Termine für die Schutzimpfung gibt es unter 116 117. Foto: /Sebastian Gollnow

Mitarbeitende der ambulanten Pflegedienste gehören zum Personenkreis mit der höchsten Priorität, beim Patientenservice unter 116 117 erhielten sie aber keinen Termin für die Schutzimpfung.

Bad Cannstatt - Roland Wagner (Name geändert) staunte nicht schlecht. Zwar musste er nicht allzulange in der Warteschleife hängen, aber die Auskunft, die er erhielt, sorgte dann doch für Kopfschütteln. Denn als langjähriger Mitarbeiter eines Festbetriebes bei Frühlings- und Volksfest ist er einiges gewöhnt. Er wollte für seine Frau, Leiterin eines ambulanten Pflegedienstes im Raum Ludwigsburg, einen Impftermin unter der Hotline 116 117 vereinbaren. Alles lief reibungslos, doch als er den Mitarbeiter am Ohr hatte, meinte dieser, er nehme nur über 80-Jährige an und ambulante Pflegekräfte ab 65 Jahren. „Drei Kolleginnen meiner Frau erging es genauso“, berichtet Wagner. Und auch beim zweiten Anruf – er konnte nicht glauben, was ihm gesagt wurde – gab es wieder keinen Impftermin.

Laut aktualisierter Fassung der Impfverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit vom 8. Februar haben „Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen“ mit höchster Priorität Anspruch auf eine Schutzimpfung. Was ist da also schief gelaufen? Das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg klärt auf und bestätigt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste impfberechtigt seien und Termine vereinbaren dürfen. „Wir können ihnen aber leider erst in einigen Tagen wieder ein Terminangebot machen“, teilt der Pressereferent mit. Das hänge unter anderem mit der neuen Corona-Impfverordnung zusammen, die der Bund am Montag verkündet habe, und mit der Verwendbarkeit des neu gelieferten Astrazeneca-Impfstoffs. „Sobald dieser in Kürze in den Impfzentren verfügbar ist, können Mitarbeitende der Pflegedienste geimpft werden.“ Warum am Telefon die eher verwirrende Auskunft erteilt wurde, blieb ungeklärt. Roland Wagner muss nicht noch einmal anrufen. Er hat inzwischen online einen Termin für die Schutzimpfung seiner Frau bekommen.

Das Netzwerk Alter und Pflege, ein Zusammenschluss 80 katholischer Anbieter von stationärer und ambulanter Hilfe in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, fordert, dass die Impfung für ambulante Dienste vereinfacht wird. Derzeit müsse jeder und jede Mitarbeitende einzeln einen Termin in einem Impfzentrum vereinbaren. Abhilfe könnten Sammeltermine für Mitarbeitende in der Pflege in den Impfzentren schaffen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Mobilen Impfteams die Mitarbeitenden in der ambulanten Pflege impfen. Auch müsste die Unterstützung von Pflegebedürftigen, die zuhause leben, ausgebaut werden.

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