Der Recyclingpark Neckartal von oben. Foto: /Stephan Karle

Im März vorigen Jahres erteilte das Regierungspräsidium dem Recyclingpark Neckartal die Genehmigung für Seitdem wird emsig gebaut. In drei Monaten sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Bad Cannstatt - Vor dreieinhalb Jahren hat der Recyclingpark Neckartal den Antrag gestellt, am Standort Neckartalstraße eine Anlage für den Umschlag und die Lagerung von gefährlichen und nicht-gefährlichen Abfällen einzurichten und zu betreiben. Der Standort wird bereits seit 1991 als Recyclingplatz genutzt. Der Recyclingpark Neckartal ist ein Zusammenschluss der drei zertifizierten Entsorgungsfirmen Fischer Weilheim, Degenkolbe Recycling, das bereits seit 2017 im Vollbetrieb in der Neckartalstraße aktiv ist, und Karle Recycling. Alle drei weisen langjährige Erfahrung auf. Schwerpunkt liegt auf Papier-, Kunststoff- und Mineralik-Recycling, sowie dem Betrieb eines Wertstoffhofs. Im März vorigen Jahres erteilte das Regierungspräsidium grünes Licht. Die Aufarbeitung hat viel Zeit in Anspruch genommen, mehr als 800 Einwendungen gingen ein. Eine Klage ist noch beim Verwaltungsgericht anhängig, eine zweite wurde zwischenzeitlich zurückgezogen.

Die Klage hat aber keine Auswirkungen auf den Betrieb. Auf dem Gelände wird emsig gebaut und gearbeitet. „In etwa drei Monaten haben wir weitgehend umgesetzt, was genehmigt wurde“, informiert Geschäftsführer Stephan Karle über den aktuellen Stand. Dann wird auch der Wertstoffhof fertig sein, der von Handwerkern und Privatpersonen genutzt werden kann. „Alles kann ebenerdig ausgeladen und entsorgt werden.“ Die einzelnen Bereiche sind mit speziellen, sechs bis acht Meter hohen Stahlwänden umgeben. „Das erlaubt Gegenschub für hohe Halden“ führt Albrecht Tschackert, der Koordinator für Kreislaufwirtschaft bei Fischer Weilheim, aus.

Gegen den anfallenden Staub sind Befeuchtungsanlagen im Einsatz. Sie werden mit gesammeltem Regenwasser gespeist, für das mehrere Tanks im Boden eingelassen wurden. Sie fassen 550 Kubikmeter und waren einst für Heizöl im Einsatz. „Auch da setzen wir auf Wiederverwendung“, betont Tschackert. Sichtbar ist auch das Förderband, auf dem der recycelte Beton als neuer Baustoff transportiert wird. Der Beton wird künftig von einem elektrisch betriebenen Brecher zerkleinert, bevor er aufs Förderband kommt. Diesen hat eine Schweizer Firma hergestellt. „Er ist viel leiser, die Lärmwerte der Genehmigung werden weit unterschritten“, sagt Tschackert. Am Ende des Förderbandes wird noch eine Vernebelungsanlage installiert, um Staubentwicklung zu unterbinden. Das zerkleinerte Material, das genauen Vorschriften unterliegt, kommt wieder beim Straßenbau in der Landeshauptstadt zum Einsatz. In der oberen Halle kann auf einem mit Spezialfolien gestalteten Untergrund Erdreich, das mit Schadstoffen belastet ist, bis zur endgültigen Entsorgung unter strenger Begutachtung sicher gelagert werden. Immer wieder kommt es vor, dass bei Erdaushub auf Baustellen Material zutage kommt, das „bedenklich riecht“. Diese Verdachtsfälle werden genau untersucht. Solange müsste der Baubetrieb eigentlich ruhen. Um Baustillstand zu verhindern, kann dieses Material in der Neckartalstraße trocken gelagert werden.

„Wir agieren hier alle unter hohem technologischem Standard“, betonen Karle und Tschackert unisono. „Es muss alles aus einem Guss sein“, so Karle, „mit einem schlüssigen Konzept. Unsere Unternehmen entwickeln sich nachhaltig, weil wir auch so arbeiten.“ Auch Fischer Weilheim, seit 93 Jahren aktiv, sei schon immer bemüht gewesen, so umweltverträglich wie nur möglich zu sein, ergänzt Tschackert. Ökologisches Bewusstsein sei Geschäftsführer Hans-Jörg Fischer sehr wichtig. So finden Eidechsen auf dem Gelände beste Bedingungen vor. Die Auflagen wurden mehr als erfüllt, Unterschlupf- und Brutmöglichkeiten geschaffen. Wo es händisch nicht möglich ist, kommt eine Anspritzbegrünung zum Einsatz, die Kräuterwachstum unterstützt.

Für ausreichend Nahrung ist also gesorgt. Auch an ein Fledermaushabitat wird gedacht, Mauersegler bekommen passende Nisthilfen. Der Nabu, mit dem eine Partnerschaft besteht, ist zufrieden. Führungen sind denkbar. Auch Anwohner profitieren. Entlang der Bahnlinie wird außen wie innen Lärmschutz angebracht. In der Kalenderwoche 30 oder 31 werden die Straßen und Lagerflächen asphaltiert. Auch dieser Belag ist speziell – er ist halbstarr, mit einer dünnen Zementlösung behandelt und hochstabil. Dann werden noch zwei Reifenwaschanlagen installiert, gespeist mit Niederschlagswasser. Fertiggestellt ist schon länger die obere Zufahrt vom Zuckerfabrikareal. „Die wird aber nur von Rettungskräften und im Notfall genutzt. Das kam aber bisher nicht vor, und wird so hoffentlich auch bleiben“, sagt Karle.

Die prognostizierten LKW-Fahrten werden eingehalten. Bei Fischer Weilheim sind es 60, bei Großaufträgen bis zu 100 – „mehr verkraftet der Standort nicht“, so Tschackert – und mit den Fahrten von Degenkolbe werden maximal 150 Fahrten am Tag erreicht. „Unsere Fahrer stellen abends ihr Fahrzeug auf dem Gelände ab und übernachten.“ Dafür hat Fischer Weilheim die alte Lauster-Villa für einen sechsstelligen Betrag saniert. Im Untergeschoss sind Büros für fünf Mitarbeiter, darüber Übernachtungs- und Wohnmöglichkeiten für 15 Fahrer in Einzelzimmern. Als nächster Schritt steht im Recyclingpark Neckartal eine großflächige Photovoltaikanlage zur Selbstversorgung und eine Videoüberwachungsanlage auf dem Programm.

Verkehrskonzept greift

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