Meike Matalik und Bettina Oehl vom Caritasverband übergeben Revierleiter Jörg Schiebe (von links) die Urkunde und den Aufkleber als anerkannter Demenz-Partner. Foto: /Edgar Rehberger

Das Cannstatter Polizeirevier in der Martin-Luther-Straße ist jetzt Demenz-Partner. Die Beamtinnen und Beamte haben sich entsprechend schulen lassen, um im Einsatzfall besser vorbereitet zu sein

Bad Cannstatt - Nach der erfolgreichen Schulung gab es für die Beamtinnen und Beamten des Polizeireviers 6 Martin-Luther-Straße eine personalisierte Urkunde. Revier und Beamten gelten damit als Demenz-Partner. Revierleiter Jörg Schiebe nahm die Urkunden und den Aufkleber entgegen und versprach, diesen auch anzubringen.

Insgesamt gab es sechs Schulungen im Revier, durchgeführt von Vertretern des Gerontopsychiatrischen Dienstes (Gerbera) des Caritasverbandes (wir berichteten). Denn immer wieder kommt es zu herausfordernden Szenen beim Umgang mit demenzkranken Menschen und ihren Angehörigen, auch für die Polizei. Alle Beteiligten bewegen sich auf einem schmalen Grat. Die Beamten wissen im Einsatzfall nicht zwingend, dass es sich um eine demenzkranke Person handelt. Diese können sich mitunter unberechenbar und auch aggressiv verhalten.

Notwendige Schulung erkannt

Die Gerbera-Mitarbeitenden erkannten den Bedarf nach Aufklärung. Endgültigen Anstoß zum Handeln gab Stadtseniorenrätin und ehemalige SPD-Stadträtin Marita Gröger. Sie erlebte einen Einsatz in der Neckarvorstadt mit, der bei Sachkenntnis ganz anders und für alle Beteiligten angenehmer verlaufen wäre. Sie informierte Bettina Oehl vom Gerontopsychiatrischen Zentrum Bad Cannstatt darüber. „Hier fehlt es an der notwendigen Schulung“, so Gröger. „Ich mache den Polizisten keinen Vorwurf, aber die Mitnahme eines randalierenden und vielleicht alkoholisierten Täters muss sich von der Mitnahme eines demenzkranken Menschen unterscheiden.“

Bettina Oehl nahm Kontakt mit dem Cannstatter Revier auf, das großes Interesse an fachlichem Input zum Thema Demenz äußerte. Bei den Schulungen wurde unter anderem aufgezeigt, wie eine gelingende Kommunikation mit Demenzkranken möglich ist. „Es gab viele Rückmeldungen und Nachfragen,“ berichtet Meike Matalik über einen regen Austausch bei den Schulungen. Bei der Nachbesprechung wurde von den Beamten ein Merkblatt angeregt. Im Einsatzfall gebe es emotional aufgewühlte Situationen. Da sei eine Checkliste gut, auf der auch Anlaufstellen nützlich wären. Jeder Einsatz sei zwar anders, aber eine Checkliste biete eine Orientierungshilfe und Handlungsanleitung. „Wir wollen ja auf Menschen bezogen handeln“, führte Revierleiter Schiebe aus, der eine weitere Zusammenarbeit zusicherte. Schulungen für neu zum Revier stoßende Kolleginnen und Kollegen sind vorgesehen. „Wir wollen immer auf dem neuesten Stand sein.“ Bei den Treffen des Netzwerkes „Gemeinsam für ein demenzfreundliches Bad Cannstatt“ werde auch eine feste Ansprechpartnerin des Reviers dabei sein.

Ausweitung angeregt

Eine Ausweitung auf ganz Stuttgart erscheint den Beteiligten sinnvoll. „Das ist auf Stadtteilebene aber zielführender“, so Schiebe. „Das ist der effektivere Weg“, bestätigte Klaus Obert, Leiter der sucht- und sozialpsychiatrischen Hilfen in Stuttgart. Sozialplanung und Ordnungsamt könnten dann auch miteinbezogen werden. Derzeit werde daran gearbeitet, wie diese Schulungen umgesetzt werden können. Angeboten werden soll dies dann auch für allgemein psychische Erkrankungen.

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