Kein gutes Szenario derzeit für eine Wiederbelebung der Berger Sprudler Foto: Friedl

Nach der Sanierung des Anlagesees bei der Stadtbahnhaltestelle Mineralbäder rücken wieder die Berger Sprudler in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit

Stuttgart - Der Anlagensee bei der Stadtbahnhaltestelle Mineralbäder ist ja nun quasi komplett saniert, schon seit Monaten haben die Spaziergänger das Areal erobert. Jetzt aber sind auch die letzten verbliebenen Bauzäune komplett entfernt worden. Beim Gang rund um den See herum drängt sich aber die Frage auf: Was geschieht nun mit den Berger Sprudlern? Nach wie vor ragen die Kegel aus der Landschaft, die trockenen Betonverschalungen verkünden aber auch: Hier ist schon sehr lange kein Wasser mehr geflossen, mal abgesehen von gelegentlichem Regen.

Brachland und Baustellenstraße

Der Blick darauf aus etlichen Höhenmetern liefert die Begründung: Das ganze Gebiet zwischen Anlagensee und Leuze-Bad ist durchzogen von Stadtbahn-Gleisen, der Rest ist Brachland und darauf befinden sich Baustellenstraßen und geparktes Baumaterial. Kein Wunder: Hier wird ja seit Jahren der Leuze-Verkehrsknoten ausgebaut. Und gleich daneben geht es weiter mit Rosensteintunnel und neuer Bahnbrücke über den Neckar. Etliche der einst zehn Sprudler aus Zeiten der Bundesgartenschau 1977 sind deshalb verschwunden, ein Betrieb der wenigen noch verbliebenen Sprudler erscheint da nicht sonderlich sinnvoll.

Stuttgarts tolle Parkanlage

Nach wie vor aber haben die Berger Sprudler Fans, die auch was zu sagen haben in der Stadt. Etwa Volker Schirner: „Vor gut 30 Jahren kam ich nach meinem Studium in Berlin und der Beschäftigung dort in der Park- und Denkmalpflege nach Stuttgart und lernte hier Hans Luz kennen, den Landschaftsarchitekten der Bundesgartenschau 1977. Das habe ich von Anfang an bewundert, was er und die Stadt da für eine tolle Parkanlage realisiert haben.“ Die Sprudler haben es Schirner besonders angetan: „Das sind ja nicht nur Springbrunnen oder irgendwelche Fontänen. Hier wird die Kraft des Wassers ganz konkret und bildhaft vorgeführt, seine Volumenwirkung.“

Seit neun Jahren ist Schirner nun Leiter des Stuttgarter Garten-, Friedhofs- und Forstamts. Und in dieser Eigenschaft kommt auch er nicht um die Feststellung herum: Die Sprudler sind, so wie sie jetzt vor Ort sind, tot. Und sie lassen sich auch nicht mit einigen kosmetischen Effekten wiederbeleben. Zwei Sprudler sind eh abgebaut wegen der Baustellen, freilich seien die „eingelagert“, so Schirner. Damit sind sie im Prinzip auch wieder aufbaubar. Aber auch da macht Schirner keine Hoffnungen auf schnelle Ergebnisse: „Das hat sich schon vor zehn Jahren gezeigt, dass die längst nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen. In Sachen Wasser- und Energieverbrauch gelten heute ganz andere Maßstäbe, außerdem ist der Zustand der technischen Apparaturen und Leitungen desaströs“.

Von Grund auf neu konzipieren

Im Prinzip gilt für die Sprudler also dasselbe wie für den Anlagensee gleich daneben: Um diesen in seiner Form und Wirkung zu erhalten und für die nächsten Jahrzehnte zu bewahren, musste dieser von Grund auf neu überdacht und konzipiert werden, was Bepflanzung, Bewässerung und Zirkulationstechnik betrifft.

Das klingt nach einem endgültigen Abschied von den Sprudlern. Doch das will Schirner so nicht stehen lassen: „Unser Tiefbauamt hat ein Planungsbüro mit dem Thema „Sanierung der Berger Sprudler“ beauftragt. Da geht es auch darum, mal die Kosten zu ermitteln, was so eine Sanierung kostet“. Und da ahnt man schon: Günstig wird das nicht. Schirner sieht das auch so: „Da wird dann schon ein Beschluss des Gemeinderats nötig sein, dass die Mittel dafür in den Haushalt eingestellt werden. Wassertechnik ist allgemein sehr aufwendig und wird entsprechend schnell teuer. Und für die hier gilt das in besonderem Maße, da deren Aktivitäten zeitlich ja aufeinander abgestimmt waren.“ Und schnell geht das auch nicht. Dabei hängt die Zeitplanung nur teilweise von der Sprudler-Erforschung und -analyse ab. „Derzeit führt eine Baustellenstraße der Bundesbahn durch das Gelände“, so Schirner, „das ist jetzt so eingeplant bis ins Jahr 2025.“ Vorher geht also eh nichts. Und wenn sich die Fertigstellung der ziemlich komplexen Bauwerke am Neckarufer verzögert, dauert es noch länger.

Gutes Zusammenwirken

Diese Zeit ist vielleicht aber auch eine Chance, manches vorab zu klären. Denn die Zuständigkeiten – wer ist für öffentlichen Raum zuständig – sind in Stuttgart etwas verzwickt. So ist für die Seenlandschaft bei der Stadtbahnhaltestelle Mineralbäder das Land zuständig, für die Sprudler dagegen die Stadt. Oder genauer gesagt: Für zwei der zehn Sprudler ist die Stadt zuständig, für die anderen acht das Land. Ein frühzeitiger Schulterschluss würde da manches beschleunigen zum Wohl dieser Wasserspiele. So wie damals 1977 eben auch. Da waren die Zuständigkeiten auch schon so verteilt. Und herausgekommen ist durch das Zusammenwirken eine herausragende Naherholungslandschaft, von der heute noch nicht nur die Fachleute schwärmen.

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