Fritz Endemann hat das weinrote Buch über den „Wein unter dem Wirtemberg“ um Geschichten über Rotenberg ergänzt und Foto:  

Der Uhlbacher Fritz Endemann hat sein Buch „Der Wein unter dem Wirtemberg“ um Geschichten aus Rotenberg ergänzt und aktualisiert.

Uhlbach - Bereits als „Bub“ hat der in Dortmund aufgewachsene Fritz Endemann vom „Uhlbacher Wein“ erfahren. „Schließlich spielt der Uhlbacher Zaubertrank in Wilhelm Hauffs berühmten Roman Lichtenstein eine wichtige Rolle“, sagt Endemann. Dass er einmal selbst in Uhlbach wohnen wird, hätte der Dortmunder Junge sicher nicht gedacht. Endemann kam 1963 nach Stuttgart, war Assistent des Historikers Golo Mann an der Uni Stuttgart, dann Vorsitzender Richter am Verwaltungsgerichts Stuttgart. 2020 erhielt er die Stauffermedaille für seine Verdienste zur Aufarbeitung der Gräueltaten der NS-Justiz. Auf seine Initiativen hin und unter seiner maßgeblichen Beteiligung wurde am Landgericht Stuttgart ein Mahnmal zum Gedenken der Opfer der Justiz im Nationalsozialismus – mindestens 423 Hingerichtete – errichtet und ebenfalls dort eine Dauerausstellung mit einer Erinnerungsstätte eröffnet.

Aber auch die Faszination für die Kultur hat den heute 85-Jährigen nie losgelassen. Kunstbände, literarische Werke und Sachbücher füllen die Regale seines Wohnzimmers. Immer wieder stieß Endemann auch in seinen Lektüren auf das Zusammenspiel zwischen Literatur und Wein. Was lag also näher, diese interessante Verbindung – die literarischen Zeugnisse über den „Wein unter dem Wirtemberg“ – zu Papier zu bringen? Vor 17 Jahren hat die damalige WG Uhlbach unter dem damaligen Vorsitzenden Andreas Kurrle Endemanns erstes Büchlein herausgebracht. Endemann konzentrierte sich damals auf den Uhlbacher Wein. Jetzt hat das Collegium Wirtemberg die um Rotenberger Zeugnisse erweiterte Neufassung aufgelegt.

„In akribischer Feinarbeit verknüpft Endemann zusammengetragene literarische Quellen aus unterschiedlichen Jahrhunderten mit unserer Weinlandschaft und weckt mit Texten bekannter Dichter Bilder aus vergangenen Zeiten“, schwärmt Martin Kurrle, der Geschäftsführer des Collegiums Wirtemberg. Im Mittelpunkt steht Hauffs Roman Lichtenstein. „Auch wenn Hauffs romantische Sage mit der historischen Wirklichkeit wenig gemein hat, hat Hauff dem Uhlbacher Wein darin ein literarisches Denkmal gesetzt, wie es wohl kaum je einem deutschen Wein zuteilgeworden ist“, sagt Endemann. Im 80-seitigen Buch nähert sich Endemann dem Ursprung des Namens Wirtemberg, erzählt auch von einer Episode, als Thomas und Katia Mann 1949 auf Einladung des damaligen Stuttgarter OB Arnulf Klett in der Gaststätte Krone zu Rotenberg „aufs Vorteilhafteste bewirtet wurden.“

Mindestens ebenso spannend liest sich die Episode über das erste Zusammentreffen der US-Besatzungsoffiziere und einigen deutschen Kulturliebhabern am 11. August 1945 in Uhlbach. Carlo Schmid, einer der Gründungsväter des Grundgesetzes, las an dem Abend aus seinen Übersetzungen der Gedichte von Baudelaire vor. Der „Uhlbacher Geist“ brachte Sieger und Besiegte bei französischer Literatur und Uhlbacher Wein näher.

Das Buch, liebevoll illustriert mit zahlreichen Abbildern, kann in den Keltern des Collegiums Wirtemberg in Uhlbach und Rotenberg erworben werden.

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