Imker Armin Glock Foto: Mathias Kuhn

Bienen und die Zucht der fleißigen Insekten sind begehrt. Immer öfter werden Bienenvölker gestohlen. Die Imker vermuten, dass sich Kollegen die Bienenstöcke unter den Nagel gerissen haben.

Untertürkheim - Mit dem Verlauf des bisherigen Honigjahres sind die Imker zufrieden: Die Witterung machte ihnen und ihren fleißigen sechsbeinigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern keine Probleme. Auch die Schädlinge der Bienen scheinen dieses Jahr keine großen Schäden anzurichten. Anders sieht es aber mit zweibeinigen Räubern aus. „Immer wieder werden Bienenvölker gestohlen“, sagt Armin Glock. Der Imker aus Rohracker hat sich seit mehr als zwei Jahrzehnten dem süßen, aber auch zeitintensiven Hobby verschrieben. Er ist den Umgang mit den gelb-schwarzen Insekten seit seiner Kindheit gewöhnt. Seit mehr als einem Jahrhundert züchtet seine Familie Bienen. Glock selbst ist bisher von Diebstählen verschont geblieben. „Das liegt vielleicht daran, dass ich teilweise noch alte Bienenstöcke benutze“, sagt der Imker.

Eine böse Überraschung hat dagegen Stefan Redenius im vergangenen Jahr erleben müssen. Im Juni hatte der Luginsländer während der Akazienblüte mehrere seiner Bienenvölker in die Pfalz gefahren. Als er einige Tage später nach seinen Tieren schaute und sie an einen anderen Standort bringen wollte, traute er seinen Augen nicht. „Vier Bienenstöcke waren spurlos verschwunden“, sagt der erfahrene Hobbyimker, der für den Verband auch Bienenzucht-Kurse für Anfänger gibt. Er ist sich sicher, dass der Täter aus den eigenen Reihen stammen müsse. „Es war ein Fachmann. Er hat sich gezielt die stärksten Völker ausgesucht und andere stehen lassen“, sagt Redenius. Er hat den Diebstahl zwar zur Anzeige gebracht, das Verfahren wurde aber – wie in fast allen ihm bekannten Fällen – nach einigen Monaten von der Polizei eingestellt.

„Es ist schwierig, den Diebstahl nachzuweisen“, sagt Redenius. Die Völkerdiebe haben leichtes Spiel: Sie kommen bei Dämmerung oder in der Nacht, wenn die Bienen auf ihren Waben sitzen. Die Langfinger verschließen das Einflugloch und verfrachten die Kiste, in denen oftmals mehrere tausend Insekten leben, in ihr Auto. In fünf bis zehn Minuten sind vier Völker verpackt, ohne dass es jemand mitbekommt oder dass ein Spaziergänger Verdacht schöpft, dass sich der „Imker“ fremde Bienenstöcke unter den Nagel reißt. Am neuen Standort werden entweder die Bienenkästen umgefärbt oder die Waben werden in einen neuen Bienenkasten gesteckt und der geklaute entsorgt.

Für den Besitzer ist der Verlust empfindlich – materiell und emotional. Redenius’ Bienenstöcke beherbergten jeweils ein gesundes, mächtiges Volk und sicherlich 50 Kilogramm guten Akazienhonig. „Der Wert pro Kasten lag damit bei rund 600 bis 700 Euro“, schätzt Redenius. Der Hobbyimker steckt viele Stunden Freizeit in die Pflege seiner Völker, ist mit seinen Tieren viele Kilometer unterwegs, freut und leidet mit ihnen. Der emotionale Verlust schmerzt deswegen fast stärker.

„Die Bienenzucht ist zeitintensiv. Man benötigt viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl“, sagt Glock. Die Hobbyimker investieren viel Zeit in den Schutz der Tiere. Vor rund 30 Jahren wurde die Varroamilbe eingeschleppt. Die Blutsauger vermehren sich im Winter, wenn die Bienen-Völker ihre Brut aufziehen, und können zum Absterben eines Bienenvolkes führen. „Ende August oder im September, wenn die Tracht zu Ende ist, werden unsere Völker auf die Wintermonate vorbereitet und mit biologischen Mitteln gegen die Varroamilbe behandelt“, erzählt Glock. Dennoch sein man nie dagegen gefeit, dass ein ganzes Volk der Milbe zum Opfer falle.

Insofern kann der Bienenzüchter aus Rohracker sich vorstellen, dass Kollegen, die kein so glückliches Händchen im Kampf gegen die Milben hatten, sich bei gesunden Völkern eines fremden Kollegen bedienen und damit ihren eigenen Bestand aufmotzen. „Eigentlich unverständlich. Kein Schafzüchter würde einem Anderen ein Lamm stehlen“, sagt Glock. Er ist wie auch Redenius mit dem bisherigen Bienenjahr hoch zufrieden. Das wechselhafte Wetter hat eine gute Honigernte eingebracht. „Jetzt hoffen wir, dass wir unsere Erzeugnisse wie in den Vorjahren auf den Adventsmärkten und bei anderen Gelegenheiten anbieten können“, sagen Redenius und Glock.

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