Baden war am vergangenen Samstag im Inneren des Leuze möglich, das 20-Grad-Warmbadebecken draußen war vorübergehend gesperrt wegen einer technischen Störung. Foto: Stuttgarter Bäder

Wer keinen Computer hat und ins Leuzebad gehen will, muss längere Wege in Kauf nehmen, um an die Tickets zu kommen. Nicht jeder ist darüber erfreut, wie ein Cannstatter Ehepaar berichtet.

Bad Cannstatt - Horst Mack (81) und seine Frau Renate (79) sehen sich benachteiligt, weil sie als Leuze-Stammgäste nicht so ohne weiteres an Eintrittskarten kommen. „Eine Zeit lang waren wir fast jede Woche im Leuze“, berichtet der Cannstatter. Heute fühlt sich das Ehepaar ausgegrenzt, weil es keinen Computer hat. Und deshalb nicht an Eintrittskarten kommt. Diese gibt es nämlich aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nur online. Da er kein Internet hat, kann er sich also nicht registrieren.

Freilich: Es gibt eine Alternative, hat Mack in Erfahrung gebracht. Doch diese Variante ist für ihn teuer und kompliziert, er müsste dafür quer durch die Stadt fahren. Denn er bekommt die Eintrittskarten nur bei den städtischen Bäderbetrieben in der Breitscheidstraße 48 im Stuttgarter Westen. Er kann sich zwar telefonisch anmelden, muss aber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, um die Karten abzuholen. Was ihn ärgert: Bei den Bäderbetrieben kann er nur Tickets für die nächsten drei Tage kaufen. Gerne würde er beispielsweise für drei Wochen im Voraus wöchentlich reservieren. Dies sei aber nicht möglich. Er müsste also jede Woche nach Stuttgart fahren, um die Karten abzuholen. Zusätzlich zum Eintritt fallen also noch Fahrtkosten an. Ständig mit der Stadtbahn fahren, kann und will Mack nicht. „Das geht ins Geld und kostet viel Zeit.“

Jens Böhm, Sprecher der Bäderbetriebe Stuttgart, bestätigt, dass das Leuze derzeit keine Kasse vor Ort hat, an der man Tickets kaufen kann. Es gebe in den Bädern wegen der Corona-Pandemie aus gutem Grund keinen Vorortverkauf von Eintrittskarten. Der Verkauf an der Kasse sei nicht machbar, weil sich dann Schlangen bildeten und dies gegen die Hygieneregeln verstoße, erklärt Böhm. Er bestätigt, dass Karten nur für drei Tage buchbar seien. Damit wollen die Bäderbetriebe zu vielen Stornierungen entgegentreten und jedem die Chance bieten, eine Karte zu ergattern. Badegästen wie dem Ehepaar Mack bliebe nur die Möglichkeit, die Karten in der Breitscheidstraße abzuholen und dort bar zu bezahlen. „Das ist unser Angebot für alle, die kein Internet haben“, sagt Böhm.

Bisher seien die Online-Bestellungen sehr gut angenommen worden. Die Leute würden sich freuen, dass sich die Bäderbetriebe etwas überlegt haben, meint Böhm. Es gebe eine große Nachfrage, die Tickets seien begehrt. So hätten sich schon seit Öffnung der Bäder im Juni weit über 170 000 Besucher online registriert. Die Besucherzahl vor Ort schwanke je nach Wetterlage. Vorvergangene Woche sei beispielsweise sehr viel los gewesen – bereits frühmorgens ab 7 Uhr.

Es gebe aber nur ein begrenztes Kontingent für jedes einzelne Bad: im Leuze sind dies pro Zeitfenster 450 Besucher, bei zwei „Schichten“ sind es also maximal 900 Badegäste pro Tag. Beschwerden über diese Regelung gebe es durchaus, aber eher wenige. „Der Großteil der Badegäste hat Verständnis für die Online-Bestellung der Tickets in dieser Sondersituation mit Corona“, sagt Böhm. Es gebe derzeit keine Überlegungen, die Kontingentierung von Eintrittskarten zu ändern. Gerade jetzt in den Sommerferien seien die Bäder beliebt. Und nachdem es wegen wieder steigender Corona-Neuinfektionen fast täglich eine neue Reisewarnung gebe, würden die Menschen verstärkt Urlaub zu Hause machen. Besonders beliebt seien deshalb die Nachmittags-Zeitfenster in den Freibädern.

Jenen, die wie das Ehepaar Mack ohne Computer und Internet auskommen müssen, versichert Böhm: Die Regelung sei keine böswillige Absicht. Betroffenen empfiehlt er, Freunde, Bekannte, Kinder und Enkelkinder um Hilfe zu bitten. Sie könnten die Karten für sie online beantragen oder jemanden zum Kaufen schicken. Für Horst Mack ist das kein guter Rat. Er sagt, dass seine Kinder nicht in der Nähe wohnen. Und er zieht für sich Konsequenzen: Horst Mack will angesichts der für ihn zu vielen Hindernisse lieber außerhalb Stuttgarts in andern Bädern schwimmen gehen. Er zeigt sich tief enttäuscht. „Ich habe ein brennendes Stuttgart erlebt und Bombenangriffe“, sagt er, der beim Wiederaufbau der Stadt mitgeholfen habe. Und der die Anerkennung für den Einsatz vermisst.

Am vergangenen Wochenende gab es übrigens Probleme beim 20-Grad Warmbadebecken im Außenbereich. Dieses konnte nicht benutzt werden, was Besucher geärgert hat, da sie den vollen Eintrittspreis bezahlt hatten. Sie beklagten auch mangelnde Kommunikation. „Am Samstag gab es eine dunkelgrüne Brühe im Außenbecken“, berichtet Badbesucher Hans-Peter Kuban. Auch seien nur sechs Duschen in der Warmbadehalle funktionsfähig. Böhm erklärt auf Nachfrage: „Die Trübung im 20-Grad-Außenbecken war auf ein technisches Problem zurückzuführen. Die Qualität des Wassers war aber nicht beeinträchtigt. Es bestand somit keine Gesundheitsgefährdung.“ Aufgrund der Trübung sei der Beckenboden nicht überall gut einsehbar gewesen. Aus Sicherheitsgründen sei daher das Becken temporär gesperrt worden. Ab 10.30 Uhr sei es jedoch am Samstag wieder freigegeben worden. „In den Duschbereichen in der Warmbadehalle hatten wir einen technischen Defekt“, so Böhm. Der eine Duschbereich sei aber seit 30. August wieder nutzbar. „Wir gehen davon aus, dass der zweite Bereich in der Warmbadehalle voraussichtlich ab Freitag wieder nutzbar sein wird. Ansonsten stehen auch Duschen in der Kaltbadehalle zur Verfügung“, so Böhm.

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