am 26. September insgesamt gut 165 000, möglicherweise aber auch rund 170 000 Anträge eingehen.

Gegenüber der Bundestagswahl 2017 wären das dann fast 60 000 Anträge mehr, denn im September vor vier Jahren hatten insgesamt 111 159 Personen die Briefwahl beantragt. Diese Zahl war diesmal schon knapp drei Wochen nach dem Versand der Wahlbenachrichtigungsbriefe erreicht. Es werden auch mehr Briefwähler sein als bei der Landtagswahl im März 2021, die wie zuvor die OB-Wahl im November unter den Bedingungen der Coronapandemie stattgefunden hat und bei denen es schon deswegen einen zusätzlichen Schub bei den Briefwahlanträgen gegeben hat. Bei Bundestagswahlen ist in Stuttgart aber auch die Wahlbeteiligung insgesamt höher als bei Landtagswahlen.

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170 000 Anträge auf Briefwahlunterlagen würden bedeuten, dass etwa 45 Prozent aller rund 370 000 Wahlberechtigten in Stuttgart ihre Stimme nicht in einem der Wahllokale abgeben möchten. Wenn man einmal damit rechnet, dass insgesamt rund 300 000 Menschen wählen, könnte es am Ende auf eine Briefwahlquote von über 56 Prozent hinauslaufen. Bei der Bundestagswahl 2017 hatten 29,5 Prozent der Wahlberechtigten Briefwahl beantragt und mit 104 619 Personen damals 27,8 der Wähler die Briefwahl wirklich genutzt.

Coronapandemie verstärkt den Trend

Den Trend zur Briefwahl gibt es seit vielen Jahren. Durch die Coronapandemie hat es aber innerhalb dieses Trends noch einen sprunghaften Anstieg gegeben. Offenbar empfinden die Wähler das Kreuzemachen daheim als komfortabler und sicherer.

Die Entwicklung hat im Wahlamt der Stadt bereits organisatorische Änderungen ausgelöst. Die Zahl der Wahlbezirke mit Urnenwahl und der Briefwahlbezirke ist inzwischen auch im Verhältnis 50:50, wie es in etwa bei den Wählern der Fall ist.

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