Peter Mielert Foto: /Max Kovalenko

Am 12. November 1980 saß Peter Mielert zum ersten Mal für die Grünen im Bezirksbeirat Bad Cannstatt. In den 40 Jahren hatte der passionierte Radfahrer einige Themen angestoßen und viel erreicht.

Bad Cannstatt - So lange wie Peter Mielert hat es keiner ausgehalten. Seit 40 Jahren sitzt er für die Grünen im Bezirksbeirat Bad Cannstatt. Eine wahrlich lange Zeit mit unzähligen Sitzungen und noch mehr Themen und Vorlagen.

Er weiß noch, dass er bei seiner ersten Bezirksbeiratssitzung, die im Speisesaal des Altenheims des Evangelischen Vereins in der Brunnenstraße stattfand, aufgeregt war. „Ich saß hinten ziemlich einsam in der Ecke.“ 21 Mitglieder hatte das Gremium damals. „Die meisten waren mir unbekannte Leute.“ Nach der Landtagswahl 1980 erhielten die Grünen einen Sitz im Bezirksbeirat. Einen Cannstatter Ortsverband gab es damals noch nicht und Peter Mielert war auch noch nicht Grünen-Mitglied. „Die Grünen waren auf der Suche nach einem Kandidaten für den Bezirksbeirat und haben mich gefragt.“

Zum Studium nach Stuttgart

Mielert, im westfälischen Münster geboren und aufgewachsen, arbeitete der gelernte Schreiner als Bauingenieur bei einem renommierten Architekten in Münster, der eine Professur an der Uni Stuttgart hatte. „Er fragte mich, ob ich nicht dort mein Diplom machen wollte.“ So kam Peter Mielert 1968 fürs Architekturstudium nach Stuttgart. Seine erste Bude war eine Dachkammer im Sommerrain. „Ich bin immer mit der Linie 21 von der Oberen Ziegelei an die Uni gefahren. Diese sollte eingestellt werden. Da hat es bei mir Klick gemacht. Mir wurde klar, dass ich mich dafür einsetzen muss, wenn die Linie 21 erhalten werden soll.“

In Bürgerinitiativen engagiert

Mielert wurde aktiv, unter anderem in den Bürgerinitiativen „Rettet die Cannstatter Altstadt“ und „Wohnen im Seelberg“, aus der der Aktivspielplatz entstand. „Damals musste man für Kinderspielplätze noch demonstrieren.“ Die Bürger zu beteiligen, stand noch nicht hoch im Kurs. 1974/75 ging es um die Sanierung der Altstadt, was heftig diskutiert wurde. „Wir haben verhindert, dass ein Parkdeck auf das Kaufhofdach kommt.“ Im Seelberg war 1978 kein Radweg auf der Deckerbrücke geplant. „Da haben wir einen Brief an den Bezirksbeirat geschrieben und uns dafür eingesetzt.“ Als passionierter Radfahrer – wen wundert’s, wenn man aus der Radhochburg Münster kommt – standen Radfahrer und Fußgänger schon immer bei ihm hoch im Kurs. Bis heute.

Den Grünen aufgefallen

Mielert war also den Grünen aufgefallen und feierte am 12.11.1980 Premiere im Bezirksbeirat Bad Cannstatt. Bezirksvorsteher war damals Willi Schwenger. Bereits kurz danach stellte Mielert seinen ersten mündlichen Antrag – zur Neckarvorstadt und einem Zugang zum Rosensteinpark. Er erhielt nur vier Stimmen und wurde abgelehnt. „Das war der erste Dämpfer, dem noch einige folgten“, blickt der inzwischen 73-Jährige zurück.

Die ersten schriftlichen Anträge folgten im Februar 1981, wovon einer heute noch ein ungelöstes Problem darstellt: Es ging um die Verbesserung der Situation für Radfahrer in der Liebenzeller Straße. Manche Dinge brauchen eben ihre Zeit. Wie die temporäre Sperrung der Hofener Straße für Autos. Die Aktion „Fahrrad in Stuttgart“ hatte diese bereits 1979 gefordert. Hinter der Sperrung steckte Mielerts Vision von einem autofreien Ufer, die er 1974 im Rahmen der Altstadtsanierung präsentiert hatte. Knapp 20 Jahre hat es auch gedauert, bis der Cannstatter Marktplatz autofrei wurde.

40 Ordner gefüllt

Inzwischen füllt seine Tätigkeit als Bezirksbeirat mehr als 40 Ordner. Daher kann er immer wieder aus den Vollen schöpfen und sich mit der CDU zum Teil heftige Wortgefechte liefern. Was aber für persönliche Freundschaften kein Hindernis ist. Mit Schwenger, Hans-Peter Fischer, Thomas Jakob und Bernd-Marcel Löffler hat er vier Bezirksvorsteher erlebt. Seit die Grünen die meisten Sitze im Gremium haben, darf sich Mielert als Grünensprecher immer zuerst äußern. „Das war schon eine Umstellung und Herausforderung und am Anfang gar nicht so leicht.“

Geändert hat sich auch, dass es zu vielen Themen keine Vorlagen mehr gibt, sondern mündliche Berichte. „Das erschwert die Vorbereitung.“ Und dass die Beantwortung der Anträge sehr lange dauert. Da drohte das Gremium einmal mit Sitzungsboykott, wenn nicht innerhalb von vier Wochen Antworten zu offenen Anträge vorliegen würden. Peter Mielert kämpft für seine Themen. Das Jubiläum „50 Jahre Bezirksbeirat“ strebt er nicht an. Er führt Schulungen für den Bezirksbeiratsnachwuchs durch und gibt so seine Erfahrungen weiter.

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