Die selbstfahrende Obstbauspritze von 1936 Quelle: Unbekannt

Zum Jubiläum des Volksfestvereins, der den Volksfestumzug organisiert, herrschten beste äußere Bedingungen. 150 .000 Zuschauer verfolgten das Spektakel.

Bad CannstattPetrus muss ein Cannstatter sein. Denn immer, wenn der Volksfestverein zum Umzug einlädt, strahlt der Himmel. „Der Volksfestverein hat einen guten Draht nach oben“, stellte Marcus Christen fest. Der Abteilungsleiter der in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft kann sich an kein schlechtes Wetter beim Umzug seit 2005 erinnern. Da passte es natürlich gut, dass zum Jubiläum des Volksfestvereins, gegründet vor 25 Jahren, beste äußere Bedingungen herrschten. Entsprechend gut war auch die Stimmung unter den 4000 Teilnehmern und an der 4,2 Kilometer langen Strecke.

„Die Leute haben ganz toll mitgemacht, waren wunderbar drauf“, stellte Tina Gronen fest, die im Festwagen der Schausteller dabei war. Auch Wilhelm Bauer war überaus zufrieden. Der Vorsitzende des Gartenbauvereins Bad Cannstatt war mit einer selbstfahrenden Obstbauspritze der Firma Holder aus Metzingen unterwegs. Er hat das historische Gefährt, mit dem früher Pflanzenschutz in den Streuobstanlagen betrieben wurde, von einem Freund aus Wäschenbeuren erworben und pflegt es seitdem. Es hat ein 400 Liter Holzfass und einen 2-Takt-Motor mit acht PS. „Es gibt zwei Vorwärts- und einen Rückwärtsgang“, beschreibt Bauer. Die Besonderheit: die Holder Piccolo 3-Kolben-Pumpe. Für eine Umweltplakette würde es nicht reichen, aber Staunen und Begeisterung löste es allemal aus.

Ebenso wie die tierischen Teilnehmer. Die Sechser-Prachtgespänne der Brauereien sorgten für große Augen bei den jungen Besuchern. Das 12er-Weißziegengespann von Karl und Klaus Gerster und die schwäbisch-hällischen Schweine der bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall sind fast schon Klassiker beim Umzug. Die Schweine warten an der Haltestelle Daimlerplatz nicht auf die Stadtbahn, aber auf ihren auf ihren Einsatz, scheren dann in den Umzug ein, der am Kursaal startet.

116 Gruppen waren auf der Strecke, eingeteilt in drei Blöcke. Nach Cannstatt und sein Volksfest ging es um „Handwerk und Baurawerk“. Da wurde auf den Festwagen Eisen geschmiedet, Würste gefertigt und Getreide gedroschen. Es gab nicht nur zu bestaunen. Die Besucher erhielten reichlich Präsente in Form von Bonbons, Obst, Gemüse, Brot, Wein, Bier und Most, was gerne angenommen wurde. Viel Beifall gab es auch für die zahlreichen Kapellen.

Im dritten Block standen die „scheensten Trachten von weit ond näh“ im Blickpunkt. Weit im wahrsten Sinne hatte es die sorbische Trachtengruppe Seidewinkel. „Das liegt zwischen Bautzen, Dresden und Cottbus in der schönen Lausitz“, erläutert der Vorsitzende Uwe Schuster. 700 Einwohner hat der Ortsteil, 40 Mitglieder der Verein, der sich der Pflege und dem Erhalt der Trachten, Sitten und Gebräuche der evangelischen Sorben verschrieben hat. „Wir sind eine der fünf anerkannten Minderheiten in Deutschland.“ 800 Kilometer Anreise nahmen die 34 Vertreter des Vereins auf sich. Übernachtet wurde in einer Turnhalle. Nach dem Umzug ging es wieder zurück. „Es ist großartig dabei zu sein.“ Zum fünften Mal schon. „Man kommt in Kontakt mit den Leuten.“ Der Volksfestverein macht es möglich. Entsprechend begeistert war auch die Bilanz. „Es hat alles wunderbar geklappt“, freute sich der Vorsitzende Robert Kauderer.

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