Heute heißt es wieder: Schule hat begonnen. Foto: /Arne Dedert

Nach den Sommerferien und einem turbulenten letzten Halbjahr startet jetzt wieder der Schulalltag. „Es ist nach wie vor eine Herausforderung für alle Beteiligten“, sagt Schulamtsleiter Thomas Schenk.

Bad Cannstatt - Heute wird es wieder Ernst. Nach einem äußerst schwierigen letzten Schulhalbjahr beginnt ein neues Schuljahr, in dem prinzipiell wieder Präsenzpflicht herrscht. „Die letzten sechs Monate waren eine extreme Herausforderung für alle Beteiligten“, beschreibt Thomas Schenk, der Leiter des Staatlichen Schulamtes, die turbulente Zeit. Und da die Pandemie noch nicht ausgestanden ist, kann von Normalität und geregeltem Unterricht nicht die Rede sein.

Für 1705 Schülerinnen und Schüler war bereits Schulbeginn. Sie nahmen am Lernbrückenprogramm teil. Gedacht für diejenigen, die mit Fernlernen zu Hause schwer erreicht werden konnten oder für die der Präsenzunterricht nach Wiederöffnung der Schulen zu spät begann, konnte in den letzten beiden Ferienwochen die Lernlücken in den Fächern Deutsch und Mathematik gefüllt werden.

Erfolgreiche Lernbrücken

Im Bereich des Staatlichen Schulamtes wurde das Programm an Grundschulen, an der Sekundarstufe I der weiterführenden Schulen und den Förderschulen, den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ), angeboten. Es gab 59 Standorte, 139 Lernbrückengruppen mit 1705 Schülerinnen und Schülern. 230 Personen waren im Schulamtsbezirk Stuttgart im Einsatz, darunter 153 Bestandslehrkräfte, 16 Vertretungskräfte, 6 Pensionärinnen, 26 Personen mit pädagogischer Vorqualifizierung und auch 29 neu eingestellte Lehrkräfte. Für sie begann die „Lehrkarriere“ 14 Tage früher. „Das war eine gute Sache“, beschreibt Schenk. Diese Herausforderung sei gut gemeistert worden. Denn im Vorfeld wurden große Bedenken geäußert. „Alle Schüler, die sich gemeldet haben, bekamen einen Platz.“ Und auch die Rückmeldungen waren positiv. Alle Teilnehmer seien sehr lernwillig, die Atmosphäre sehr konzentriert und ruhig gewesen. „Es wurden große individuelle Defizite und fachliche Lücken festgestellt“, ergänzt Petra Meyer, die das Programm betreute. „Das heißt, es waren genau die Richtigen da.“ In den 14 Tagen seien große Lernschritte erfolgt.

Drei Sommerschulen

Zudem gab es drei Sommerschulen, die jeweils eine Woche Angebot auflegten. Im Stadtmedienzentrum ging es um Sprachförderung, digitale Kompetenz und Homeschooling, in der Elise-von-König-Schule in Münster, an der es zudem Lernbrücken für die Klassenstufen 5 bis 9 gab, für 25 Kinder der Klassenstufen 2 bis 4 vormittags um Mathe und Deutsch, nachmittags um Sport und Kultur. Im Aktivpark Bergheide standen für 18 Mädchen und 17 Jungs aus sieben Schulen vormittags Deutsch, Mathe und Englisch, nachmittags Erlebnispädagogik und offene Angebote auf dem „Stundenplan“.

Im Laufe der Woche werden 4424 Erstklässler eingeschult, 117 davon in die SBBZ. Bei den Einschulungsfeiern in den 69 Grundschulen müssen Hygienevorschriften und Abstand eingehalten, Mund-Nase-Schutz getragen werden. „Die Veranstaltungen sollten auf die Eltern beschränkt sein“, betont Schenk. Bei mehreren Klassen könne die Feier auf mehrere Tage verteilt werden.

134 neue Lehrkräfte

Zum Start des neuen Schuljahres werden an den öffentlichen Grundschulen, Werkrealschulen, Grund- und Werkrealschulen, Gemeinschaftsschulen, Realschulen und SBBZ in der Landeshauptstadt 134 neue Lehrkräfte eingestellt, deutlich weniger als im Vorjahr. Da warten es 170. Schenk: „Wir haben nicht alle bekommen, die wir benötigen.“ Auffallend auch: 83,6 Prozent davon sind Frauen.

Die Unterrichtsversorgung sei an allen Schulen weitestgehend sichergestellt. Viele Stellen konnten bereits in den Ausschreibungsverfahren besetzt werden. „Wir sind permanent am Requirieren.“ Seit Dezember würden permanent Einstellungen vorgenommen. „Bestehende Defizite konnten durch Abordnungen aus überversorgten Schulen weitgehend ausgeglichen werden.“ Keiner davon sei gegen seinen Willen in andere Schulen abgeordnet worden.

Lehrerversorgung im Fluss

Generell sei die Lehrerversorgung noch im Fluss. Das Schulamt unterstützt die Schulen in ihren Bemühungen. „Da wird nach Lösungen gesucht“, sagt Schulamtsdirektorin Sabine Graf. Etwa kleinere Klassen zusammengefasst. Im Grundschulbereich gebe es noch rund zehn offene Stellenanteile. Weil im vergangenen Schuljahr alle versetzt wurden, fällt die Zahl der Schulwechsel sehr gering aus. „Dieses Angebot wird wahrgenommen“, so Birgit Popp-Kreckel, die stellvertretende Schulamtsleiterin. Da werde es in der nächsthöheren Klassenstufe versucht und das vorgeschlagene freiwillige Wiederholen ausgeschlagen. Eine größere Welle an Schulwechslern im Lauf des Jahres ist daher nicht auszuschließen.

Generell gelte für das neue Schuljahr: „Wir müssen abwarten, wie sich alles entwickelt, wie die Zahlen aussehen,“ so Popp-Kreckel. Was klappt, was nicht? Gegebenenfalls müsse den Schulen zusätzliche Hilfen geboten werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: