Im September wurde Richtfest gefeiert, nun ruhen die Bauarbeiten für den Gewa-Tower. Die Projektgesellschaft hat Insolvenz angemeldet. Foto: dpa Quelle: Unbekannt

Von Elke Hauptmann

Fellbach - „Fellbach soll seinen Gewa-Tower bekommen“, betont Holger Wallisch, Geschäftsführer der Baresel GmbH. Das Bauunternehmen geht davon aus, dass die Bauarbeiten am dritthöchsten Hochhaus Deutschlands nach der jüngst angemeldeten Insolvenz des Bauherren „schon in absehbarer Zeit wieder aufgenommen werden können“.

Für den Gewa-Tower am östlichen Stadtrand von Fellbach ist jetzt der Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens gestellt worden, nachdem die Gespräche zwischen der Gewa 5 to 1 GmbH und Baresel vor wenigen Tagen für gescheitert erklärt wurden - das Bauunternehmen aus Leinfelden-Echterdingen hatte wenige Tage zuvor seine Arbeiter aufgrund ausstehender Zahlungen des Auftraggebers von der Baustelle an der Schorndorfer Straße abgezogen.

Wie berichtet, war die Gewa 5 to 1 GmbH der Esslinger Projektentwickler Michael und Marc Warbanoff in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Zwar konnte die Gesellschaft im Oktober den Verkauf des im Sockelgebäude befindlichen Business-Hotels an einen privaten Investor aus der Region Stuttgart abschließen. Der Kaufpreis, über den beide Seiten Stillschweigen vereinbart haben, sollte allerdings erst im ersten Quartal des nächsten Jahres fließen - nach der Fertigstellung und der Abnahme des 123 Betten großen Business-Hotels durch den Pächter. Zudem verlief der Verkauf der insgesamt 66 Wohnungen in diesem Jahr schleppend. Vor allem für die großen und teuren Wohnungen in den oberen von insgesamt 34 Etagen fanden sich keine Interessenten. Die Eigentümer der bereits veräußerten 45 Wohnungen bangen nun um die Fertigstellung des Hochhauses. Das 107 Meter hohe Gebäude steht im Rohbau, erst im September war das Richtfest gefeiert worden.

Die Gewa hofft, das Projekt im Rahmen eines geordneten Insolvenzverfahrens zu Ende bringen zu können. „Insolvenz heißt nicht immer gleich Tod, sondern es wird eine Möglichkeit gesucht, in geordnete Bahnen zu kommen“, sagte der Geschäftsführende Gesellschafter Marc Warbanoff gegenüber der Deutschen Presseagentur. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Esslingen Ilkin Bananyarli von der Anwaltskanzlei Pluta bestellt. Er zeigt sich vorsichtig optimistisch, eine Lösung zu finden: Man habe bereits erste Anfragen von potenziellen Interessenten für das Bauvorhaben bekommen. „Ich werde schnellstmöglich mit allen Beteiligten Gespräche führen und die Möglichkeiten des Weiterbaus des Gewa-Towers prüfen.“ Auch bei Baresel sei man zuversichtlich, dass die Frage der weiteren Finanzierung schnell geklärt werden könne, so Geschäftsführer Wallisch. „Wir stehen bereit, die Arbeiten dann zügig fortzuführen, damit die Wohnungen schnellstmöglich an die Erwerber übergeben werden können.“

Den Anlegern hingegen drohen erhebliche finanzielle Einbußen - sie hatten eigentlich bis März 2018 auf eine Verzinsung von 6,5 Prozent jährlich gehofft. Zur Finanzierung des Projekts hatte die Gewa im Jahr 2014 eine Mittelstandsanleihe emittiert und rund 35 Millionen Euro eingesammelt. In Foren machen sich die Gläubiger Luft über die überraschende Insolvenz. Experten kritisieren grobe Fehler bei der Finanz- und Liquiditätsplanung - und eine mangelhafte Kommunikationspolitik des Gewa-Managements. Die KFM Deutsche Mittelstand AG zum Beispiel wirft dem Bauherren vor, die Schwierigkeiten bis zur „Hiobsbotschaft“ der Insolvenz heruntergespielt zu haben. Sollte die Gewa gegen Mitteilungspflichten verstoßen haben, kündigt die Mittelstand AG gar an, „im Rahmen der gesetzlichen Durchgriffshaftung auch auf das Vermögen der Familie Warbanoff zuzugreifen und einen möglichen Schaden abzuwenden“.

In Fellbach hofft man derweil, dass auf dem ehemaligen Fromm-Areal keine Bauruine stehen bleibt. Die Stadt will nach Mitteilung von Oberbürgermeisterin Gabriele Zull nun möglichst rasch Gespräche mit dem Insolvenzverwalter führen, um an klare Informationen zu gelangen. „Soweit es in unserer Hand liegt, werden wir alles tun, das weitere Verfahren intensiv und konstruktiv zu begleiten und zu unterstützen“. Allerdings seien die Handlungsmöglichkeiten der Stadt bei einem solch rein privaten Bauvorhaben begrenzt. Harsche Kritik kommt von der SPD-Gemeinderatsfraktion. Deren Vorsitzender Andreas Möhlmann sagte: „Die Insolvenz des Investors ist eine Katastrophe für die Stadt, für die Anleger sowie für die Käufer von Wohnungen.“ Eine Bürgschaft der Stadt oder sonstige städtische Mittel für das Bauvorhaben kämen für die SPD nicht in Frage.

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