Im kalifornischen Death Valley dominieren die Pastellfarben – und die sanften Rundungen der Erosion. Fotokunst von Renate Aller, zu sehen im Bildband im Kehrer Verlag. Foto: Kehrer Verlag/Renate Aller

Die Fotokünstlerin Renate Aller will in einem Bildband mit eindrucksvollen Naturbildern zum Nachdenken über die sich langsam wandelnde Welt anregen.

Stuttgart - Eisigblaue Gletscherwelten in Patagonien, schroffe Felslandschaften im Himalaja, im endlosen Weiß verschwimmende Sanddünen in den USA, sattgrüne Regenwälder in Neuseeland, die Weite des Atlantiks: Das sind die Landschaften, die Renate Aller mit großformatigen Bildern eindrucksvoll porträtiert.

Dabei sieht sie sich, wie sie selbst sagt, als Künstlerin und nicht als Fotografin. Sie nutze die Fotografie als Werkzeug. Aber Werkzeug wofür? „The Space Between Memory and Expectation“, also „Der Raum zwischen Erinnerung und Erwartung“, so lautet der Titel ihres jüngsten Bildbandes.

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Zusammen mit einem begleitenden Essay von Makeda Best, Fotografie-Kuratorin am Harvard Art Museum an der Harvard-Universität, und einem Interview mit der Fotografin sollen die Bilder zum Nachdenken anregen. Und zwar, wie Renate Aller schreibt, über die „stille und fortlaufende Erosion“.

Vom Gletscher bis zum Meer

Entsprechend diesem Motto sind die Fotos auch angeordnet: Immer wieder geht es – dem Naturkreislauf der Erosion von Wasser und Wind folgend – in unterschiedlichen Facetten von den Gletschern und Bergspitzen zum Meer. Wobei die Bilder von den Farbnuancen und Kontrasten leben, und zwar genauso von den harten Gegensätzen zwischen dunklen Bergen und hellem Himmel wie auch von den weichen Übergängen zwischen Meer und Horizont. Oder den Weiß in Weiß verschwimmenden Konturen von Sanddünen.

Renate Aller sagt, wie wolle damit den Zustand von Stille und Wandel beschreiben. Veränderungen vollziehen sich in aller Stille, langsam und stetig – und führen doch zu einem tiefgreifenden Wandel. Dieses Motto will die Fotokünstlerin auch auf andere Lebens­bereiche übertragen wissen: etwa auf Corona, weil uns die Pandemie im Lockdown einerseits zum Innehalten an einem Platz zwingt und andererseits, wie sie sagt, „unser kollektives Bewusstsein des Wandels intensiver ist, als es je in meiner Erinnerung war“. Es lohnt sich, darüber beim Betrachten der Bilder nachzudenken.

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Info

Die Fotografin
Aufgewachsen in Hamburg, lebt und arbeitet die Fotokünstlerin Renate Aller seit vielen Jahren in New York. Ihre Fotografien wurden bereits in zahlreichen Museen ausgestellt.

Das Buch
„The Space Between Memory and Expectation“ heißt Renate Allers jüngstes Werk, mit einem Essay und einem Interview in Englisch. Kehrer Verlag, 96 Seiten, 48 Euro. Alle hier gezeigten Bilder stammen aus dem Buch.