Richard Arnold Quelle: Unbekannt

Der Rückzug Fritz Kuhns (Grüne) als Stuttgarter Oberbürgermeister hat die Parteien kalt erwischt. Die SPD stellt bislang zwei Kandidaten für die OB-Wahl im November. Die CDU sortiert sich noch.

StuttgartNicht nur die Grünen, auch die politische Konkurrenz ist vom angekündigten Rückzug Fritz Kuhns (Grüne) als Oberbürgermeister kalt erwischt worden. Während sich bei der SPD mit Fraktionschef Martin Körner, der gestern offiziell seine Kandidatur erklärte, und dem Tengener Schultes Marian Schreier zwei Bewerber in Position gebracht haben, ist die CDU noch damit beschäftigt, Bewerber auszusortieren, denen die Partei keine Siegchancen bei der OB-Wahl im November einräumt.

Bisher haben weder der Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann noch Ratsfraktionschef Alexander Kotz ihre Ambitionen auf eine Kandidatur offiziell begraben. Auch die ebenfalls gehandelte Bundestagsab­geordnete Karin Maag hat bisher nicht abgesagt. „Da starrt einer auf den anderen wie das Kaninchen auf die Schlange“, sagt ein CDU-Grande, der mit der Kandidatensuche vertraut ist. Das Trio beäugt sich – frei nach dem Motto: Wenn ich zurückziehe, müssen das die anderen aber auch tun.

Dementsprechend zurückhaltend verhalten sich bislang jene Aspiranten, die von außerhalb kommen: Immerhin hat der Rottenburger Rathauschef Stephan Neher, dortselbst seit dem Jahr 2008 im Amt, sein Interesse bekundet – versehen mit dem Zusatz, er müsse erst noch Gespräche mit der parteiinternen Findungskommission führen, um die Unterstützung der örtlichen CDU zu gewinnen. Neher gilt als liberaler Unionspolitiker und hat sich etwa in der Flüchtlingsfrage Respekt als Verfechter einer Willkommenskultur erarbeitet. Ob der 46-Jährige damit bei der parteiinternen Findungskommission und an der konservativen Basis der Stuttgarter CDU punkten kann, bleibt abzuwarten.

Verwaltungserfahrung gegen Aras

Kaum Zweifel an seiner Eignung lässt Backnangs OB Frank Nopper. Der 58-Jährige stammt aus Stuttgart, sein Vater war Stadtrat in Stuttgart, sein Bruder Klaus gehört der aktuellen CDU-Ratsfraktion an. Schon bei der OB-Wahl 2012 war sein Name als möglicher Kompromisskandidat im Duell zwischen dem früheren Landesminister Andreas Renner und dem von der CDU letztlich aufs Kandidatenschild gehievten parteilosen Unternehmer Sebastian Turner gehandelt worden. Nopper, seit 2002 Verwaltungschef in Backnang, brächte ebenfalls Verwaltungserfahrung mit – für die CDU ein wichtiges Kriterium im Angesicht einer möglichen Grünen-Kandidatin Muhterem Aras.

Dritter im Bunde ist Richard Arnold, seit 2009 Rathauschef in Schwäbisch Gmünd. Arnold wurde 2016 schon als CDU-Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten gehandelt, gab der CDU aber einen Korb. Auch er gehört dem eher liberalen Parteiflügel der CDU an, hat sich in der Asylpolitik mit dem als „Gmünder Weg“ apostrophierten Integration von Flüchtlingen einen Namen gemacht. Gegen eine Bewerbung Arnolds – er feiert am Samstag seinen 61. Geburtstag – spräche laut CDU-Kreisen freilich, dass er maximal eineinhalb Amtsperioden amtieren könnte. Zur Erinnerung: Fritz Kuhn (64) hatte auch sein Alter als Grund für den Verzicht auf eine weitere Kandidatur angegeben. Arnold hat jedenfalls eine Bewerbung bisher nicht ausgeschlossen.

Nach Informationen unserer Zeitung ist außerdem Freudenstadts OB Julian Osswald als Kandidat im Gespräch. Der 54-Jährige amtiert dort seit 2008. Zwei weitere Christdemokraten mit Stuttgarter Stallgeruch stehen dagegen dem Vernehmen nach nicht zur Verfügung: Ex-Kämmerer Michael Föll will Amtschef im Kultusministerium bleiben und Ex-Wirtschaftsförderer Joachim Pfeifer macht als Bundestagsabgeordneter lieber Politik in Berlin.

Auch Grüne starten Kandidatensuche

Die Grünen haben ihre Schockstarre nach der Absage von Fritz Kuhn für eine weitere Kandidatur als OB überwunden. Am Dienstag kommender Woche trifft sich die parteiinterne Findungskommission zu ihrer ersten Sitzung, um nach einer geeigneten Kandidatin zu fahnden.

Verfahren: Nach Informationen unserer Zeitung gehören dem Gremium neben den beiden Kreisvorsitzenden Mark Breitenbücher und Amelie Montigel auch die Sprecher der Ratsfraktion, Andreas Winter sowie Gabriele Nuber-Schöllhammer, an. Außerdem mit in der sechsköpfigen Runde: Verkehrsminister Winfried Hermann sowie die Landesvorsitzende der Partei, Sandra Detzer.

Zeitrahmen: Binnen sechs Wochen, so hatte es Kreischef Breitenbücher angekündigt, will die Kommission einen Bewerber für den Chefsessel im Rathaus der Landeshauptstadt finden.

Mögliche Kandidaten: Als Favoritin gilt die Landtagspräsidentin und frühere Stuttgarter Stadträtin Muhterem Aras. Gehandelt werden zudem die Staats­sekretärin im Kunstministerium, Petra
Olschowski, und die stellvertretende Landtagsfraktionsvorsitzende und ehemalige Stadträtin Thekla Walker.

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