Imbissbuden und Trödelläden bestimmen das Bild am Eckgrundstück Bahnhof-/Daimlerstraße. Foto: /Edgar Rehberger

Rainer Vögele will mit seinem Unternehmen emsp seit 2103 das Eckgrundstück Daimler-/Bahnhofstraße bebauen. 28 Wohnungen könnten entstehen. Damit sei das Gebäude aber zu hoch. Jetzt ist ein letzter Versuch mit geänderter Dachform geplant.

Bad Cannstatt - So langsam verliert Rainer Vögele die Geduld. Seit 2012 wartet der Geschäftsführer des Unternehmens emsp auf grünes Licht für den Bau eines Wohn- und Geschäftshauses in der Bahnhof-/Daimlerstraße. Die Fläche gegenüber des Carrés gehört dem Cannstatter Unternehmen. Auf dem Eckgrundstück dominieren jedoch immer noch Imbiss- und Verkaufsstände. Zwei Anläufe hat der Geschäftsführer bereits unternommen, doch die Anträge fanden keine Unterstützung. Der Bauantrag für ein achtstöckiges Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgaragen und 28 Wohnungen war mit der Verwaltung und dem Baubürgermeister Matthias Hahn abgesprochen. Nach Einsprüchen zweier Nachbarn wurde der Antrag zurückgezogen, hätte aber auch keine Chance auf Realisierung.

18 Wohnungen umsetzbar

Es ist baurechtlich nicht zulässig und wird städtebaulich nicht gern gesehen, hieß es im Unterausschuss Wohnungsbau des Gemeinderates im vergangenen Jahr. Umsetzbar wäre ein Gebäude mit 18 Wohnungen. Dies wurde in einem zweiten, abgespeckten Bauantrag im Jahr 2015 gefordert. Zwischenzeitlich hat sich flächenmäßig auf dem Grundstück einiges geändert. Das Wegerecht ist geklärt, nachbarschaftliche Einwände nicht mehr zu erwarten. Vögele erhielt Unterstützung von den Gemeinderatsfraktionen der Freien Wähler, CDU, SPD und FDP. Sie forderten in einem gemeinsamen Antrag, den Antrag von 2013 mit 28 Wohnungen umzusetzen – „in Anbetracht der dringend benötigten Wohnungen in Stuttgart“.

Dazu müsste das Planrecht geändert, ein neuer Bebauungsplan erstellt werden. Baubürgermeister Peter Pätzold wies daraufhin, dass dies, sollte der Gemeinderat dafür plädieren, einige Zeit in Anspruch nehmen würde. „Zwei Jahre sind bei so einem Verfahren schnell vorbei.“ Darüber kann Rainer Vögele nur müde lächeln. „Wir warten jetzt seit 2013.“

Kein aktueller Bauantrag

Im Bezirksbeirat Bad Cannstatt im Februar diesen Jahres erläuterte Angela Weiskopf vom Amt für Stadtplanen und Wohnen noch einmal die Haltung der Stadtverwaltung. „Der Bebauungsplan und somit das Baurecht sprechen eine deutliche Sprache, obwohl das Einkaufszentrum gegenüber sehr viel höher ist als die gewünschten acht Stockwerke.“ Die um eineinhalb Stockwerke und zehn Wohnungen abgespeckte Version hingegen sei genehmigungsfähig. Für diese liege aber kein aktueller Bauantrag vor. Der Ball liege laut Stadtplanungsamt jetzt beim Grundstücksbesitzer.

Bezirksbeirat für Baugebot

Das aber reichte der Mehrheit im Gremium nicht aus. Grüne, SPD sowie Fraktionsgemeinschaften Puls und FrAKTION plädierten für ein Baugebot. „Dies sei in der Landeshauptstadt absolut unüblich“, beschrieb Grünen-Sprecher Peter Mielert, aber die Stadtverwaltung müsse zügig prüfen, ob es in diesem Fall ausgesprochen werden könne. Angesichts des akuten Wohnungsmangels gebe es ein öffentliches Interesse, an der Stelle Wohnungen zu bauen. Die Situation mit den vielen Imbissbuden und Verkaufsständen sei auch nicht länger hinnehmbar. Durch ein Baugebot kann der Eigentümer verpflichtet werden, binnen einer angemessenen Frist sein Areal entsprechend des Bebauungsplans zu bebauen. Ein Baugebot kann aber nur angeordnet werden, wenn die Umsetzung für den Eigentümer finanziell zumutbar ist. Der Antrag fand bei drei Enthaltungen Zustimmung.

Noch ein Versuch

Auch darüber schüttelt Vögele mit dem Kopf. In den Ausschüssen seien irreführende Infos bezüglich der Höhe ausgegeben worden. So langsam reiße der Geduldsfaden. „Wir unternehmen wohl noch einen letzten Versuch mit einer geänderten Dachform.“ Dann wird sich zeigen, ob diese fast schon unendliche Geschichte um eine angemessene Bebauung an markanter Stelle für Bad Cannstatt doch noch zu einem vernünftigen Ende kommt, mit dem auch alle zufrieden sind.

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