Maximilian Stamm vor dem „Sorgenkind“ Bahnhof Münster. Foto: Edgar Rehberger - Edgar Rehberger

Seit vielen Jahren wird in Münster eine öffentliche Nutzung von Bahnhofsgebäude und dem Areal gewünscht. Doch die Besitzverhältnisse erschweren eine konkrete Planung.

MünsterDas Thema Bahnhof Münster beschäftigt den Stadtbezirk Münster schon sehr lange. „Mit diesem Thema befasse ich mich seit Beginn meiner Amtszeit vor 19 Jahren“, sagt Bezirksvorsteherin Renate Polinski. „Nur leider beißen wir uns auch genauso lang die Zähne daran aus.“ Auch der Bezirksbeirat hat das Gebäude und den dazugehörigen Vorplatz immer wieder im Fokus. Unzählige Male stand die Verschönerung des Geländes schon auf der Prioritätenliste des Bezirksbeirats zu den Doppelhaushalten der Stadt. Mindestens genau so lange setzt sich auch die Bürgerinitiative Münster (BIM) für den Bahnhof ein.

Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude hat schon bessere Zeiten erlebt: bröckelnde Fassade, Fenster mit Brettern zugenagelt, Graffiti an den Wänden. Auch der Vorplatz sieht alles andere als einladend aus. Seit Jahrzehnten soll das Gelände umgestaltet werden. Wohngebäude sind angedacht. Auch eine öffentliche Nutzung wurde schon ins Spiel gebracht. Bis auf eine Gehwegverbreiterung im vergangenen Sommer an der Bushaltestelle ist nichts passiert. Daher wird der Wunsch nach Umgestaltung des „Schandflecks“ immer lauter.

„Das größte Problem sind die Eigentumsverhältnisse“, beschreibt Maximilian Stamm vom Stadtplanungsamt das Dilemma. Solange das Areal, das derzeit in Privatbesitz ist, nicht im Besitz der Stadt ist, kann keine konkrete Planung angegangen werden. „Wir können uns erst konkret einbringen, wenn alles geklärt ist.“ Derzeit laufen Gespräche. „Die Stadt ist ernsthaft am Thema dran.“ Man sei offen gegenüber vielen Modellen. Es würden auch Alternativen überlegt, sollte es nicht zum Verkauf kommen.

Die Deutsche Bahn AG betreibt den Bahnhof. Das so genannte Schusterzügle pendelt sechs mal am Tag zwischen Untertürkheim und Kornwestheim. Auch da gibt es Wünsche nach Veränderung. 2001 fiel der Beschluss, die nicht mehr betriebsnotwendige Immobilien zu verkaufen. Die Tochtergesellschaft Aurelis Real Estate GmbH übernahm 2002 das Gelände. Es wurde immer wieder Bereitschaft geäußert, mit der Stadt zusammenzuarbeiten, um das Bahnhofsgelände zu sanieren. 2007 wurde die Bahntochter an den Baukonzern Hochtief verkauft. Auch Finanzinvestor Redwood Grove saß mit im Boot. Im Februar 2014 verkaufte Hochtief 43 Prozent seiner Aurelis-Anteile an ein Investorenkonsortium unter Führung von Grove International – dieses Unternehmen besaß schon 50 Prozent von Aurelis. Die restlichen sieben Prozent wurden an einen unabhängigen Investor verkauft. „Wir hoffen, dass wir mit der Sozialen Stadt im Rücken bessere Karten für eine Sanierung haben“, sagt die Bezirksvorsteherin Renate Polinski. Beim aktuellen Bürgerhaushalt landete der Wunsch „Bahnhof Münster kaufen und sinnvoll nutzen“ auf Platz 1612.

Die Bürgerwünsche sind vielfältig. Dies wurde beim Ideen-Marktplatz deutlich, zu dem die SPD Mühlhausen-Münster eingeladen hatte. Gewünscht werden ein Seniorentreff, ein Jugendtreff, eine Hilfetauschbörse, Nutzung für Spielnachmittage, eine Fahrradwerkstatt für Selbstschrauber, ein Café mit Außenbetrieb, ein Treff für Jung und Alt, ein Ort des Miteinanders, ein Bürgerbüro, ein Familienzentrum sowie ein Repaircafé. Auf dem Vorplatz könnte ein Wochenmarkt entstehen. Ideen gibt es also genug. Jetzt heißt es abwarten und sehen, wie die Verhandlungen mit dem Eigentümer ausgehen. Dann erst können weitere Planungsschritte angegangen werden.

Ähnlich sieht es beim Projekt Steg über die Bahngleise aufs Zuckerfabrik-Areal aus. „Das wollen wir aufgreifen“, sagt Andreas Böhler vom Stadtteilmanagement. Auch dies ist ein Dauerbrenner. Schon in den 1990er Jahren wurde ein Modell im Rathaus präsentiert. Der damalige Bezirksvorsteher Roland Schäfer war zuversichtlich. Doch daraus wurde nichts. Immer wieder taucht das Vorhaben auf der Wunschliste des Bezirksbeirats zum Doppelhaushalt auf. Polinski: „Auch hier versucht der Bezirksbeirat seit Jahren alles, die Realisierung wird vom Gemeinderat jedoch immer zurückgestellt.“ Ein engmaschiger Stahlzaun verhindert zumindest ein illegales und lebensgefährliches Gleisüberqueren.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: