Viele Bürgerwünsche beschäftigen sich mit dem Neckarufer.Die Zukunft des Kaufhof-Gebäudes ist ein zentrales Thema im Bürgerhaushalt.Die alte Eisenbahnbrücke soll erhalten werden. Foto:  

Beim Thema Bürgerhaushalt gingen für Bad Cannstatt unterschiedliche Vorschläge ein. Viele davon befassen sich mit dem Kaufhof-Areal und dem Thema Radverkehr. Bewertet werden kann noch bis 24. März.

Bad Cannstatt - Wer auf der Homepage der Stadt Stuttgart „Bürgerhaushalt 2021“ eingibt und weiter unter dem Stichwort „Vorschläge“ nach Bad Cannstatt sucht, der wird mit 109 Treffern belohnt. Gerade einmal 0,005 Sekunden hat die Suchmaschine benötigt, um die Wünsche, Ideen oder Forderungen, die Stuttgarts größten Stadtbezirk betreffen, aus den insgesamt 2154 Vorschlägen herauszufiltern. Neben den Klassikern wie etwa Sanierung der Marktstraße, Verkehrsberuhigung in der Seelbergstraße, Ausbau des Radwegenetzes oder Verkehrsberuhigung der Altstadt, finden sich auch kuriose und außergewöhnliche Vorschläge. So plädiert etwa der „Cannstattverbieter“ stark dafür, dass der Stadtteil Bad Cannstatt zur ursprünglichen Bezeichnung Cannstatt zurückkehrt. Grund ist, dass die Umbenennung von Cannstatt in Bad Cannstatt unter dem Nationalsozialismus stattfand. Außerdem liegt „Cannstatt“ besser auf der Zunge. Und im englischsprachigen Ausland denken alle, dass der Stadtteil böse oder schlecht sei (das Wort „Bad“ bedeutet im Englischen „schlecht, böse“).

Interessant ist auch die Idee von „Kragenweite“, der sich ein Open-Air-Klassenzimmer im Kurpark sehr gut vorstellen könnte. „Es ist praktisch für Pandemiebedingungen und kann von Jahn-Realschule, Brunnen-Realschule und Kepler-Gymnasium genutzt werden.“

Fahrradparkhaus gewünscht

Viele Vorschläge betrafen – wie bei jedem Bürgerhaushalt – das Thema Radverkehr. „MM2013“ wünscht sich dabei für die Vielzahl von Pendlern ein Fahrradparkhaus an der Nordseite des Cannstatter Bahnhofs. Eine Lösung, die bereits in der Nachbarstadt Fellbach realisiert wurde. Und angesichts der wild abgestellten Räder auf dem Bahnhofsvorplatz wurde das Thema auch bereits im Bezirksbeirat diskutiert. Durchaus sinnvoll erscheint auch der Vorschlag von Klaus Bernhard für einen Radweg zwischen Bahnhof und Pragstraße: „Bisher gibt es keine Fahrradverbindung – Radfahrer sind gezwungen, ihr Fahrrad über die Bahnhofstraße, Wilhelmsplatz und Marktstraße bis zur Wilhelmsbrücke zu schieben.“ Mehr Sicherheit durch Lampen, dafür plädiert „Michl171“ und wünscht sich einen beleuchteten Radweg beim Stadtstrand.

Kaufhof-Gebäude abreißen

Auch das Kaufhof-Aus im vergangenen Jahr treibt die Cannstatter Bevölkerung offenbar um. Denn viele Teilnehmer im Bürgerhaushalt 2021 machen sich Gedanken, was mit dem riesigen Gebäude-Komplex am Wilhelmsplatz einmal geschehen soll. „Kragenweite“ macht hierbei jedoch nicht viel Federlesen: „Bad Cannstatt ist ein sehr guter Stadtbezirk. Sein Potenzial wird er nur entfalten, wenn er sich von der Vergangenheit löst. Kaufhof ist passé. Das Gebäude ist hässlich. Es kann nur besser werden: Also weg damit.“ Ganz so eilig mit der Abrissbirne hat es dagegen „MirCann“ nicht. „In das große und leer stehende ehemalige Kaufhof-Gebäude am Wilhelmsplatz sollte die Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt einziehen. Zentral gelegen, verkehrlich gut angebunden und durch die vorhandenen Aufzüge auf jeden Fall barrierefrei erreichbar. Die Besucher würden zusätzlich die Marktstraße beleben und den Einzelhandel fördern.“

Uferbereich aufwerten

Nicht nur um die Zukunft des Kaufhofes sorgt sich „Martina2401“: „Das ehemalige Kaufhof-Gebäude ist trostlos anzusehen. Bad Cannstatt braucht für die Altstadt insgesamt dringend ein Konzept, um die Wohn- und Lebensqualität zu erhalten. Zumal der Leerstand vieler Ladengeschäfte schon vor Corona ein Problem war.“

Die mit Abstand meisten Anregungen betrafen allerdings den Neckar und die Aufwertung seiner Uferbereiche. Viele übten in diesem Zusammenhang auch massive Kritik an der Verwaltung, die bei der Umsetzung vieler Projekte doch nur sehr langsam in die Gänge kommt. „siebenstern“ fordert deshalb auch kleinere und schneller umsetzbare Maßnahmen, wie etwa eine Informationstafel über typische Neckarfische unterhalb der Staustufe Cannstatt.

Eisenbahnbrücke erhalten

Mehrfach gefordert wurde auch der Erhalt der mehr als 100 Jahre alten Eisenbahnbrücke, die bekanntermaßen durch die neue Neckarbrücke ersetzt wird. „Eine wirklich ausgefallene Lösung für Stuttgart wäre ein Ausbau zur Krämerbrücke wie die in Erfurt, die Ponte Vecchio in Florenz oder die Pulteney Bridge in Bath. Dies würde meiner Meinung nach auch gut zu Bad Cannstatt Mitte passen“, meint jedenfalls „MeineHeimat“.

Während „Stadtlücke“ von einer Nutzung der Neckarinsel träumt und „Eble.m@web.de“ sich ein Badeschiff beim Leuze wünscht, möchte „EinLandschaftsmaler“ eine schwimmende Badeanlage nach Pariser Vorbild im Neckar am Mühlgrün einrichten. Die Hauptstadt Frankreichs hat 2017 eine 100 Meter lange Schwimminsel auf der Seine errichtet, die täglich von 2000 Personen genutzt wird.

Mehr Hundewiesen und Grillstellen

Daneben gab es natürlich zahlreiche Vorschläge, die auch ohne „Bürgerhaushalt“ problemlos und zügig umsetzbar wären. So auch die Themen „mehr Hundewiesen“ oder „Grillstellen“ in Bad Cannstatt; auch „schönere und sicherere Unterführungen“ oder eine „Fahrradschleuse beim Stuttgart-Cannstatter Ruderclub“ sind fast schon aus dem Bezirksbeiratsbudget zu finanzieren. Was unterm Strich realisiert wird, darüber entscheidet schlussendlich jedoch der Gemeinderat. Allerdings müssen die Vorschläge zuvor entsprechend oft als „gut für Stuttgart“ bewertet werden, um so auf der Prioritätenliste ganz weit oben zu landen.

Unter www.buergerhaushalt/stuttgart.de kann man online über alle eingereichten Vorschläge abstimmen. Dafür ist nur eine kurze Registrierung nötig.