Gala-Vorstellung gegen den Meister: Dreier-König Jaleen Smith. Foto: imago/BBL-Foto

Die Ludwigsburger Basketballer werfen den Titelverteidiger Bayern München aus dem Finalturnier und sind jetzt kein Geheimtipp mehr: Am Sonntag geht es um den Einzug ins Endspiel.

München - Alexander Reil hatte den richtigen Riecher. Der Vorsitzende der MHP Riesen Ludwigsburg verzichtete am Freitag auf die Reise nach München zum Finalturnier der Basketballer. „Ich war einmal vor Ort gegen Berlin“ – und da hatte das Team die einzige Niederlage kassiert. Also wollte er kein schlechtes Omen sein, dafür hat er zu Hause am Bildschirm mitgefiebert, wo die Dramaturgie hätte nicht größer sein können.

Am Ende verloren die Ludwigsburger Riesen zwar hauchdünn mit 73:74 (36:45), aber in diesem speziellen Modus mit Hin- und Rückspiel war das Vier-Punkte-Polster (87:83) aus dem Hinspiel eben doch Gold wert. Ludwigsburg steht damit am Sonntag (15 Uhr) im Halbfinale gegen ratiopharm Ulm– und hat seine Rolle als Geheimfavorit mit dem Rauswurf des Titelverteidigers erst einmal nachhaltig untermauert.

Start mit zwölf Punkten Rückstand

„Ich könnte nicht stolzer sein“, sagte Trainer John Patrick, der schon vor dem Spiel mutig meinte: „Wir sind das bessere Team.“ Danach sah es allerdings zunächst einmal nicht aus, die Bayern führten nach 24 Minuten mit 54:42, auch weil die Riesen kurzfristig auf ihre „Geheimwaffe“ Hans Brase (Knieprobleme) verzichten mussten, der im ersten Spiel noch 18 Punkte beigesteuert hatte. Aber mit zunehmender Dauer bewiesen die Riesen, dass sie absolute Mentalitäts-Monster sind. Allen voran Marcos Knight, der praktisch die gesamten 40 Minuten durchspielen musste und nebenbei mit 20 Punkten noch bester Werfer der Partie war.

Matchwinner Jaleen Smith

In seinem Windschatten avancierte Jaleen Smith (18) zum Matchwinner, der wichtige Drei-Punkte-Würfe versenkte. Ein Mann, der vor der Saison vom Zweitligisten Heidelberg kam, was unterstreicht, dass Patrick ein absolut glückliches Händchen hatte; praktisch jeder wurde besser. „Er hat sich viel Selbstbewusstsein geholt, seit er bei uns ist“, sagte Patrick. Aber nicht nur er. Auch Sohn Jacob Patrick (16 Jahre) und Radii Caisin (18) hatten ihren Anteil – und das kommt nicht von ungefähr. „Sie trainieren regelmäßig bei uns mit und haben mein Vertrauen“, sagte Patrick und gab noch ein kleines Geheimnis preis. „Montags spielen wir immer Fünf gegen Fünf – und da hat die U 19 schon gegen die Profis gewonnen.“

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Aber am Freitagabend haben sie die Bayern rausgeworfen, den Titelverteidiger. Das ist mit der größte Erfolg der vergangenen Jahre, oder etwa nicht? „Kann ich so spontan nicht sagen“, meinte Reil, „das war eine sensationelle kämpferische Leistung, die ich erst einmal genieße.“

Starke Saison bestätigt

Zu Recht, denn die Mannschaft hat unterstrichen, dass der zweite Platz in der Hauptrunde bis zum Saisonabbruch kein Zufallsprodukt war, sondern das Ergebnis von harter Arbeit. Was jetzt noch möglich ist? Während sich Reil darüber spontan keine Gedanken machen wollte, hatte Jaleen Smith eine Antwort parat. „Der Himmel ist die Grenze“, hat er nach dem Spiel gesagt. Mit anderen Worten: Alles ist möglich.

Ganz im Gegensatz zu den Bayern, die nach einer enttäuschenden Saison in der Euroleague nun auch national auf dem Boden der Tatsachen angekommen sind. Die Tage des Trainers Oliver Kostic dürften gezählt sein. Auch wenn der auf die direkte Frage nach seiner Zukunft sagte: „Wir fahren jetzt ins Hotel, dann nach Hause – und morgen ist ein neuer Tag.“

Doch das böse Erwachen bleibt. Im Fußball hätte Ehrenpräsident Uli Hoeneß früher wohl am liebsten den Konkurrenten geschwächt – und vielleicht einen John Patrick umworben. Doch zum einen hat FCB-Manager Marco Pesic ein Faible für Trainer vom Balkan, und zum anderen Patrick noch einen Vertrag bis 2021. Verlängerung nach dem Turnier nicht ausgeschlossen.

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