Seinen Namen erhielt der Wilhelmsplatz in Cannstatt im Jahr 1850. Das Foto stammt aus dem Jahr 1925 und zeigt die Straßenbahnlinie 13, die zwischen Feuerbach und Cannstatt fuhr. Foto: CZ-Archiv Quelle: Unbekannt

Von Uli Nagel

Der Wilhelmsplatz gehört nicht zu den schönsten Plätzen in Cannstatt, der wichtigste ist er allemal. Doch wie lange trägt er noch seinen Namen? Geht es nach der SPD-Gemeinderatsfraktion, könnte der Verkehrsknoten doch gut in Helmut-Schmidt-Platz umgetauft werden. Zumal es in der Innenstadt einen zweiten Wilhelmsplatz gibt, was vor allem bei Ortsunkundigen oft zu Irritationen führt. Die Verwaltung soll prüfen, welcher der Plätze sich als Helmut-Schmidt-Platz eignet.

Sobald ein renommierter Politiker das Zeitliche segnet, stehen die Parteien Gewehr bei Fuß und wollen ihr einst so verdienstvolles Mitglied nachhaltig und sichtbar gewürdigt wissen. So forderte der FDP-Kreisverband Stuttgart im April in einem Beschluss des Parteivorstands die Benennung einer Straße oder eines Platzes in der Landeshauptstadt nach Hans-Dietrich Genscher. Der ehemalige Außenminister war am 31. März im Alter von 89 Jahren verstorben. Doch auch die CDU hat einen Namen in petto: Manfred Wörner. Nach dem ehemaligen Nato-Generalsekretär, der seine Jugend in Bad Cannstatt verbracht und im Johannes-Kepler-Gymnasium die Schulbank gedrückt hatte, soll der Platz, der in den kommenden Monaten vor der Reiterkaserne entsteht, benannt werden.

Da darf die SPD als Antragssteller natürlich nicht fehlen. Immerhin starb mit Helmut Schmidt, der acht Jahre lang Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland war, einer der renommiertesten und beliebtesten Nachkriegs-Politiker der Sozialdemokraten Ende 2015. Die Gemeinderatsfraktion hat ihrer Meinung nach zwei Plätze parat, die beide den gleichen Namen tragen und der Persönlichkeit und dem Schaffen Schmidts gerecht werden: Den Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt und den Wilhelmsplatz in der Innenstadt. „Um ihn für seine großen Verdienste um dieses Land zu würdigen, halten wir es für angebracht, ihm einen bedeutenden Platz der Stadt zu widmen“, heißt es in der Begründung ihres Antrags. Zudem könne sich dadurch ein Problem lösen lassen: Denn dass es in der Landeshauptstadt zwei Wilhelmsplätze gibt, würde vor allem bei Ortsunkundigen und Touristen für Verwirrung sorgen.

Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle ist das SPD-Anliegen nur zu gut bekannt, wie übrigens weitere rund 100 Vorschläge für Straßen- und Platzbenennungen. „Diese Liste ist vor einigen Jahren entstanden, ohne dass sie jemals abgearbeitet werden konnte“, so Wölfle. Dafür entstehen eben in der Landeshauptstadt zu wenig neue Straßen und Plätze. Höchste Zeit für den Verwaltungsbürgermeister, hier mit den Fraktionen einmal Tacheles zu reden, weshalb er am 6. Juli zum Gespräch bittet. „Wir müssen festlegen, wie wir in Zukunft mit der Vorschlagsliste umgehen wollen“, so Wölfe. Seiner Meinung nach mache es wenig Sinn, das Papier mit immer mehr Namen zu ergänzen.

In diesem Zusammenhang wolle er das Thema Aufsiedlung des Neckarparks zur Sprache bringen. „Auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Areal entstehen neue Straßen und Plätze - in welche thematische Richtung die Verwaltung bei der Namensgebung gehen soll, muss der Gemeinderat rechtzeitig festlegen.“ Genauso sei die Stadt auch im Europaviertel hinterm Hauptbahnhof vorgegangen. Warschauer Straße, Mailänder und Paris Platz - schon bevor die ersten Bagger anrückten, wehte ein Hauch von Europa übers A-1-Areal.

Übrigens: Obwohl das heutige Bad Cannstatt dem Namensgeber König Wilhelm I. (1781 bis 1864) sehr viel zu verdanken hat, unter anderem das Schloss Rosenstein, die Wilhelma und das Cannstatter Volksfest, war der einstige „Feind“ aus dem benachbarten Stuttgart schneller. Denn dort wurde der Wilhelmsplatz, heute vor allem durch das „Henkersfest“ bekannt, bereits 1832 nach dem großen Gönner benannt. Zu dieser Ehre kam König Wilhelm I. in Cannstatt erst im Jahr 1850.

Meinungen in Facebook zum SPD-Vorschlag

In den sozialen Medien wird das teilweise sehr kritisch bewertet. Hier einige Kosteproben:

„Helmut Schmidt kann sich ja nicht mehr wehren, aber eigentlich ist der Wilhelmsplatz in Cannstatt zu hässlich, um sich mit dem Namen Schmidts schmücken zu dürfen.“

„Ich sehe schon: Auch bei der nächsten Kommunalwahl wird die SPD nichts zum Lachen haben. Sollen die Sozis doch den Platz im Kessel umbenennen, unser WHP bleibt auch unser WHP!“

„Auf keinen Fall, den Platz in Stuttgart kann man umbenennen, den kennt eh koi Sau.“

„Sonst gibt’s keine anderen Probleme in Bad Cannstatt und Stuttgart?“

„Was hat Schmidt mit Cannstatt zu tun? Warum nicht König-Wilhelm-Platz, das würde wenigstens einen Sinn ergeben.“

„Sollten sich mal um wichtigere Sachen kümmern und wer es verwechselt, der sollte einfach mal die Postleitzahl mitbenutzen.“

„Nix da. Ich wohne hier und der Name bleibt.“

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