Einer der vielen Gastronomen, die auf eine zügige Öffnung hoffen: Evangelos Athanassopoulos Foto: /Edgar Rehberger

Seit 2. November haben die Gaststätten erneut geschlossen und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Stimmung ist am Boden, die Verzweiflung steigt. Auch bei Evangelos Athanassopoulos, dem Pächter des Sportrestaurants im Neckarpark.

Bad Cannstatt - Schlaflose Nächte und sorgenvoller Blick in die Zukunft – „Ich weiß nicht, wie lange es noch geht. Die Perspektive fehlt.“ So wie Evangelos Athanassopoulos ergeht es fast allen Gastronomen. Dem Pächter des Sportrestaurants im Neckarpark, der Vereinsgaststätte von VfL und Rot-Weiß Stuttgart, sind die Einnahmen weggebrochen. Und aufgrund der abgelegenen Örtlichkeit direkt hinter der Mercedes-Benz-Arena fällt Laufkundschaft und der so genannte Take-Away-Betrieb auch weg. „Vereinsgaststätten sind häufig so gelegen, dass es schwer ist, Essen zum Mitnehmen anzubieten“, bestätigt Daniel Ohl, Sprecher des Deutscher Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Baden-Württemberg, die Sondersituation der Vereinsgaststätten. Diese würden eher im Außenbereich liegen. „Da haben es Lokale in der Innenstadt etwas besser.“ Wobei die Pandemie alle schwer treffe. „Die Möglichkeit, wenigstens etwas einzunehmen, hängt doch stark von der Lage des Betriebes ab.“

Alle Standbeine betroffen

Evangelos Athanassopoulos, den alle nur „Vangi“ nennen, hat das Sportrestaurant im April 2012 mit einem Partner eröffnet. VfL Stuttgart und ESV Rot-Weiß Stuttgart hatten hinter dem Stadion eine gemeinsame Anlage samt Restaurant erhalten. Athanassopoulos, gelernter Hotelfachmann und Koch, kommt vom Catering-Bereich – er führt noch das Käferle-Catering. Auch die weiteren Standbeine kamen coronabedingt zum Erliegen. „Vangi“ betreibt in drei Schulen Automaten mit zuckerreduzierten Getränken und an einer weiteren Schule einen mit Snacks. „Die werden zwei Mal pro Woche befüllt.“ Derzeit nicht. Und auch das Catering für Messen, im Monat bis zu zwei, fallen ebenfalls weg. Im Januar, einer Zeit, in der im Sportrestaurant sonst weniger los ist, wäre er auf der CMT, womit die Umsatzlücken ausgeglichen werden. Und da die Heimspiele des VfB Stuttgart ohne Zuschauer ausgetragen werden, bleiben auch die Fanclubs, die vor und nach den Spielen regelmäßig bei ihm aufschlagen, weg. Gleiches gilt für die Konzertbesucher von Porsche-Arena und Schleyerhalle.

Keine Einnahmen, aber laufende Kosten. Lange geht so etwas nicht gut. „Ich bin täglich vor Ort.“ Es müsse ja alles in Schuss und betriebsbereit bleiben. „Die Nebenkosten explodieren.“ Der 46-Jährige, der seit seinem 15. Lebensjahr in der Gastronomie arbeitet und seit 2000 selbstständig ist, hat bereits einen Kredit aufgenommen, der nahezu aufgebraucht ist. Staatliche Hilfen gebe es eher schleppend. Von der November- und Dezemberhilfe sind Ende Januar Abschläge eingegangen. Der Antrag für die Hilfe III könne jetzt erst ausgefüllt werden. Viel Unterstützung gebe es durch die Dehoga. „Sie steht uns sehr gut zur Seite, hilft, berät und liefert Informationen.“

Branche fordert Perspektiven

Bis zu 30 Aushilfen und vier feste Mitarbeiter sind ansonsten bei ihm beschäftigt. „Wir haben uns hier etabliert, sind an den Wochenenden ausgebucht.“ Die gebuchten Veranstaltungen werden verschoben, aber wohin denn noch? Mai, Juni und Juli wären bei ihm voll. Doch, wie gesagt, die Perspektive fehlt. Dehoga-Sprecher Daniel Ohl verweist auf eine jetzt veröffentlichte Umfrage des Dehoga-Bundesverbandes. Demnach plädieren 80 Prozent der Teilnehmenden auf eine Öffnung der Hotels und Gaststätten. „Die Branche braucht dringend öffentliche Perspektiven.“ Am 2. November mussten diese Betriebe erneut schließen. Als „Sonderopfer“, damit andere Bereiche offenbleiben konnten, so Ohl. Denn auffällig seien Hotels und Gaststätten nicht gewesen, die Hygienevorgaben mit hohem finanziellen Aufwand erfüllt worden. „Wir werden nicht akzeptieren, später als andere Branche zum Zuge zu kommen, die genau so viel oder so wenig zur Verbreitung des Virus beigetragen haben.“ Für alles andere wird keinerlei Verständnis aufgebracht.

Das Ostergeschäft sei für die Branche wichtig. „Wir handeln nicht unverantwortlich.“ Voraussetzung seien natürlich vertretbare Infektionszahlen. Sollte dies politisch umsetzbar sein, dann solle sofort geöffnet werden. Das Sonderopfer dürfe nicht zur Dauereinrichtung werden.

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