Wieder am Ball: Ariel Hukporti (li.) soll zum Viertelfinal-Rückspiel für die Riesen auflaufen. Foto: dpa/Tilo Wiedensohler

Zwei Außenseiter unter sich: Die MHP Riesen Ludwigsburg und Ratiopharm Ulm spielen an diesem Dienstag beim Basketball-Finalturnier in München den ersten Finalisten aus.

München/Ludwigsburg - Das extra für das Finalturnier der Basketball-Bundesliga angemietete Mannschaftshotel Leonardo in München leert sich von Tag zu Tag mehr. Von den ursprünglich einmal zehn Teams des Finalturniers sind nach gut zwei Wochen Aufenthalt gerade einmal vier übrig geblieben, darunter Ratiopharm Ulm und die MHP Riesen Ludwigsburg – was so nicht unbedingt zu erwarten war. Doch die beiden Außenseiter spielen an diesem Dienstag (20.30 Uhr/Sport 1) den ersten Finalisten (Termine Freitag/Sonntag) aus. Alles auf null heißt es nach den ersten 40 Minuten, die mit einem im Basketball völlig unüblichen Unentschieden (71:71) endeten – das gab es zuletzt 1975 ebenfalls in einem Halbfinale zwischen dem späteren Meister MTV Gießen und Wolfenbüttel. Kein Wunder, dass der US-Profi Nick Weiler-Babb sagte: „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas passiert.“ Ein zweites Mal wird das auch nicht vorkommen, im Zweifel gibt es im Rückspiel eine Verlängerung von fünf Minuten.

Personelle Verstärkung

„Beide Mannschaften waren vielleicht ein bisschen müde, vielleicht ein bisschen übermotiviert“, sagte Riesen-Trainer John Patrick zu einem intensiven, aber alles andere als hochklassigen Spiel. „Ich hoffe, dass wir im zweiten Spiel etwas mehr Struktur in unser Angriffsspiel bekommen. Und wir dürfen dem Gegner nicht noch einmal 23 Offensiv-Rebounds geben.“ Doch nach dem siebten Auftritt in zwei Wochen gehen eben so langsam auch mal die Kräfte und Konzentration aus, zumal wenn man bedenkt, dass ein Marcos Knight die letzten drei Spiele fast über die gesamten 40 Minuten für die Ludwigsburger auf dem Feld stand.

Da trifft es sich gut, dass die Riesen wahrscheinlich nochmals personell Verstärkung bekommen. Ariel Hukporti, der vor einer Woche wegen wichtiger Prüfungen in der Schule nach Hause zurückgekehrt war, soll zum Viertelfinal-Rückspiel wieder zur Mannschaft stoßen. Dafür braucht er mindestens noch einen zweiten negativen Corona-Test, um spielberechtigt zu sein. Vielleicht sogar zum letzten Mal für die Riesen, den 18-Jährigen zieht es (2021) in die US-Spitzenliga NBA und davor möglicherweise noch zu einem Club nach Litauen.

Smith bleibt gelassen

Doch Hukporti ist nicht der einzige umworbene Profi aus dem Riesen-Kader. Ein bekanntes Basketballportal hat vermeldet, dass dem Shootingstar dieser Saison, Jaleen Smith, ein Angebot für gleich zwei Jahre vom italienischen Spitzenclub und aktuellen Champions-League-Sieger Virtus Bologna vorliegen soll. Smiths Agent Teddy Archer wurde in diesem Zusammenhang mit den Worten zitiert: „Virtus gehört zu den Teams, die Jaleen für nächste Saison einen Vertrag angeboten haben.“ Und er fügte gleich hinzu: „Obwohl wir stolz sind, dass er das Interesse wichtiger Clubs weckt, werden alle Verhandlungen bis nach Abschluss der deutschen Meisterschaft verschoben.“

Smith, der gerade im zweiten Viertelfinalspiel gegen den FC Bayern explodiert ist, bleibt gelassen: „Es ist unglaublich, dass wir das Finale erreichen können“, sagte der 25-Jährige, der erst vor dieser Saison vom Zweitligisten Heidelberg gekommen war und von seinen Teamkameraden wegen seiner extrovertierten Rasta-Locken den Spitznamen „Pineapple-Head“ erhalten hat, übersetzt: Ananas-Kopf, was er inzwischen sogar auf Deutsch aussprechen kann. Nun ja, viel wichtiger ist, dass Jaleen Smith im ­Hinterkopf hat, dass es an diesem Dienstagabend in München keineswegs um die gol­dene Ananas geht. Doch Agent Archer be­ruhigt: „Jaleen ist darauf fokussiert, mit Ludwigsburg den Titel zu gewinnen.“ Als Abschiedsgeschenk?