In einem Verkehrsversuch soll die Brücke am Ebitzweg für Autos gesperrt werden Foto: /Edgar Rehberger

Ein interfraktioneller Antrag macht sich für einen Verkehrsversuch stark. Die Brücke am Ebitzweg soll für Autofahrer gesperrt werden. Anwohner wollen dies mit einer Unterschriftensammlung verhindern.

Bad Cannstatt - Die Rathausfraktionen und -gemeinschaften von Grünen, FrAktion, SPD und Puls haben sich in einem interfraktionellen Antrag für einen Verkehrsversuch ausgesprochen. Die Brücke am Ebitzweg soll versuchsweise für den Autoverkehr gesperrt werden (wir berichteten). Die Zahl der Autos würde sich durch die Sperrung deutlich verringern, in der Remstalstraße der Verkehr auf Anlieger beschränken. Schülerinnen und Schüler könnten die Brücke gefahrlos queren. Und im angrenzenden Wohngebiet Winterhalde würde sich die Verkehrssicherheit deutlich erhöhen, da der Schleichverkehr wegfällt, sind sich die Antragsteller einig.

Elternprotest im Bezirksbeirat

Anfang des Jahres hatten Eltern in einer Bezirksbeiratssitzung ihrem Unmut Luft verschafft. Beklagt wurde die gefährliche Situation auf dem Schulweg ihrer Kinder. Wie schon 2007. Vor allem an der Kreuzung Remstal-/Dinkelsbühler Straße/Ebitzweg gebe es häufig brenzlige Situationen. Wegen der Kooperation zwischen der Eichendorff-Gemeinschaftsschule und dem Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium pendeln Schülerinnen und Schüler zwischen den beiden Schulen. Erschwerend kommt hinzu, dass an beiden Schulen derzeit emsig gebaut wird.

Reger Schriftwechsel

Die Situation ist also bekannt, was zu regem Schriftverkehr zwischen Elternvertreter und der Stadt geführt hat. Begehungen vor Ort mit Vertretern der Polizei und dem Ordnungsamt haben stattgefunden. Auch Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler hat sich alles angeschaut. Viel geändert hat sich nichts. Es gibt einen provisorischen Zebrastreifen vor dem „Elly“. Die Stadt verweist auf Tempo 30 in diesem Bereich, dies mache einen zusätzlichen Zebrastreifen überflüssig. Die Fahrbahn auf der Brücke ist eingeengt. Dies führt dazu, dass Autofahrer – der Berufsverkehr nutzt die Strecke als Ausweichroute zwischen Fellbach und Stuttgart – die Brücke zügig überqueren, um ein Rangieren im Begegnungsverkehr zu vermeiden. Die unsichere Situation hat dazu geführt, dass Eltern ihre Kinder vermehrt zur Schule fahren. Die Antragsteller sehen daher im Verkehrsversuch die wirksamste und am schnellsten zu realisierende Maßnahme, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

Anwohner gegen Versuch

Der Vorschlag löst nicht nur Begeisterung aus. Anwohner aus dem oberen Bad Cannstatt planen eine Unterschriftenaktion. Es sei „unverantwortlich“, die Brücke am Ebitzweg zu sperren. „Das wäre eine Katastrophe für das obere Bad Cannstatt“, sagt Anwohnerin Margret Eifert. Es gebe vom oberen Bad Cannstatt – „dort leben viele ältere Menschen“ – persönliche Verbindungen auf die andere Seite der Brücke. Etwa zur Andreä-Gemeinde. „Sie bietet viele Angebote für ältere Menschen, auch eine Bücherei.“ Oder zur Apotheke, zur S-Bahn oder auf den Friedhof. Der Fußweg sei zu beschwerlich. Ihr Mann ist im August gestorben. Sollte die Brücke am Ebitzweg gesperrt werden, müsse nicht nur sie über die Nürnberger/Waiblinger Straße fahren. „Das ist weit außenrum.“ Wo doch eigentlich weniger gefahren werden sollte statt mehr. Dann sei es nicht verwunderlich, wenn sich die Menschen nach Fellbach orientieren. Doch das wolle sie nicht. „Ich bin eine alte Cannstatterin, an der Lutherkirche aufgewachsen.“ Und nur zu kritisieren, ist ihr zu wenig. Auch mit 86 Jahren könne man noch etwas tun. Daher wird sie die Unterschriftenaktion unterstützen. Sie wolle nicht vom Leben in Bad Cannstatt abgeschnitten werden.

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