Die von der Stadt bereits abgelehnte Neckarwelle taucht im aktuellen Bürgerhaushalt wieder auf. Foto: Neckarwelle e.V.

Vor allem die Verkehrssituation und die Attraktivität des Stadtbezirks beschäftigen die Bewohner. Es gibt viele Vorschläge, wo die Stadt Steuergeld investieren sollte.

Untertürkheim - Der Bürgerhaushalt ist erfolgreich gestartet. Rund 2850 Vorschläge haben die StuttgarterInnen in der Vorschlagsphase eingereicht. Nach der Zusammenfassung gleicher oder ähnlicher Ideen bleiben noch 2154 Vorschläge übrig, die bis zum 24. März kommentiert und bewertet werden können. Der Stadtbezirk Untertürkheim ist mit zahlreichen Anregungen vertreten. Wir haben eine kleine Auswahl zusammengestellt.

Die Neckarwelle ist tot – es lebe die Neckarwelle: Obwohl die Stadt Stuttgart vor zwei Jahren die Pläne für eine künstlich erzeugte Surfwelle am Untertürkheimer Kraftwerkskanal mit Verweis auf die schlechte Wasserqualität des Flusses und eine daraus resultierende Gesundheitsgefährdung vom Tisch gewischt hatte, taucht der Top-1-Vorschlag des vergangenen Bürgerhaushaltes in der aktuellen Auflage wieder auf. Von „Jhguijn“ kommt die Anregung, das ambitionierte Vorhaben erneut zu prüfen. Ähnliche Vorschläge haben auch „marcm“ und „Jochen_P“ eingebracht. Für Letzteren ist das Projekt, das bereits im Jahr 2015 ins Leben gerufen wurde, „heute aktueller denn je“: Es werde dem Motto für das Untertürkheimer Quartier der internationalen Bauausstellung im Jahr 2027 mehr als gerecht. Der Vorschlag, eine Surfwelle am Neckar zu schaffen, stößt jedoch wegen der hohen Investitionskosten nicht auf uneingeschränkte Zustimmung, wie die ersten Kommentare zeigen.

Verkehrschaos in Rotenberg

Umstritten ist auch eine andere kühne Idee: „Funivia“ schlägt eine Seilbahn nach Rotenberg vor. Denn der kleine Ort, der durch die Grabkapelle und das Naherholungsgebiet Egelseer Heide viele Ausflügler anlockt, ersticke im Verkehr. „Durch das Verkehrsentwicklungskonzept ist kaum eine Entlastung bemerkbar. Eine Seilbahn ab Untertürkheim auf den Rotenberg kann an dieser Stelle sowohl eine touristische Attraktion sein, als auch eine Entzerrung des Verkehrschaos bewirken.“ Die angespannte Situation beschäftigt einige BürgerInnen: Auch „Rotenberger78“ ärgert sich darüber, dass am Wochenende regelmäßig sämtliche Zufahrtsstraßen zugeparkt seien und der Durchgangsverkehr völlig zum Erliegen komme. Er fordert daher eine „Anliege r frei“- Regelung mit regelmäßigen Kontrollen durch die Ordnungsbehörden und sofort verhängten Bußgeldern. „Die daraus gewonnenen zusätzlichen Einnahmen könnten unter anderem in fehlende Kotbeutel-Spender und Mülleimer investiert werden.“ Fest installierte Bodenschwellen an neuralgischen Punkten im Ort kön nten seiner Meinung nach „wirkungsvoll verhindern, dass hier erst jemand ernsthaft zu Schaden kommen muss, bevo r etwas unternommen wird“. Auch „Jacy“ fordert ein nachhaltiges Verkehrskonzept. Dazu beitragen könnte der Wunsch von „aederson“, Rotenberg ins Car2Go-Geschäftsgebiet aufnehmen und den Bau einer öffentlichen Ladestation voranzutreiben. Eine bessere Kennzeichnung der 30er-Zone im gesamten Ort sowie eine temporäre oder dauerhafte Geschwindigkeitsüberwachung regt er ebenfalls an. Ein weiterer Wunsch kommt von „Wiesengrab“: Durch die vielen Besucher auf der Egelseer Heide seien dort dringend dauerhafte Toiletten erforderlich.

Kultur erhalten, Leerstand beenden

Deutlich formulieren die Untertürheimer BürgerInnen den Wunsch, den Neckarbereich im Lindenschulviertel endlich aufzuwerten. Die Umgestaltung zur Uferpromenade mit mehr Sitzgelegenheiten und einem Ponton, wie es „Christine Neuberger“ im Bürgerhaushalt anregt, ist zwar längst beschlossene Sache, die Stadt verschiebt die Umsetzung der Pläne jedoch von Jahr zu Jahr. Zur weiteren Belebung des Bereichs an der Anlegestelle des Neckarkäptens schlägt „skrass“ eine Sommerbewirtschaftung vor, denkbar wären zum Beispiel Food Trucks.

Positiv wird der Vorschlag von „kub50“ aufgenommen, der Kultur im Julius-Lusser-Haus in der Strümpfelbacher Straße 38 weiterhin eine Heimat zu geben. „Nach der dringend notwendigen Sanierung der städtischen Liegenschaft wird nun möglicherweise die Umgestaltung in ein Bürgerhaus diskutiert. In diesem Zusammenhang ist es für den Erhalt des Kulturhausvereins dringend geboten, dass der Veranstaltungsraum für die ausschließliche und kostenfreie Nutzung erhalten bleibt“, fordert er. „Vilmar“ möchte, dass eine Lärmschutzwand zwischen dem Teiler B10/B14 und dem Kappelbergtunnel gebaut wird, weil der Lärm durch die Bundesstraße für die Luginsländer „eine Zumutung“ sei. Dieser Vorschlag sei schon öfter gemacht worden „und sollte von Seiten der Stadt endlich wahrgenommen werden“. Sie solle auch Initiative bei einen anderen Vorhaben zeigen, fordert „Jochen_P“. Die Stadt solle das an exponierter Stelle am Eingang zur Widdersteinstraße stehende Spingler-Gebäude erwerben, um den jahrelangen Leerstand zu beenden und „einen für das Stadtbild wichtigen Impuls zu setzen“.

Mit kleinen Dingen Großes bewirken

Es sind aber nicht immer große Veränderungen, die sich die BürgerInnen wünschen. Viele ihrer Ideen sind weder aufwendig, noch teuer. So regt „Stuttgartkind2021“ an, mehr Tischtennisplatten im Stadtbezirk aufzustellen, zum Beispiel am Spielplatz Oberstdorfer Straße. „L_varn01“ fordert Pflege, Instandsetzung und Ausbau der Spielplätze in Bahnhofsnähe. „Mama76“ wünsch sich, dass im Inselbad Raucherinseln geschaffen werden, damit nicht überall Kippen herumliegen. Und „Stutengarten“ schlägt vor, Tempo 40 in Luginsland einzuführen.

Unter www.buergerhaushalt/stuttgart.de kann man online über alle eingereichten Vorschläge abstimmen. Dafür ist nur eine kurze Registrierung nötig.

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