Foto: Uli Nagel

Am 17. Oktober ist letzter Verkaufstag im Kaufhof Bad Cannstatt. Nach 44 Jahren ist dann Schluss in der Markstraße. Nichts dran ist an den Gerüchten, Primark würde die Räume übernehmen.

Bad Cannstatt - Am 17. Oktober ist definitiv Schluss. Der Samstag ist der letzte Verkaufstag. Dann schließt der Kaufhof nach 44 Jahren in Bad Cannstatt. 38 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Die Bemühungen, den Standort zu sichern, schlugen fehl. Galeria Karstadt Kaufhof zieht sich aus dem größten Stuttgarter Stadtbezirk zurück. Die Standorte in der Stuttgarter Innenstadt bleiben erhalten.

Das Aus des Kaufhofes in der Marktstraße hat ordentlich Unruhe ausgelöst, sorgte doch die Filiale für Kundschaft in der Altstadt. Die große Frage: Was passiert mit dem Gebäude? Der Verein Die Altstadt Bad Cannstatt (DABC) und der Gewerbe- und Handelsverein, Vereine für Dienstleistung und freie Berufe Bad Cannstatt (GHV/VDF) plädiert für Abriss und Neubau (wir berichteten). Wichtig sei, so betonten die beiden Vorsitzenden, dass schnell etwas passiert. Die Besitzverhältnisse erschwerten die Verhandlungen. Das Grundstück zwischen der Bad- und Marktstraße hat mit der BW Bank, einer Erbengemeinschaft sowie einem Unternehmen insgesamt drei Eigentümer. Die Altstadt Bad Cannstatt und der Gewerbe- und Handelsverein setzen daher auf Unterstützung der Stadt. Diese wurde bereits aktiv.

Wirtschaftsförderung ist aktiv

Die Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Stuttgart steht mit den beteiligten Akteuren rund um den betroffenen Kaufhof-Standort in Kontakt. „Damit verfolgen wir das Ziel, eine zielführende Entwicklung am Standort zu fördern“, beschreibt Matthias Pfeiffer von der Wirtschaftsförderung. Auf Einladung der Wirtschaftsförderung habe bereits ein gemeinsamer Gesprächstermin mit Eigentümervertretern und SIGNA, der Galeria Karstadt Kaufhof, stattgefunden, an dem auch weitere Vertreter der Stadtverwaltung teilgenommen haben. Das Gespräch diente vor allem der Klärung, wie die Betroffenen mit der Situation umgehen, was sie künftig planen und ob hier eine Gesamtentwicklung unter Einbeziehung der Stadt zu erreichen ist. „Die Gespräche befinden sich allerdings erst am Anfang und werden in den nächsten Wochen und Monaten fortgesetzt werden“, so Pfeiffer.

Wilde Gerüchte

Unterdessen kursieren wilde Gerüchte um die Nachfolge. So war immer wieder zu hören, dass Primark das Gebäude nutzen will. Die Kette aus Irland, 1969 in Dublin gegründet, betreibt bereits zwei Filialen in der Stuttgart – im Milaneo und in der Königstraße. 1973 wurden in Großbritannien die ersten Stores eröffnet, 2006 folgte Spanien, 2008 die Niederlande, ein Jahr später Portugal, Deutschland und Belgien. 2015 erfolgte der Sprung in die USA, 2016 kam Italien und 2019 Slowenien dazu. Mittlerweile betreibt das Unternehmen 370 Stores in zwölf Ländern in Europa und den USA. Das Unternehmen ist also stetig auf der Suche nach neuen Standorten. Bad Cannstatt stehe jedoch nicht auf der Liste, wird versichert.

Nachhaltige Unternehmen gefragt

DABC-Sprecher Dirk Strohm hofft auf Flächen für zehn bis zwölf Geschäfte mit Platz von jeweils 200 bis 300 Quadratmetern, hätte nichts gegen nachhaltige Unternehmen. Das Klientel dafür wäre vorhanden, ist er überzeugt. GHV/VDF-Vorsitzender Achim Barth plädiert zudem für einen großen Lebensmittelhändler. Die CDU-Rathaus-Fraktion schlägt vor, dass die Stadt das Grundstück erwirbt und anschließend „altstadtgerecht“ bebaut. Ziel müsse sein, wieder eine vielfältige, attraktive und zeitgemäße Einzelhandelsstruktur zu schaffen, die auch neue Käuferschichten erschließen könne.

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